Hallo!
In der Hinsicht hat Mauthner Recht, wenn er für die Antike die Frage nach Gott (und damit auch die des Atheismus) als weniger wichtig ansieht: Tatsächlich ist die Frage des Atheismus erst durch das Christentum, durch die Theokratie virulent geworden (wenn es auch immer mal Ansätze gegeben hat, den Ungläubigen aus der Gesellschaft auszuschließen oder aber den Glauben als für die Gemeinschaft konstituierend zu betrachten - wie bei den Asebie-Prozessen). Auch dass eine Theo-Logie bis zum ersten Konzil als solche nicht existierte, kann man unterschreiben. (Seinen Wahrheitsbegriff, auf den er sich weiterhin bezieht, jedoch nicht.) Das Buch ist allerdings schwer zu kommentieren, Mauthner geht ziemlich viel durcheinander, man kann manchmal etwas als originell herausheben, wird dann aber wieder durch wenig Durchdachtes frustriert. (Ich kann mich an die Erstlektüre erinnern und daran, dass ich das schon damals monierte.)
Der Hinweis, dass die Protestanten durch die Abkehr vom Wunderglauben eigentlich Gott (besser: ein kohärentes Gottesbild) aufgaben (und die Katholiken diesbezüglich viel besser dran sind mit der fortgesetzten Wundertätigkeit, egal, wie man das vom naturwissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet), ist sicher richtig. Die protestantische Vernünftelei gräbt sich ihr eigenes Grab. Vor allem aber ist Mauthner kein Philosoph: Deshalb kann er auch über die Vorsehung schreiben und die Willensfreiheit dabei fast ausblenden. Es ist oft geistreich, witzig und gut geschrieben, aber nicht wirklich systematisch.
lg
orzifar
Olms ist in Ordnung, diese Billig-Reprints mag ich allerdings gar nicht (sie sind oft fast unlesbar, miese Kopien).