Author Topic: Fritz Mauthner  (Read 9977 times)

Offline sandhofer

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Fritz Mauthner
« on: 10. Januar 2017, 18.20 Uhr »
Wie konnte ich den so lange vergessen? Seit rund 25 Jahren will ich immer mal was von ihm lesen. Jetzt habe ich sein Philosophisches Wörterbuch und seine Atheismus-Geschichte bestellt.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline orzifar

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Re: Fritz Mauthner
« Reply #1 on: 10. Januar 2017, 19.41 Uhr »
Hallo,

die ersten beiden Atheismus-Bände habe ich hier: Könnten wir gemeinsam lesen. Wobei ich sie teilweise schon kenne.

lg

orzifar
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Offline sandhofer

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Re: Fritz Mauthner
« Reply #2 on: 10. Januar 2017, 20.09 Uhr »
Hallo

Warum nicht, gute Idee. Ich habe Mauthner seit meiner Beschäftigung mit "Wittgenstein's Vienna" immer mal wieder auf dem Radar gehabt, aber noch nie mehr als vereinzelte Auszüge gelesen.

Grüsse

sandhofer
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Offline Karamzin

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Re: Fritz Mauthner
« Reply #3 on: 10. Januar 2017, 22.31 Uhr »
Als ich in den 1970er Jahren Fritz Mauthner in der DDR zum ersten Mal las, fiel mir auf, dass er alle möglichen nonkonformistischen Denker und Autoren unter der Rubrik "Atheismus" zusammenfasste, die indes nicht unbedingt alle als "gottlos" oder "glaubensfrei" anzusehen waren. "Atheismus" war über die Jahrhunderte hinweg als ziemlich starke Totschlag-Diffamierung auch für Leute eingesetzt worden, die sich noch nicht völlig vom Glauben abgewandt hatten. Ich habe Mauthner eher mit allgemein kulturgeschichtlichem Interesse gelesen.
Auch George Minois, von dem hier schon die Rede war, brachte in seiner "Geschichte des Atheismus" (Weimar 2000) alle möglichen Denker zusammen. Winfried Schröder vollzog für mich 1999 einen Durchbruch mit seinen Studien über das "Betrügerbuch" und die Anfänge des Atheismus im engeren Sinne am Ausgang des 17. Jahrhunderts.
Nach mehr als einem Jahrzehnt fand ich dann zumindest über das Mittelalter auch terminologisch und methodisch Neuland bei: Dorothea Weltecke: Der Narr spricht: Es ist kein Gott. Atheismus, Unglauben und Glaubenszweifel vom 12. Jahrhundert bis zur Neuzeit. Frankfurt am Main 2010.
Die Zuordnung zum "Atheismus" erscheint mir am Beginn des Zeitalters der Aufklärung am ehesten bei Jean Meslier (1664-1729) einleuchtend, der den Zusammenhang zwischen Religion und Kirche, absolutistischer Staatsmacht und Eigentumsordnung schonungslos aufdeckte, was Voltaire in Schrecken versetzte und auf Abwendungsstrategien verfallen ließ, La Mettrie und Holbach gehörten zu den begüterten und von Mäzenen begünstigten Eliten und dachten nicht an die von Klerus, Königtum, Adel und Grundbesitzern bedrückten armen Menschen. In deutscher Sprache ist Mesliers "Testament" zwar von G. Mensching 1977 wieder in der BRD herausgegeben worden, wird jedoch auch heute noch wegen seiner Sprengkraft eher vorsichtig beäugt, da es auch heutige Ordnungen in Frage stellen kann.

Offline orzifar

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Re: Fritz Mauthner
« Reply #4 on: 10. Januar 2017, 23.18 Uhr »
Hallo Karmazin,

da hast du Recht: Unter Atheismus wurden sehr viele Haltungen subsumiert, alles, was nur im entferntesten nach Religionskritik roch. Etwa auch der Agnostizismus, der aber keineswegs atheistisch sein muss, sondern zu einer fideistischen Haltung führen kann. So war der Mystizismus eine teilweise Reaktion auf den Rationalismus der Scholastik.

Und vielen Dank für die Literaturhinweise: Das hat meine Leseliste wieder anschwellen lassen.

lg

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Offline sandhofer

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Re: Fritz Mauthner
« Reply #5 on: 11. Januar 2017, 16.06 Uhr »
Meslier ... da hat schon Kollege Köllerer von geschwärmt ... Ich war weniger angetan.
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Offline orzifar

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Re: Fritz Mauthner
« Reply #6 on: 11. Januar 2017, 20.25 Uhr »
Ich habe da auch reingelesen und sehe es ähnlich wie Sandhofer. Meslier fehlt das intellektuelle Format. Eher etwas für einen Historiographen des Atheismus.

lg

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Re: Fritz Mauthner
« Reply #7 on: 16. Januar 2017, 19.49 Uhr »
Die drei Bände des Wörterbuchs der Philosophie sind angekommen. Werde ich heute Abend mal anlesen...
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Offline orzifar

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Re: Fritz Mauthner
« Reply #8 on: 17. Januar 2017, 05.22 Uhr »
Das "Wörterbuch" besitze ich nicht - und aufgrund meiner bereits wieder ausufernden Leseliste ist das wohl auch gut so.

lg

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Re: Fritz Mauthner
« Reply #9 on: 19. Januar 2017, 19.28 Uhr »
Heute ist auch Der Atheismus und seine Geschichte im Abendlande eingetroffen. Der Olms-Nachdruck 1985 der vierbändigen Ausgabe von 1920. Der Vorbesitzer (oder der Antiquar) muss eine Katze gehabt haben...  ^-^
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Offline sandhofer

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Re: Fritz Mauthner
« Reply #10 on: 20. Januar 2017, 19.31 Uhr »
Das Philosophische Wörterbuch ist übrigens ein seltsames Gebilde. Ich weiss noch nicht so ganz, worauf Mauthner hinaus will. Aber es ist eine recht unterhaltsame Lektüre.
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Offline sandhofer

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Re: Fritz Mauthner
« Reply #11 on: 23. Januar 2017, 19.06 Uhr »
Mauthners Sprachgeschichte scheint mir manchmal recht eigenwillig zu sein. Was er da an Ethymologien beibringt...
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Offline orzifar

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Re: Fritz Mauthner
« Reply #12 on: 24. Januar 2017, 04.53 Uhr »
Man merkt bei ihm, dass er mit dieser Art Sprachbetrachtung Neuland betritt - und er glaubt auch (wie viele, die ein solches Neuland für sich entdecken), dass sich damit sehr viel mehr Probleme lösen lassen als dann tatsächlich der Fall ist. Ist ja auch bei der Geschichte des Atheismus ähnlich (ich habe im übrigen nur die ersten beiden Bände).

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Re: Fritz Mauthner
« Reply #13 on: 25. Januar 2017, 06.54 Uhr »
Hallo!

Die Geschichte des Atheismus möchte ich erst beginnen, wenn ich mit dem Wörterbuch fertig bin, wenn Dir das recht ist.

Was man Mauthner nicht absprechen kann: Er kann durchaus polemisch werden, manchmal fast satirisch-giftig. Da merkt man, dass er Schopenhauer gelesen hat. Und wenn er z.B. über Bergson schreibt, hat er - die nationalistischen Töne mal abgerechnet - so Unrecht nicht.

Grüsse

sandhofer
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Offline orzifar

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Re: Fritz Mauthner
« Reply #14 on: 25. Januar 2017, 07.15 Uhr »
Hallo,

ist mir sehr recht, ich komme mit dem Lesen im Moment nicht gut voran, sodass ein weiteres Monsterwerk dies Kalamität verstärken würde. - Und ja, er kann schon schreiben, pointiert, witzig, wenn man auch manchmal anderer Meinung ist (oder sein muss).

lg

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