Author Topic: Mark Twain: The Adventures of Huckleberry Finn  (Read 2955 times)

Offline sandhofer

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Mark Twain: The Adventures of Huckleberry Finn
« on: 28. November 2016, 19.50 Uhr »
Noch eines dieser Jugenbücher, das auch Erwachsene lesen sollten. Oder ist es doch eines der Erwachsenenbücher, das auch Jugendliche lesen können? Jedenfalls fällt schon in den ersten Kapiteln auf, wie sehr sich Twain indirekt von den simplen Jungens-Streichen des Tom Sawyer distanziert.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline sandhofer

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Re: Mark Twain: The Adventures of Huckleberry Finn
« Reply #1 on: 12. Dezember 2016, 19.33 Uhr »
Nach einer längeren, durch äussere Umstände bestimmten, Pause nun weitergefahren mit dem Huck. Faszinierend, wie Mark Twain seine Kritik an der modernen USA, aber auch an der ganzen modernen Welt, in diesem Buch versteckt. Und das, ohne nostalgisch-sentimental zu werden. Früher war halt auch nichts besser. Allenfalls anders.
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Offline Karamzin

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Re: Mark Twain: The Adventures of Huckleberry Finn
« Reply #2 on: 13. Dezember 2016, 08.33 Uhr »
Als ich im Alter von acht Jahren zum ersten Mal den "Huckleberry Finn" las, eröffnete er mir einen Blick auf die Städte am Mississippi und das Leben in Flußnähe, auf das Verhältnis zwischen Schwarzen und Weißen im 19. Jahrhundert. Den Dialog zwischen Huck und dem Schwarzen Jim über die Sprachen kenne ich noch auswendig: "... Ist der Franzose ein Mensch? Warum spricht er dann nicht wie ein Mensch?" Diese Szene ist humorvoll und zeigt doch, wie sehr die Unbildung unter den ehemaligen Sklaven verbreitet war - "unverschuldete Unmündigkeit".
In den darauf folgenden Jahrzehnten bekam man in der DDR nur selektiv Literatur über die USA zu lesen. Harriet Beecher-Stowe, Jack London, Hemingway und Faulkner wurden im Handel vertrieben. Ich griff aber immer wieder zu Mark Twain.
Literatur also im wahrsten Sinne des Wortes auch als Informationsquelle in einer Zeit, in der es nur außerordentlich wenige Sachbücher gab.

In den 1960/70er Jahren, als das Fernsehen Einzug hielt in die Wohnungen, wirkten in erster Linie die Eindrücke vom schrecklichen Vietnam-Krieg, wenn man nicht Westfernsehen sah, gezwungenermaßen oder freiwillig.
Sicher haben sich etliche für amerikanische Lebensweise begeistern lassen (die Kanzlerin hat sich mitunter in diesem Sinne geäußert), aber man braucht sich nicht zu wundern, dass für viele Menschen in den östlichen Landesteilen Amerika sehr fremd geblieben ist, Russland dafür, auch aus eigener Anschauung, um so näher ist.
Da müssten diejenigen genauer hinschauen und nicht jede kritische Äußerung vorschnell als "Anti-Amerikanismus" denunzieren, die mit einem durchweg positiven Amerika-Bild aufgewachsen sind, die dort Freunde haben und dort eine zeitlang gelebt haben.

Offline sandhofer

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Re: Mark Twain: The Adventures of Huckleberry Finn
« Reply #3 on: 16. Dezember 2016, 16.01 Uhr »
Dazwischen ein Seitenhieb auf die Shakespeare-Manie jener Zeit. Da wir Hamlets Monolog auf eine Art und Weise verunziert, dass es eine Freude ist.
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Offline sandhofer

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Re: Mark Twain: The Adventures of Huckleberry Finn
« Reply #4 on: 23. Dezember 2016, 20.39 Uhr »
Jedenfalls fällt schon in den ersten Kapiteln auf, wie sehr sich Twain indirekt von den simplen Jungens-Streichen des Tom Sawyer distanziert.

Auch zum Schluss wieder. Das Buch könnte auch "Die Demontage des Tom Sawyer" heissen.
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Offline sandhofer

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Re: Mark Twain: The Adventures of Huckleberry Finn
« Reply #5 on: 25. Dezember 2016, 07.10 Uhr »
Passend zu Weihnachten habe ich den Text nun im Blog vorgestellt. Ist tatsächlich fast eine Predigt geworden...
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Offline Karamzin

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Re: Mark Twain: The Adventures of Huckleberry Finn
« Reply #6 on: 25. Dezember 2016, 23.49 Uhr »
Dass es im "Huckleberry Finn" mitunter sehr ernst zugeht, zeigt sich unter anderem auch an der Erwähnung des "Teerens und Federns" in dem Roman.
Ich habe mir bis heute gemerkt, dass ich zur Zeit meiner Erstlektüre 1963/64 von Grauen über diese Art der Folter und Bestrafung erfasst wurde und mich fragte, ob man diese Prozedur lebend überstand. Im elterlichen Bücherschrank standen nur zwei Bände eines Universal-Lexikons, die darüber nichts boten. 1963 bekamen wir auch den ersten Fernseher (sowie einen Kühlschrank) in die Wohnung - die durch die Lektüre des "Huckleberry Finn" erzeugten Bilder verbanden sich in meiner Phantasie mit filmischen Bildern von Lynchjustiz und Bestrafung der Sklaven in den amerikanischen Südstaaten. 

Offline sandhofer

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Re: Mark Twain: The Adventures of Huckleberry Finn
« Reply #7 on: 28. Dezember 2016, 18.57 Uhr »
Im Grunde genommen geht es im Huckleberry Finn immer ernst zu. Die paar Possen (z.B. eine Shakespeare-Travestie) sind kaum der Rede wert...
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