Author Topic: Virginia Woolf: Orlando  (Read 2263 times)

Offline sandhofer

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Virginia Woolf: Orlando
« on: 29. August 2010, 17.41 Uhr »
Hallo zusammen

So zwischendurch - so zwischendurch, wie Woolf das Buch selber geschrieben hat - habe ich noch Virginia Woolfes Orlando eingeschoben. Im Gegensatz zu The Waves oder To the Lighthouse, ist hier so gar nichts Experimentelles in der Erzähltechnik aufzufinden. Wir treffen auf Orlando, einen jungen englischen Adligen und begleiten ihn durch sein Pubertät. Jedenfalls soweit ich bisher gelesen habe. Ein wunderhübsches zweites Kapitel, wo Orlando Dichter werden will. Ausgerechnet die Lektüre von Sir Thomas Browne, einer der grössten Melancholiker vor dem Herrn, regt ihn dazu an, seine schon vorhandenen rund 40 Tragödien aus seiner Jugendzeit zu jedem möglichen Thema der Antike wieder hervorzunehmen. Orlando lädt auch einen zeitgenössischen Dichter zu sich nach Hause ein, und muss erfahren, dass ein Dichter "life" etwas ganz anderes, viel neidischeres und händelssüchtigeres ist, als was ihm als sein hehres Ideal vorschwebte. Eine hübsche kleine Satire.

In meinen Anmerkungen wird zu den Dichtern, denen Orlando nachstreben will bzw. die von seinem Gast Green verrissen werden, auf Woolfs Essay-Sammlung The Common Reader bzw. Der gewöhnliche Leser verwiesen. Kennt die jemand?

Grüsse

sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

BigBen

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Re:Virginia Woolf: Orlando
« Reply #1 on: 30. August 2010, 07.41 Uhr »
In meinen Anmerkungen wird zu den Dichtern, denen Orlando nachstreben will bzw. die von seinem Gast Green verrissen werden, auf Woolfs Essay-Sammlung The Common Reader bzw. Der gewöhnliche Leser verwiesen. Kennt die jemand?

Nein, noch nicht. Steht aber schon zur zukünftigen Lektüre im Regal (ich kann mich aber gerade nicht mehr erinnern, welches andere Buch mich zum Erwerb derselben geführt hat  ??? ).

Offline orzifar

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Re:Virginia Woolf: Orlando
« Reply #2 on: 30. August 2010, 11.51 Uhr »
Von Virginia Woolf kenne ich so gut wir gar nicht - bzw. ich kann mich an wenig mehr erinnern. Außer, dass ihre Romane und Erzählungen bei mir den Geschmack nach ungesüßtem Kamillentee hinterließen, immer ein bisschen fade und während des Lesens ständig mit der Frage konfrontiert, warum ich mir das antun solle.

Was könnte den am ehesten als Wiedereinstieg empfohlen werden?

lg

orzifar
Derzeitige Lektüre:

Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
John Irving: Owen Meany

Offline sandhofer

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Re:Virginia Woolf: Orlando
« Reply #3 on: 30. August 2010, 13.30 Uhr »
Was könnte den am ehesten als Wiedereinstieg empfohlen werden?

Da fragst Du mich was. Ich kenne ja selber nur wenig von ihr. Und habe bei ihr, einmal mehr, einen völlig untypischen Einstieg gewählt. Ich bin nämlich über ihre feministische Streitschrift A Room of one's own (oder so ähnlich) auf sie aufmerksam geworden. Ein sehr intelligenter Aufsatz über die Produktionsumstände weiblicher Schriftsteller. Danach habe ich The Waves gelesen, was mir ebenfalls sehr gefallen hat. Ein bisschen intellektuell und konstruiert, ja. Aber vor allem sprachlich (ich hab's auf Englisch gelesen) gelungen: die Gezeiten, die Wellen werden auch in der Sprache gelungen abgebildet. To the Lighthouse war dann eher eine Enttäuschung: Allzu konstruiert und ohne die sprachliche Schönheit der Wellen. Daraufhin habe ich Woolf erstmal eine Weile in Ruhe gelassen. Orlando ist jetzt das vierte Buch von ihr. Weniger intellektuell, was die Machart betrifft. Inhaltlich, vor allem, was die Literatur betrifft (Orlando ist ja die fiktive Biografie eines Autors bzw. einer Autorin), wirft Fr. Woolf schon mit Kenntnissen um sich. Ein bisschen, aber nur ein kleines bisschen, barock, das Ganze. Aber als entspannende Lektüre zwischendurch durchaus geeignet, wie ich finde.
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Offline sandhofer

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Re:Virginia Woolf: Orlando
« Reply #4 on: 31. August 2010, 13.04 Uhr »
Ich bin mit Orlando unterdessen durch seine/ihre Geschlechtsumwandlung durch. Einige ganz witzige Pointen über den Unterschied der Geschlechter waren die primäre Konsequenz derselben.

In der Zwischenzeit ist selbst Victoria gestorben, und Edward regiert. Allerdings wird die Story als solche mit zunehmender Dauer tatsächlich zum ungesüssten Kamillentee. Sie plätschert sanft und leise vor sich hin, bzw. versickert gemächlich im Sande der Ziellosigkeit der Erzählerin. Nun ja, ich habe schon Schlimmeres gelesen.
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