Author Topic: Vladimir Nabokov - Die Erzählungen  (Read 24559 times)

Offline Kenavo

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Re:Vladimir Nabokov - Die Erzählungen
« Reply #30 on: 03. August 2009, 18.38 Uhr »
10. Détails d'un coucher de soleil (Einzelheiten eines Sonnenuntergangs)
Juni 1924

Man soll die Hoffnung mit mir nie aufgeben. Da bin ich also wieder - fast auf den Tag genau, ein Jahr später - an der Lektüre von Nabokov.. und ich bin auch gleich wieder so begeistert wie vor einem Jahr!

Der Notiz im Anhang entnehme ich die Information dass diese Geschichte zuerst mit einem anderen Titel veröffentlicht wurde (Katatsrofa) und Nabokov meint lapidar er fühle sich nicht für diesesn Titel verantwortlich, habe sie also umbenannt - und damit gleich eine dreifache Wirkung :
°der Hintergrund der Geschichte spiegelt sich gut darin wieder
°dieser Titel mache Leser neugierig die Beschreibungen überspringen würden und
°er würde damit die Kritiker ärgern


Was nun die Geschichte anbelangt, finde ich dass er in der Tat hier einen sehr guten Titel gefunden hat. Nicht nur seine Landschaftsbeschreibungen sind wieder vom Feinsten, er deutet auch auf ein Ereignis hin das sich in der Geschichte abspielt und das ich natürlich nicht nennen werde da ich anderen Lesern nicht vor der Lektüre die Pointe verraten kann.

Mark heisst der ‚Held’ dieser eher traurigen Geschichte. Mark der sich kurz vor seiner Hochzeit mit Klara befindet. Klara von der man zwar tuschelt sie sei noch bis vor kurzem verliebt gewesen, aber der Auserwählte ist über Nacht verschwunden und hat Mietschulden und ein gebrochenes Herz hinterlassen. Mark der sich glücklich wähnt dass Klara ihn auserwählt hat um ein gemeinsames Leben aufzubauen.

Auf nur 7 Seiten entwirft er ein Naturpanorama mitten in der Stadt was wunderschön zu lesen ist und lässt darin auch noch eine Tragödie ‚auftreten’.


Ich freue mich auf die folgenden Geschichten (wobei ich hoffe dass es nicht zwischen jeder von ihnen eine Pause von einem Jahr geben wird  ;) )
"Jener, der sich in seiner Leidenschaft verliert, hat weniger verloren als jener, der seine Leidenschaft verloren hat.“
Saint Augustin

Offline mombour

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Re:Vladimir Nabokov - Die Erzählungen
« Reply #31 on: 03. August 2009, 18.40 Uhr »
Hallo kenavo,

ich habe die Erzählung auch gerade gelesen und verrate die Pointe nicht. Aufallend, Nabokov erwähnt sehr oft Farben. Sehr schön fand ich (abgesehen von dem Sonnenuntergang) das knisternde Spiel der Funken auf dem Fahrdraht einer Straßenbahn. Ein herrliches Kleinod zwischen Glück und Tragik.

Vor dieser Erzählung ist in meinem Band noch "Zufall". Gibt es die Geschichte in deinem Band?

"Zufall" (1924)

Tragische Geschichte eines Emigranten, der 1919 aus Russland geflohen sind, weil sie hinter ihm her waren. Seine Frau Lena ist in Russland geblieben, in Odessa hatten sie sich verpasst. Nun hat Lushin, der Emigrant, sich durch diverse Jobs geschlagen und ist nun Kellner im Speisewagen eines Zuges. Er ist völlig deprimiert, weil er seine Frau vermisst und wohl niemals wieder sehen werde. Im Grunde genommen hat er mit seinem Leben abgeschlossen.

Und dann passiert es. In einem Zug von Berlin nach Paris befinden sich beide, Lushin und Lena. Was dann passiert, verrate ich mal nicht.

Wie in "Maschenka", melancholische Geschichte über einen Emigranten, der seine große Liebe niemals wieder sieht. Natürlich, "Maschenka" finde ich bedeutend besser, und das hat aber nichts damit zu tun, weil diese Erzählung viel kürzer ist. Sprachlich ist "Maschenka" weithaus virtuoser. Mir hat auch "Einzelheiten eines Sonnenuntergangs" viel besser gefallen, weil dort so viele Farben versprüht werden und das Lokalkolorit weitaus fassbarer und schöner getroffen ist. Tragisch sind beide Geschichten.

Liebe Grüße
mombour
Thomas Hardy: Herzen in Aufruhr
Fernando Pessoa: Buch der Unruhe

Offline Kenavo

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Re:Vladimir Nabokov - Die Erzählungen
« Reply #32 on: 03. August 2009, 18.44 Uhr »
Hallo Mombour,

Quote from: Mombour
ich habe die Erzählung auch gerade gelesen und verrate die Pointe nicht. Aufallend, Nabokov erwähnt sehr oft Farben. Sehr schön fand ich (abgesehen von dem Sonnenuntergang) das knisternde Spiel der Funken auf dem Fahrdraht einer Straßenbahn. Ein herrliches Kleinod zwischen Glück und Tragik.
Ja - ganz wundervolle Beschreibungen - gleich der erste Satz als Einsteiger:
Le dernrier tramway disparaissiat dans l'obsurité de la rue comme dans un miroir.. (in etwas : die letzte Strassenbahn verschwand in der Finsternis wie in einem Spiegel...) [und dann kommen die von dir erwähnten Funken..  ;)]

Quote from: Mombour
Vor dieser Erzählung ist in meinem Band noch "Zufall". Gibt es die Geschichte in deinem Band?
Hm... schon die Geschichte Der Kartoffelelf brachte mich zum Grübeln - fehlt nämlich auch, so wie der Zufall...
und dabei heisst es "komplette Edition"
Irgendwie scheinen es die Franzosen mit dem Wort nicht so genau zu nehmen  ;D

Jedenfalls geht es bei mir weiter mit Das Gewitter, Die Venezianerin, Bachmann, Der Drachen...

Ich habe versucht eine Inhaltsangabe im Internet zu finden welche Geschichten in den beiden deutschen Bänden enthalten sind - aber nix..

Im Idealfall finden wir uns aber bei den meisten Geschichten wieder :D

lg
Kenavo
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Re:Vladimir Nabokov - Die Erzählungen
« Reply #33 on: 03. August 2009, 18.47 Uhr »
Wir sind aktuell!!
Es ist tatsächlich vollbracht!
Wir haben die ganzen Nachrichten herübergeschafft  ;)

(und vor lauter Erschöpfung werde ich jetzt nicht zum Lesen kommen  ;D )
aber in der Tat - der Zufall macht manchmal nette Kapriolen - ich habe heute morgen meine Büchertasche vergessen - ABER - mein Nabokov-Buch ist immer hier im Büro.. also werde ich heute abend mit der nächsten Geschichte in meinem Band weiter machen

lg
Kenavo
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Re:Vladimir Nabokov - Die Erzählungen
« Reply #34 on: 19. August 2009, 20.29 Uhr »
L’orage / Das Gewitter
(Sommer 1924)

Eine sehr kurze Geschichte die hautpsächlich die schöne Beschreibung eines Gewitterregens über der Stadt ist.
Beinhaltet auch wieder ein phantastisches Element das mich allerdings hier auch wiederum nicht so sehr stört dass es mir den Lesegenuss verleidet hätte.

Immer wieder fasziniert mich wieviele kleine, fast unbedeutendet Details er in wenigen Sätzen einfliessen lässt und die sich allerdings wie Widerhaken festsetzen (wie hier z.b. der Abschnitt mit diesem Violinengeräusch oder dem Gesang einer hübschen Unbekannten im Hinterhof).
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