Author Topic: Männlein und Weiblein ...  (Read 6592 times)

Offline Anita

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Männlein und Weiblein ...
« on: 08. November 2009, 16.59 Uhr »
Hallo …

Das will mir auch nicht mehr aus den Kopf. Nein, orzifar Männer und Frauen sind nicht gleich und ticken auch nicht gleich! Darüber habe ich jetzt fast die Krise bekommen. Ich will auch gar nicht, dass sie gleich sind, ich liebe diesen Unterschied!
Ich bin zwar eine Emanze in dem Sinne, dass ich absolut die weibliche Entwicklung, Willensfreiheit, Gedanken und, und, und natürlich gleichstelle; bin aber gleichzeitig eine Gegnerin der Schwarzer, wenn sie die totale Gleichstellung fordert. Mann soll Mann bleiben und Frau Frau.
Denn wenn ich von jeder Frau verlange, dass sie arbeiten geht, Kinder hat und ein tolles Sexleben sowie attraktiven Mann, dann überfordere ich die meisten Frauen. Ebenso wohl auch die meisten Männer. (Arbeitsaufteilung, egal wie, finde ich klasse.) Warum sollten sich heute die "nur Hausfrauen" schämen oder sich minder vorkommen?
Ferner ist rein biologisch das Nervenkostüm einer Frau nicht so strapazierfähig, wie das der Männer, also warum dieser absolute Hipe zur Macht. Wenn eine Frau die gerne besitzen möchte, bitteschön, aber ich hasse diesen Druck, der dadurch entsteht, dass Frau heute alles sein muss!
Ich persönlich bin eine ganz typische Frau und passe in die meisten Klischees voll rein; intuitiv, spontan, gefühlsmäßig und lasse mir gerne den Mantel aufhalten. Aber mittlerweile fragt man sich als Frau, ob man all die männlichen Attribute nicht inne haben muss.

LG
Anita
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Offline mombour

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Re:Männlein und Weiblein ...
« Reply #1 on: 08. November 2009, 17.19 Uhr »
Aber mittlerweile fragt man sich als Frau, ob man all die männlichen Attribute nicht inne haben muss.

Na,na, nicht müssen. Jeder tickt wie er tickt. Was andere aufstülpen wollen oder meinen, interessiert doch nicht. Ein Mann kann auch emotional sein oder kann flennen. Es wird durch Medien und Werbung soviel vorgegaukelt, wie man sein muss. Wenn wir so sein wollten, wie die meisten, dann würden wir nicht lesen. ^-^

mobourius
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Offline orzifar

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Re:Männlein und Weiblein ...
« Reply #2 on: 09. November 2009, 16.49 Uhr »
Hallo!

Hm, du vermischt relativ sinnfrei Geschlechterstereotypen, ohne diese zu hinterfragen. Etwa Mann und Arbeiten, Hausfrauendasein, konnotierst Karriere positiv (und männlich) etc. Ob nun eine Frau Karriere machen soll, steht dabei nicht zur Debatte. Aber: _Wenn_ sie das will, dann soll sie dazu die Möglichkeit haben. Wenn sie hingegen glaubt, das tun zu müssen (womit sie ohnehin nur ihre Abhängigkeit von der Meinung anderer beweist), ist sie auf einem Holzweg.

Worum es mir ging und worauf ich im anderen Thread hingewiesen habe: Dass emotionale und intellektuelle Ausstattung  von Mann und Frau sich in weitaus geringerem Maße unterscheiden als sie sich gleichen. Und dass ich (mit einem ehemals sehr großen Bekanntenkreis) unabhängig vom Geschlecht Freundschaften geschlossen habe, dass ich mich mit Frauen verstand, mir Männer auf die Nerven gingen (und umgekehrt) und dass das Geschlecht bei diesem "Auf die Nerven Gehen" irrelevant war (wenngleich es häufig geschlechtsspezifische Dummheiten gibt, welche mir aber ebenso häufig anerzogen scheinen). Zum anderen besteht die Gefahr beim Hinweis auf diese vermeintlichen Unterschiede (die eben so groß bei weitem nicht sind - wenn denn überhaupt relevant vorhanden), das aufgrund dessen irrwitzige Entscheidungen getroffen werden: Etwa eben Frauen nicht zum Arztberuf zuzulassen, weil sie während ihrer Menstruation unerträglich launisch wären. Mit ebenso großer Selbstverständlichkeit hat man Frauen das Wahlrecht vorenthalten und auch dies mit "Unterschieden" begründet, denen man heute selbst in den Urkantonen der Schweiz die Anerkennung versagt.

Ferner ist rein biologisch das Nervenkostüm einer Frau nicht so strapazierfähig, wie das der Männer

Dieser Satz hat für ein wenig Belebung ihm geruhsamen, abendlichen Dasein der Familie orzifar geführt. Denn, ich konnte nicht umhin, mein überaus hochgeschätztes und -geliebtes Weib diesen Satz hören und verifizieren zu lassen: "Sieh auf von deinen juristischen Akten und lausche mir, deinem dir rechtmäßig angetrauten Manne, höre und staune und sage mir deine Meinung": - Woraufhin ich zitierte. Nicht bedenkend, dass Frau orzifar nebenher gerade dem Salzgebäck den Garaus machte, sich gehörig verschluckte und nach einem gediegenen Hustenanfall mir grinsend, jedes Wort betonend erwiderte: "Das - ist - mir - neu!" Nach kurzem Nachdenken: "Vermutlich die geistige Emanation eines Mannes."

Letzteres habe ich in Abrede gestellt. Ohne sie weiter im Studium ihrer Gerichtsakten zu stören gehe ich stillschweigend von der Annahme aus, dass sie mit jenem Satze Zweifel an der Wahrheit der Behauptung äußern wollte. Sie meinte denn auch, dass sie - sich induktiver Methoden bedienend - ohne weiteres einiges beitragen könnte zur Widerlegung dieser These. Warum sie dabei mich angesehen hat (der ich die Ruhe selbst bin), will mir nicht einleuchten; die einzige Erklärung besteht darin, dass sich außer meiner Wenigkeit kein Exemplar männlichen Geschlechts im Raum befunden hat.

Zudem: Ich habe in meinem Leben einiges an (vermeintlichem) Wissen unter Jugendliche und Erwachsene zu bringen versucht, meist Dinge, die mit Zahlen und somit Mathematik zu tun hatten. Und wenn auch ein paar Hundert Leute nicht repräsentativ sein mögen: Nirgendwo ist mir etwa dieser so oft strapazierte Unterschied aufgefallen bezüglich geschlechtsspezifischer Talente. Generell könnte man behaupten: Mehr Dämliche als Intelligente, dies aber geschlechtsunabhängig.

Im anderen Thread hab ich's teilweise ausgeführt: Mir will scheinen, dass wir hauptsächlich Menschen sind, dass wir aus dem weitgehend gleichen Pool unsere Gefühle, unser Denken bestreiten, worauf sich die - geschlechterübergreifende - Fähigkeit der Empathie gründet. Und zudem sind wir auch alle ein wenig unterschiedlich, größer, kleiner, klüger, schwarz, gelb, weiß, sentimentaler, verschlossener - was auch immer. Kleinigkeiten wie Hautfarbe, Herkunft oder Klitoris sollten dabei zweitrangig sein.

Und was Höflichkeit anlangt: Auch diese sehe ich geschlechterübergreifend. Ich pflege in entsprechenden Situationen jedem die Tür aufzuhalten: Ob 14jähriger Junge, 70jähriger Frau oder auch einer hübschen, jungen Dame.

lg

orzifar
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Offline Anita

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Re:Männlein und Weiblein ...
« Reply #3 on: 09. November 2009, 19.29 Uhr »
Hallo orzifar.

Wenn ich mir nun deine Antwort durchlese, sind wir gar nicht so weit auseinander, außer in dem Punkt, dass ich den Druck und das Muss vehement verurteile, und dass wir aus zwei verschiedenen Milieus heraus betrachten.

Deine Aussage: „Dass emotionale und intellektuelle Ausstattung  von Mann und Frau sich in weitaus geringerem Maße unterscheiden als sie sich gleichen.“ zu meiner: „Ich bin zwar eine Emanze in dem Sinne, dass ich absolut die weibliche Entwicklung, Willensfreiheit, Gedanken und, und, und natürlich gleichstelle;“ sind fast identisch.

Was uns wirklich trennt ist die Freiheit der Selbstbestimmung.

Wie ich aus deinem Post entnehme bist du Mathematiker, deine Frau Juristin, also Akademiker.  Damit kann ich/wir nicht dienen, in meiner Schicht sind die Frauen meist dazu „verdonnert“ mitzuarbeiten, einen Job anzunehmen, egal welchen, Hauptsache ein Nebenverdienst. Daraus entsteht auch diese Wut, die in meinem Kommentar so präsent ist, nämlich auch noch unter dem Deckmantel der Schwarzer, dass Frau von heute das alles MUSS! Das hast du doch bestimmt auch schon erlebt, eine kreischende Frau, die im Supermarkt fast die Krise wegen ihrem Nachwuchs bekommt.

Quote from: “orzifar“
du vermischt relativ sinnfrei Geschlechterstereotypen, ohne diese zu hinterfragen.

Das kann sein, dass das so rüber kommt, aber ich halte immer beide Augen auf. Und die Welt von heute macht mir Angst, denn solche überforderten Frauen sehe ich zu Hauf  :( Als Antwort erhält man dann, wieso, ihr wolltet doch die Emanzipation, die Gleichstellung  ::) Darum geht es mir.

LG
Anita
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Offline orzifar

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Re:Männlein und Weiblein ...
« Reply #4 on: 09. November 2009, 23.22 Uhr »
Was uns wirklich trennt ist die Freiheit der Selbstbestimmung.

Was die Freiheit der Entscheidung anlangt warst du es, die von (scheinbarem) Müssen sprach, etwas, dem ich in meinem Posting widersprochen habe. Wer aufgrund der Umwelt "zu müssen glaubt" begibt sich ohnehin schon dieser Freiheit. Selbstbestimmung halte für einen der wichtigsten Werte überhaupt.

Frauen müssen schlicht alles dürfen (und können es auch), was Männern erlaubt ist. (Allerdings pflegen Männer relativ viel Unsinn zu machen, weshalb es mir ein zweifelhaftes Ziel zu sein scheint, denselben alles nachzumachen.) Aber in einem hat Frau Schwarzer natürlich Recht: Pflichten und Rechte sind eng miteinander verbunden. Manchmal annähernd dasselbe: Etwa beim Wahlrecht, das auch eine Form von staatsbürgerlicher Pflicht darstellt.

Worin wir uns unterscheiden scheint nicht die "Freiheit der Entscheidung" zu sein, sondern die Einschätzung, inwieweit es spezifisch weibliche bzw. männliche Eigenschaften gibt und einen wie großen Einfluss diese Eigenschaften (wenn vorhanden) ausüben. Mir scheinen diese Unterschiede summa summarum so gering zu sein, dass sie vor dem Hintergrund des "Menschseins an sich" unbedeutend werden, während du ihnen offenbar größere Bedeutung beimisst. Und ich habe Eigenschaften, die als weiblich gelten, bei Männern angetroffen (und vice versa). Und: Mir fiele niemals ein, nur aufgrund des Geschlechts einen Unterschied in meinem Verhalten zu anderen zu machen.

Im übrigen ist das "Mitarbeiten" als auch die Gleichberechtigung keine schichtspezifische Angelegenheit. Ich weiß auch nicht, ob (bzw. wo) Frau Schwarzer gesagt hat, dass eine Frau dies alles (was alles, Kinder, Haushalt, Karriere?) "muss". Kinder und Haushalt sind offenbar gemeinsame Entscheidungen (dies also hängt von den Partnern ab, wie sie das regeln - außer dem Kriegen und Stillen der Kleinen, hier tut sich Mann auch beim besten Willen ziemlich schwer). "Müssen" tut man selbstredend gar nichts (wer wollte denn diesen Befehl erteilen und die Einhaltung kontrollieren), wir sind in unserer westeuropäischen Welt diesbezüglich relativ frei. Vieles von dem, was Menschen zu müssen glauben (ob Mann oder Frau) sind unreflektiert auf sich genommene Zwänge, die sich bei genauerem Nachdenken als Schimäre herausstellen.

lg

orzifar

der kein Mathematiker ist, aber die Entscheidung, nicht auf die naturwissenschaftliche Fakultät zu gehen, mehrfach bedauert hat. Andererseits: Wäre dem so gewesen, wäre vielleicht auch das Bedauern ein umgekehrtes.
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Offline Anita

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Re:Männlein und Weiblein ...
« Reply #5 on: 10. November 2009, 11.05 Uhr »
Quote from: “orzifar“
Was die Freiheit der Entscheidung anlangt warst du es, die von (scheinbarem) Müssen sprach, …
Natürlich, weil man sich Emanzipation finanziell leisten muss.
Ansonsten kannst du mir glauben, dass ich sehr gleichberechtigt denke und handle, und jedem das seine zuspreche und fast ein Moralapostel bin.

Kommen wir zum Unterschied, denn es sicherlich gibt, und den ich mir nicht gleichmachen lasse: Das ist das Testosteron auf der einen Seite und Östrogen auf der anderen.
Die Wissenschaft erforscht derzeit wie die ganzen biochemischen Prozesse des Testosterons ablaufen, wie Stimmbruch beim Knaben, Muskelwachstum und überhaupt die Bildung von Geschlechtsorganen im Mutterleib (da wird nämlich das Y-Chromosom vom Testosteron erst wachgerüttelt).
Darüber hinaus bestimmt das männliche Hormon auch Charaktereigenschaften und Stimmungen des Menschen, aber wie das alles funzt, ist noch lange nicht erforscht. (Und soweit mit der Emanzipation, denn das Östrogen sorgt momentan nicht für so viel Wirbel, es wird erst später an die Reihe kommen. Ich bin mir sicher, dass dieses Hormon auch sehr viel im Körper bewirkt, außer den geschlechtlichen Merkmalen.)
Von daher ist es kein Wunder, wenn mombour einige weibliche Attribute bei sich feststellt, und ich männliche Auseinandersetzungslust verspüre.  Alles eine Sache des Testosterongehalts im Blut ;)

Ob es stimmt, dass das weibliche Gehirn (also die Sprachregionen mehr durchblutet sind beispielsweise)  anders arbeitet als das männliche, darüber bin ich auch im Zweifel. Da könnte ich mir vorstellen, dass das einfach ein Ergebnis der Erziehung/Kultur und Umwelt ist. Und wenn wir es ein paar Jahrhunderte anders handhaben, dass es diese Unterscheidung nicht mehr gibt.

Aber die Hormone spielen meiner Meinung eine wesentliche Rolle.

LG
Anita
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Offline orzifar

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Re:Männlein und Weiblein ...
« Reply #6 on: 10. November 2009, 14.04 Uhr »
Natürlich, weil man sich Emanzipation finanziell leisten muss.

Wie definierst du denn Emanzipation, dass sie bei dir zur Geldfrage wird? (Abgesehen von der selbstverständlichen Forderung nach gleichem Lohn.) Ich weiß um emanzipierte Frauen, die sehr wenig Geld verdienen und um sehr viel Reichere, die es nicht sind. Geld erleichtert manches, sein Nichtvorhandensein dient aber zumeist nur als Vorwand. (Dahinter steckt die verquere Idee, dass Geld glücklich mache. Die Realität weiß aber von solchen Dingen nichts. Es geht in diesen Vorstellungen sehr viel mehr um diese selbstauferlegten Zwänge, von denen ich im letzten Beitrag sprach. Was hat man etwa mir nicht alles erzählt bezüglich der Kosten von Kindern. Das einzige, was ich immer wieder erlebt habe, ist der schon schwachsinnige anmutende Umgang mit Geld in Bezug auf Kinder.)

Zum anderen kann ich mich nur wiederholen: Ich bestreite nicht unterschiedliche Anlagen von Mann und Frau (und deren unterschiedliche hormonelle Ausstattung), sondern mir geht es um die Bedeutung, die diesen Dingen beigemessen wird. Es mag sein, dass Männer im Durchschnitt aggressiver sind, aber das spielt eben für mich nicht die geringste Rolle im Umgang mit Männern (bzw. Frauen, bei denen mir aggressive Exemplare auch bekannt sind). Vielleicht sind Frauen intelligenter (wobei sich die Frage stellt, was denn da eigentlich gemessen wird), vielleicht sind es Männer. Der Unterschied (wenn vorhanden) ist in keinem Fall in einer Weise signifikant, dass sich daraus irgendwelche Konsequenzen in meinem Verhalten ergeben würden.

Im übrigen will ich nichts "gleichmachen", sondern weiß Unterschiede sehr zu schätzen. Wobei die Unterschiede für mich eben individueller Natur sind und sehr viel weniger vom Geschlecht bestimmt als bei dir. Ich kenne etwa sogenannte "Männergespräche" überhaupt nicht, wenn ich sarkastisch, zynisch bin, politisch inkorrekt nebst Augenzwinkern, meinetwegen auch anzüglich - dann bin ich es _immer_. Weil ich mich einem Gesprächspartner gegenüber glaube, der dies versteht. Egal welchen Geschlechts.

lg

orzifar

der sich nun der sehr unmännlichen Tätigkeit des Kinderhütens hingeben wird und sich mehr mit olfaktorisch wenig anheimelnden Kinderwindeln denn der Bedeutung der Hormone beschäftigen muss. Nebst der ästhetisch zweifelhaften gesanglichen Unterstützung beim Einschlafen des Kleinen (und auch beim Zähneputzen muss gesungen werden, dort hilft's allerdings nicht immer und wird vom Protestgeheul des Kleinen so manches mal unterbrochen).
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Re:Männlein und Weiblein ...
« Reply #7 on: 10. November 2009, 14.54 Uhr »
Dann sind wir uns im Grunde einig, und es gibt keine Differenzen.

Quote
Wie definierst du denn Emanzipation, dass sie bei dir zur Geldfrage wird?

Wie oben schon erwähnt, wenn Frau nicht danach gefragt wird ob sie Kinder, Haushalt und Beruf, alles gleichzeitig möchte, sondern finaziell dazu genötigt wird.
Und wenn eine Frau Schwarzer behauptet, dass Frau nur eine emanzipierte Frau ist, wenn sie sich beruflich verwirklicht  :o Das ist in der heutigen Gesellschaft fast gar nicht mehr so möglich, viele müssen einfach arbeiten, weil sie das Geld brauchen.

Quote
Ich bestreite nicht unterschiedliche Anlagen von Mann und Frau (und deren unterschiedliche hormonelle Ausstattung), sondern mir geht es um die Bedeutung, die diesen Dingen beigemessen wird.

Denn eine Welt, in der mir irgendein Mensch begegnet, ohne dass ich erkennen kann ob es jetzt ein Mann oder eine Frau ist, fände ich sehr uninteressant ... (Jetzt ganz verschärft dargestellt.)

Du meinst jetzt diese ganzen Beratungsbücher: Wie tickt Frau und So ist Mann? Die mag ich auch nicht.

LG
Anita

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Offline orzifar

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Re:Männlein und Weiblein ...
« Reply #8 on: 10. November 2009, 18.22 Uhr »
Wie oben schon erwähnt, wenn Frau nicht danach gefragt wird ob sie Kinder, Haushalt und Beruf, alles gleichzeitig möchte, sondern finaziell dazu genötigt wird.

Wie soll denn diese Nötigung aussehen??? Versteh ich nicht, wer kann denn etwa dich "nötigen", das zu tun? Das ist doch wohl _deine_ Entscheidung. Wenn man das alles natürlich unbedingt möchte wird man zu Konzessionen gezwungen sein, das aber ist überall so. Wenn ich ein Spitzensportler sein will, muss ich ebenfalls einiges auf mich nehmen - und wenn ich das will, dann werde ich das eben tun. Wenn nicht, dann nicht. Dazu kann mich auch keiner nötigen.

Und wenn eine Frau Schwarzer behauptet, dass Frau nur eine emanzipierte Frau ist, wenn sie sich beruflich verwirklicht  :o Das ist in der heutigen Gesellschaft fast gar nicht mehr so möglich, viele müssen einfach arbeiten, weil sie das Geld brauchen.

Ich habe sie immer so verstanden, dass eine Frau dazu _die Möglichkeit haben soll_. Aber nirgends, dass sie jemanden zu irgendwelchen Dingen zwingen will. Und dass jemand arbeiten muss, weil er Geld braucht, ist eine für so gut wie alle Menschen gültige Selbstverständlichkeit.

Auf Beratungsbücher hab ich mich nirgends bezogen, diese sind - mal arrogant ausgedrückt - unter meinem Wahrnehmungshorizont angesiedelt ;).

Während dieses Schnellpostings hat Klein-Orzifar alle Nachrichten vom Anrufbeantworter gelöscht und schreit jetzt Paaaapaaaaaa, weil er keine Stimmen mehr hört. Heißt, dass er nun von mir ein Unterhaltungsprogramm erwartet.

lg

orzifar
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Re:Männlein und Weiblein ...
« Reply #9 on: 10. November 2009, 20.15 Uhr »
Lieber orzifar, ich habe den Eindruck, du willst mich nicht verstehen  ;)

Anita,
die jetzt genüßlich ihr Bier weiter aus der Flasche süffelt
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Re:Männlein und Weiblein ...
« Reply #10 on: 11. November 2009, 11.59 Uhr »
Neuer Versuch, aber der letzte …

In der heutigen Gesellschaft, wo so viel über Freiheit, Selbstverwirklichung und Emanzipation geredet wird, wird der kleine Mann und dessen Frau einfach schlichtweg vergessen. Diese Schicht kann sich diesen Luxus einfach nicht leisten!
Hartz IV Empfänger und viele andere werden nicht danach gefragt, ob ein Job sie ausfüllt, oder eine Gleichstellung sie glücklich macht, sie sind verpflichtet, und ganz oft zu einem Lohn, der die Familie nicht über Wasser halten kann, jeden Job (evtl. Zeitfirma) anzunehmen.
Und die Frau des ganz kleinen Mannes hat da drei Kinder, einen Haushalt, und muss nebenbei putzen für 2,50 bei einer Reinigungsfirma. Sie hat einfach keine Wahlfreiheit, sie ist nicht emanzipiert meiner Meinung, sondern maßlos überfordert mit dem was die Gesellschaft von ihr abverlangt.
Ich sage: Emanzipation muss man sich finanziell leisten können, genau wie Selbstverwirklichung (kann doch heute nicht mehr jeder studieren, die Semestergebühren muss man sich erst einmal leisten können. Oder man fängt seinen Weg mit Schulden an, wenn man sich diese vom Staat finanzieren lässt. Aber diese Voraussicht finde ich nicht gerade glücklich.) und Individualität, alles eine Frage des Geldes!

Politiker und andere aus dieser Liga wollen dieses Problem einfach nicht wahrhaben.

Zu meiner Person. Nein ich hänge nicht in dieser Situation, sondern setze mich einfach für diese Menschen ein.

LG
Anita
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Offline orzifar

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Re:Männlein und Weiblein ...
« Reply #11 on: 11. November 2009, 18.35 Uhr »
Hallo!

Auf Stammtischparolen des "Kleinen Mannes", der da einsam und verlassen von den ach so bösen Politikern nur des Geldes wegen nicht studieren kann, habe ich keine Lust. Wenn ich das hören will, kann ich auch Unterschichten-TV gucken.

Wir besitzen in unserer westlichen Welt eine erhebliche Entscheidungsfreiheit. (Es ist im übrigen auch eine Entscheidung, ob ich drei Kinder habe oder nicht. Diese werden ja nicht per Post zugestellt.) Geld macht manches leichter, sein Nichtvorhandensein ist hingegen in den allermeisten Fällen (besonders was Bildungsoptionen anlangt) bloße Ausrede. "Wenn ich Geld hätte, würde ich Dr. rer. nat." Pustekuchen! Wenn derjenige Geld hätte, stünde ein schnelleres Auto in der Garage und ein größerer Fernseher im Wohnzimmer. Aber an der Universität würden sich die wenigsten einschreiben. Und diejenigen, die sich dies wirklich wünschen, tun's zumeist auch ohne diesen finanziellen Hintergrund.

Das Idol dieses "Kleinen Mannes" ist zumeist nicht der akademisch Gebildete sondern Paris Hilton oder Boris Becker. Inklusive deren Bildungsstandard. Diese Mär von "wenn ich Geld hätte, würde ich dies und jenes, emanzipiert sein, studieren, mich gesund ernähren etc." ist eben eine Mär. Das ist ähnlich wie bei Menschen, die ständig behaupten, dass sie gerne lesen würden, aber halt unglücklicherweise keine Zeit dazu haben.

lg

orzifar
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Re:Männlein und Weiblein ...
« Reply #12 on: 11. November 2009, 23.12 Uhr »
Das haut mich um, echt orzifar. Ich habe oft bei Fraktionssitzungen, und auch im Bezirksausschuss mit Mitgliedern von CDU und FDP über dieses Problem, und vorwiegend bei allein erziehenden Müttern, geredet, aber selbst von diesen Parteien habe keine solche vernichtenden Antworten erhalten.
Sicher liegt in deiner Aussage auch Wahrheit, nichtsdestotrotz bin ich immer froh solchen Frauen helfen zu können.

LG
Anita
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