Hallo!
Heinrich Steinfest ist ein mehrfach ausgezeichneter Krimiautor, der vorliegende Roman das erste Buch, das ich von ihm gelesen habe. Schon bald ist auffällig: Steinfest schert sich einen Dreck um Konventionen, schreibt und beschreibt, was ihm so einfällt (so tauchen - mehr-weniger aus dem Nichts - plötzlich Außerirdische in diesem Krimi auf), was sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringt. Einerseits sind seine Ideen originell, in ihrer Schrulligkeit schon wieder geistreich, andererseits lässt er sich zu sehr die Zügel schießen, sodass so manches unlogisch, häufiger noch unausgegoren wirkt. Und irgendwie ist das ärgerlich: Man kann sich nämlich des Eindrucks nicht erwehren, dass dieser Mann sehr viel bessere Romane schreiben könnte, es aber aus Faulheit, Nachlässigkeit bei eher mittelmäßigen Werken belässt.
So hat man häufig das Gefühl, dass dem Autor manche Figuren oder Plots lästig werden und er sich schlicht die Freiheit nimmt, irgendwo abzubrechen (das eigentliche Ende dieses Krimis mutet auf diese Weise konstruiert an). Dann aber packt ihn die Lust am Weiterschreiben (oder aber er hat das Kapitel vorher gestrichen, dann doch wieder einfügen wollen) und er beschreibt das tragische Ende einer Beziehung, die im Roman eine völlig untergeordnete Rolle spielt. Das wirkt ein wenig aufgesetzt, originell um der Originalität willen, aber: Diese 20 Seiten sind ganz ausgezeichnet geschrieben, haben Witz, Esprit und zeigen, dass der Autor mit seinem Talent fahrlässig umgeht.
Insgesamt unterhaltsam, oft seltsam, vor allem aber vermisst man die nötige Sorgfalt. Irgendwie schade drum ...
lg
orzifar