Author Topic: Friedrich Glauser: Wachtmeister Studer  (Read 4314 times)

Offline orzifar

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Friedrich Glauser: Wachtmeister Studer
« on: 16. Juli 2013, 19.13 Uhr »
Hallo!

Noch mal was für zwischendurch - ein Glauser. Und auch dieser sehr lesbar und unterhaltend. Glauser hatte immer mit dem schlechten Renommee des Kriminalromans zu kämpfen, erst Dürrenmatt hat diesem Genre zu ein wenig mehr Ansehen verholfen. Wobei es auch schon Glauser verstand, mehr als bloße Spannung zu erzeugen, seine Protagonisten sind wunderbar gezeichnet, keine Schablonenverbrecher oder idealisierte Kämpfer gegen das Unrecht. Der Unterschied zwischen den Ganoven und den Normalbürgern verschwimmt und es ist der Zufall, der das Pendel zugunsten des einen oder anderen ausschlagen lässt.

Glausers eigenes, abenteuerliches Leben zwischen Irren- und Gefängnisanstalten hat ihn mit Stoff versorgt: Man spürt, dass da keiner rein theoretisch über die Abgründe des menschlichen Daseins referiert, sondern aus eigenem Erleben erzählen kann. Zu diesem Leben passt nun eben auch die gewählte Form des Kriminalromans - und es wird in diesem Zusammenhang auch deutlich, dass das Genre für die Qualität eines Buches belanglos ist. Glauser beschrieb das, was er erlebt und gesehen hat - und er verstand diese seine Sache ausgezeichnet. Mehr braucht's nicht ... (In Österreich ist Glauser im übrigen weitgehend unbekannt ...)

lg

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Offline sandhofer

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Re: Friedrich Glauser: Wachtmeister Studer
« Reply #1 on: 16. Juli 2013, 19.16 Uhr »
(In Österreich ist Glauser im übrigen weitgehend unbekannt ...)

Ein grosser Fehler ...  ;)
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BigBen

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Re: Friedrich Glauser: Wachtmeister Studer
« Reply #2 on: 16. Juli 2013, 20.37 Uhr »
(In Österreich ist Glauser im übrigen weitgehend unbekannt ...)

Ein grosser Fehler ...  ;)

Dieser Fehler betrifft leider auch weite Teile Deutschlands.

Offline Dostoevskij

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Re: Friedrich Glauser: Wachtmeister Studer
« Reply #3 on: 17. Juli 2013, 08.32 Uhr »
Moin, Moin!

(In Österreich ist Glauser im übrigen weitgehend unbekannt ...)
Ein grosser Fehler ...  ;)

Dieser Fehler betrifft leider auch weite Teile Deutschlands.

Ich empfinde die Studer-Romane als überzeugend, aber nicht ganz so einfach lesbar. Glausers Stil ist gewöhnungsbedürftig.
-- 
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Offline sandhofer

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Re: Friedrich Glauser: Wachtmeister Studer
« Reply #4 on: 17. Juli 2013, 20.42 Uhr »
Glausers Stil ist gewöhnungsbedürftig.

Also ... verglichen mit Doderer ...  :angel:  Gut, es hat ein paar Helvetismen drin, vom Dialekt, den er hin und wieder seinen Figuren in den Mund legt, mal zu schweigen. Aber sonst?
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Offline orzifar

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Re: Friedrich Glauser: Wachtmeister Studer
« Reply #5 on: 17. Juli 2013, 21.01 Uhr »
Ich empfinde die Studer-Romane als überzeugend, aber nicht ganz so einfach lesbar. Glausers Stil ist gewöhnungsbedürftig.

Wenn es sich auf das spezifisch Schweizerische bezogen haben sollte: Das störte mich gar nicht - im Gegenteil, ich mag so etwas. Verständnisprobleme hatte ich kaum (das Berlinern bei Döblin versteh ich schwerer).

lg

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Re: Friedrich Glauser: Wachtmeister Studer
« Reply #6 on: 05. April 2014, 11.56 Uhr »
Hallo!

Ein Glauser (Die Fieberkurve) zwischendurch - und wieder beeindruckt. Sprachlich das vielleicht bisher beste Buch von ihm, elegant-witzige Formulierungen, feine Charaktere - ein wirklicher Genuss. Es bleibt rätselhaft, warum ein Mankell sich millionenmal verkauft und Glauser eher ein Insidertipp ist. Nun bleiben mir noch zwei Romane aus der "Wachtmeister-Studer-Serie", die ich mittlerweile mir zugelegt habe. Und ich sehe ihnen mit viel Vergnügen entgegen.

lg

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Re: Friedrich Glauser: Wachtmeister Studer
« Reply #7 on: 06. April 2014, 08.17 Uhr »
Hallo

Ich mag Glauser auch sehr. Zu Deiner Frage:

Es bleibt rätselhaft, warum ein Mankell sich millionenmal verkauft und Glauser eher ein Insidertipp ist.

(Na ja, Frage ist Deine keine.) Warum, möchte man da gegenfragen, erreicht von allen, allen brasilianischen Autoren ausgerechnet jener Eso-Futzi mit C.... Weltberühmtheit? Qualität ist offenbar für Longseller prädestinierter als für Bestseller.

Grüsse

sandhofer
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Re: Friedrich Glauser: Wachtmeister Studer
« Reply #8 on: 08. April 2014, 00.10 Uhr »
Hallo!

Nunja, du hast das schon richtig verstanden. Es war eher eine Klage über die "Rätselhaftigkeit" des Geschmacks der Leute, der dann eben so rätselhaft doch nicht ist. Es ist ja in anderen Bereichen ähnlich: So lese ich im Vorwort des Albert-Popper-Briefwechsels, dass gerade mal ein Titel von Albert (der ja der profilierteste Vertreter des Kritischen Rationalismus im deutschen Sprachraum war - ist) ins Englische übersetzt wurde, während das hermeneutisch-marxistische Gequassel immer populär und in aller Munde war. So etwas kann man nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen - ob es nun den unaussprechlichen Brasilianer oder Habermassche Auslassungen sind ...

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