Author Topic: John Locke: An Essay Concerning Human Understanding (Ein Versuch über den mensch  (Read 5628 times)

Offline sandhofer

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Jetzt sind wir im Grunde genommen in der Logik. Und Locke hält fest, dass der Satz A=A keine neuen Erkenntnisse bringt.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline orzifar

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Jetzt sind wir im Grunde genommen in der Logik. Und Locke hält fest, dass der Satz A=A keine neuen Erkenntnisse bringt.

Nunja, das ist eine Frage der Betrachtungsweise ;). Der Nachweis, dass mathematische, logische Systeme tautologisch sind und nichts über die Wirklichkeit aussagen, damit auch der Empirie entzogen werden, war eine enorm wichtige Erkenntnis. Hätte Locke diesen Schluss aus der vermeintlich trivialen Gleichung gezogen, wäre es einer Revolution gleichgekommen. Und man hätte sich Kants synthetische Erkenntnisse a priori, die Defintion der Mathematik als ein analytisches "A priori" und die Versuche von Mill, die Mathematik als eine empirische Wissenschaft auszuweisen, erspart. Oder besser: Ersparen können, den der deutsche Idealismus ging ja selbst hinter Kant zurück und feierte im hegelschen Gewand die Wiederauferstehung im 20. Jahrhundert.

Meine Locke-Lektüre muss warten. Ich finde angesichts anderer Leseprojekte die Zeit nicht dazu, außerdem bist du mir jetzt schon zu weit enteilt. Mehr als beachtlich - wie immer - dein Lesetempo.

lg

orzifar
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Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
Mareike Fallwickl: Das Licht ist hier viel heller
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Offline sandhofer

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Hallo!

Der Satz, dass der Satz A=A keine neue Erkenntnis bringt, war natürlich seinerseits eine neue Erkenntnis. Locke formuliert leider sehr unpräzise, er plaudert mehr, als dass er denkt. Auch ist da noch die eine oder andere scholastische Eierschale anzumerken. Ich denke schon, dass er im Grunde genommen den Sinn von "A=A bringt keine neue Erkenntnis" getroffen hat. Ich weiss nicht einmal, ob Kant den Locke überhaupt kannte, oder sich ganz auf Hume abstützte; und ich weiss jetzt auch nicht auswendig, was Hume zu diesem Thema meinte. Aber man findet in Locke - zum Teil unter Schichten dicken Palaver-Gerölls verdeckt - vieles, das heute als philosophische Selbstverständlichkeit gilt. (Na ja - auch nicht überall.)

Mehr als beachtlich - wie immer - dein Lesetempo.

Na ja: Wenn ich 8 Bücher gleichzeitig läse, käme ich auch so schnell vorwärts.

Grüsse

sandhofer
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Offline sandhofer

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PS. Ausserdem, wenn ich an Genazino denke: Da konnte ich Dir nicht mehr folgen ...  ;D
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Offline orzifar

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Hallo!

Verzeih einem langsam ins Alter kommenden Mitleser. Nun erst glaube ich zu wissen, worauf du bei Locke anspieltest: Dort, wo er zurecht feststellt, dass aus einem Syllogismus kein "neues" Wissen gewonnen werden kann. Da etwa beim berühmten Sokrates-Mensch-Beispiel jene Sterblichkeit vorausgesetzt wird, die erst bewiesen werden soll.

Was das Lesetempo anlangt: Ich lese zwar viele Bücher gleichzeitig, allerdings zumeist (aus den in der Signatur angeführten) nur einzelne Beiträge, die dann fast immer mehrfach. (Und beim Genazino war ich doch ein wenig froh, ihn hinter mir zu haben ;).) Aber Locke oder Spinoza könnte ich so kaum lesen, außerdem stellt sich bei unklaren Stellen der Wunsch nach Sekundärliteratur ein. Wenn es "leichtere" Kost ist (wie etwa die Darstellung des Wiener Kreises von Geyer), dann geht's auch mal schneller. Aber in der Philosophie bin ich im Goetheschen Sinne gutgläubig: "Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, es müsse sich dabei doch auch was denken lassen." Damit hat man sicher nicht immer Recht - und dann dauert das Lesen auf der Suche nach den vermeintlich im Sumpf verborgenen Goldtalern noch länger.

lg

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Offline sandhofer

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Wessen kann ich mir ganz sicher sein? Meiner selbst. Locke greift Descartes Raisonnement auf, ohne den Franzosen beim Namen zu nennen: Cogito, ergo sum. Beim Gottesbeweis scheint er auch in die gleiche Richtung zu denken, aber der war so verquasselt, dass ich ihn mir am Wochenende nochmals zu Gemüte führen muss.
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Offline sandhofer

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Mittlerweile fertig; mal schauen, ob mir übers Wochenende noch was Gescheites dazu in den Sinn kommt. Weiter geht's wieder mit Leibniz.  ;)
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