Author Topic: Spinoza: Ethik  (Read 4809 times)

Offline sandhofer

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Spinoza: Ethik
« on: 29. Juni 2012, 17.35 Uhr »
Hallo zusammen!

Keine einfache Lektüre, insbesondere, weil Spinoza zumindest zu Beginn sehr im luftleeren Raum operiert. Logische Schlüsse sollen Erkenntnis über Gott und die Welt bringen. Mit Querverweisen von einem Schluss zu einem früheren, was macht, dass man dem Autor fast nicht folgen kann, ohne auf jeder Seite mindestens ein Post-it mit Notizen à la "s. auch Abschn. II" oder ähnlich zu hinterlassen. Ich weiss noch nicht, ob ich den Aufwand bis zum bitteren Ende treiben soll ...

Grüsse

sandhofer
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Offline sandhofer

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Re: Spinoza: Ethik
« Reply #1 on: 01. Juli 2012, 19.53 Uhr »
Teil III gefällt mir nun wiederum. Spinoza versteigt sich da beinahe zu einem Materialismus, wenn der dem Körper sehr viel Eigeninitiative lässt und die Lenkung des Körper durch den Geist als zumindest zweifelhaft aufscheinen lässt.
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Re: Spinoza: Ethik
« Reply #2 on: 06. Juli 2012, 19.05 Uhr »
Erzählst Du noch ein wenig mehr? Zunächst klangst Du genervt, dann schien sich die Miene aufzuhellen ...

Lohnt die Lektüre der "Ethik"? Oder ist das nur etwas für Hardcore-Philosophie-Interessierte?

Schönes Wochenende!

Tom

Offline sandhofer

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Re: Spinoza: Ethik
« Reply #3 on: 06. Juli 2012, 20.19 Uhr »
Ich werde wohl morgen oder übermorgen im Blog etwas dazu schreiben. Das dritte Buch war für mich (bei dieser Dritt-Lektüre  ;) ) das Highlight. Nachher wurde es für mich wieder langweiliger. Habent sua fata libelli - nicht immer ist man denselben Teilen gleich wohl gesinnt.

Lohnt die Lektüre der "Ethik"? Oder ist das nur etwas für Hardcore-Philosophie-Interessierte?

Frag mich was. Ich würde es nicht einfach so als Einstieg in die Philosophie empfehlen. Andererseits: die ganze deutsche Klassik (d.i. Goethe, Herder, Schiller und Co. KG) wurden von Spinoza beeinflusst, auch wenn sie ihn (Goethe voran) oft sehr eigenwillig lasen.
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Offline sandhofer

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Re: Spinoza: Ethik
« Reply #4 on: 07. Juli 2012, 20.48 Uhr »
Ich werde wohl morgen oder übermorgen im Blog etwas dazu schreiben.

Ähm ... ja: Übermorgen. Also morgen.  ;)
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Offline sandhofer

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Re: Spinoza: Ethik
« Reply #5 on: 08. Juli 2012, 08.21 Uhr »
Ich werde wohl morgen oder übermorgen im Blog etwas dazu schreiben.

Ähm ... ja: Übermorgen. Also morgen.  ;)

Heute  ;)
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Re: Spinoza: Ethik
« Reply #6 on: 11. Juli 2012, 16.59 Uhr »
Ich werde wohl morgen oder übermorgen im Blog etwas dazu schreiben.

Danke für die Blog-Notiz.

Tom

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Re: Spinoza: Ethik
« Reply #7 on: 12. Juli 2012, 18.08 Uhr »
Keine einfache Lektüre, insbesondere, weil Spinoza zumindest zu Beginn sehr im luftleeren Raum operiert. Logische Schlüsse sollen Erkenntnis über Gott und die Welt bringen. Mit Querverweisen von einem Schluss zu einem früheren, was macht, dass man dem Autor fast nicht folgen kann ...

Nun ja, Spinoza zwingt dem Leser seine gnadenlose "Logik" auf. Wenn man jedoch einmal den Aufbau der einzelnen Teile verstanden hat (die Gliederung in Definitionen, Axiome, Postulate, Sätze, Beweise etc.), kann man nach meinen derzeitigen Erfahrungen relativ gut die Spreu vom Weizen trennen. Alles in allem: Ein durchaus faszinierend konstruiertes Gedankengebäude, mit steilen Treppen, gewundenen Gängen und manchmal auch hermetisch verschlossenen Türen.

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Re: Spinoza: Ethik
« Reply #8 on: 24. Juli 2012, 13.58 Uhr »
Hallo!

Ich habe die ersten Urlaubstage bei bestem Wetter genutzt, um an einem schattigen Platz im Garten Spinozas "Ethik" zu beenden. Damit endet auch mein diesjähriges Rationalismus-"Projekt", das von Descartes (Meditationen) über Lukrez/Epikur (De rerum natura; bitte nicht aufheulen, wenn ich diese beiden in diesem Kontext erwähne ...) nach Spinoza führte. Mir haben die zentralen Gedanken dieser Werke sehr gefallen, vor allem der Ansatz Spinozas (der Mensch als eine mögliche und dabei auch noch determinierte Daseinsform; Gott als ein ausserhalb der Welt stehendes, nicht köperlich vorhandenes und anbetungswürdiges Subjekt; Abschied von den äußeren Ursachen, um nur die für mich wichtigsten Aspekte zu nennen).

Vielleicht noch ein letztes: Spinozas Denkgebäude erscheint mir wesentlich demütiger im Hinblick auf die Rolle des Menschen als Descartes denkendes Ich, das leider immer noch den Beweis Gottes nötig hat.

Mal sehen, welche philosophische Strömung als nächstes auf meinem Radar auftaucht (nach Nietzsche im vergangenen und den Rationalisten in diesem Jahr). Ich lasse mich einfach mal treiben und von dem einen oder anderen Lektürebeitrag hier im Forum inspirieren. Möglicherweise stehen Schopenhauer und Kierkegaard und damit der Sprung zu den dunklen, schwermütigen Existenzialisten an ...

Eine schöne Zeit wünscht

Tom 

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Re: Spinoza: Ethik
« Reply #9 on: 27. Juli 2012, 08.47 Uhr »
Einer der berühmtesten Anhänger Spinozas war bekanntlich Goethe. Ich habe anhand des Namenregisters in "Dichtung und Wahrheit" zwei Stellen nachgelesen, in denen G. sich etwas ausführlicher mit Spinoza beschäftigt. Über mehr als Allgemeinplätze kommt er nicht hinaus (wie leider so oft in diesem Werk). Mich interessiert aktuell die Frage, in welchen Goethe-Werken sich Spinozas Lehren niedergeschlagen haben. Im "Faust"? Ich kann mich nicht erinnern, und selbst der dicke Kommentarband von Albrecht Schöne verfügt leider nicht über ein Register, um schnell etwas mehr darüber nachlesen zu können. Das Gedicht "Ganymed" soll von Spinoza beeinflusst sein (das behauptet zumindest der Herausgeber meiner "Ethik"-Ausgabe). Das kann man so sehen, muss man aber nicht. Kennt jemand ein spezielles Werk, das sich mit den Einflüssen Spinozas auf die Weimarer Klassik beschäftigt?     

LG

Tom

Offline sandhofer

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Re: Spinoza: Ethik
« Reply #10 on: 27. Juli 2012, 20.20 Uhr »
Kennt jemand ein spezielles Werk, das sich mit den Einflüssen Spinozas auf die Weimarer Klassik beschäftigt?     

So auf die Schnelle: Nein. Es gibt sicher was. Allerdings war Goethe alles andere als systematischer Philosoph; der Einfluss von Philosophe auf ihn müsste also ziemlich im Verborgenen stattgefunden haben. Von Gadamer gibt es "Goethe und die Philosophie", ohne dass ich sagen könnte, wieweit da Spinoza eine Rolle spielt.  :hi:
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Re: Spinoza: Ethik
« Reply #11 on: 28. Juli 2012, 13.48 Uhr »
Von Gadamer gibt es "Goethe und die Philosophie"

Danke für den Hinweis!

 :hi:

Tom

Offline sandhofer

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Re: Spinoza: Ethik
« Reply #12 on: 28. Juli 2012, 21.07 Uhr »
Bitte gerne. Ich weiss aber nicht, ob das je als Einzelpublikation erschienen ist.
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Offline Sir Thomas

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Re: Spinoza: Ethik
« Reply #13 on: 29. Juli 2012, 13.15 Uhr »
Bitte gerne. Ich weiss aber nicht, ob das je als Einzelpublikation erschienen ist.

Es ist antiquarisch als Einzelwerk aus den 40er Jahren zu bekommen. Für relativ wenig Geld. Ich werde vermutlich heute noch schwach und meinen Vorsatz, nichts Neues in den nächsten Monaten anzuschaffen, über Bord werfen. C'est la vie.

LG

Tom

Offline sandhofer

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Re: Spinoza: Ethik
« Reply #14 on: 29. Juli 2012, 14.30 Uhr »
Es ist antiquarisch als Einzelwerk aus den 40er Jahren zu bekommen. Für relativ wenig Geld. Ich werde vermutlich heute noch schwach und meinen Vorsatz, nichts Neues in den nächsten Monaten anzuschaffen, über Bord werfen. C'est la vie.

La vie en rose. Ja.

Ich hatte es mal als Teil von Band 2 ("Interpretationen") der "Kleinen Schriften" in Händen, wie ich gerade sehe. War aber damals wohl ein Bibliotheksexemplare; jedenfalls steht heute von Gadamer nur "Wahrheit und Methode" bei mir.
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