Author Topic: William Faulkner: Die Unbesiegten  (Read 8125 times)

Offline orzifar

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William Faulkner: Die Unbesiegten
« on: 06. März 2014, 15.12 Uhr »
Hallo!

Ich bin zeitlebens kein Faulkner-Fan gewesen (und werde es wohl auch nicht mehr werden). Dennoch kann man sich dem Sog (und der Qualität) seines Schreibens nicht ganz entziehen: Das ist oft schon von beeindruckender sprachlicher Gewalt, was Faulkner da präsentiert, ein Bild noch urtümlicher Natur, verrückter, engstirniger, aber auch außergewöhnlicher Menschen im Amerika des 19. Jahrhunderts. Und Faulkner ist kein bloßer Erzähler, er spielt mit der Geschichte, den Lesern, verschachtelt die einzelnen Zeit- und Erzählstränge kunstvoll, erzeugt auf subtile Weise Spannung.

Aber trotz all dieser unbezweifelbaren Qualitäten ist die Lektüre seiner Bücher auch oft mühsam: Allzu verworrene Verschränkungen (allerdings nicht in diesem Buch, dessen Konzeption klarer ist als die vieler anderer Werke), und ein allzu hemdsärmeliges Personal, ein Abenteurertum, dem ich wenig abgewinnen kann und das stilisiert, aufgesetzt wirkt. Ein bisschen wie Hemingway, den ich allerdings - von Ausnahmen abgesehen - noch sehr viel weniger leicht ertrage. "Die Unbesiegten" sind aber wohl jener Teil der "Sartoris"-Saga über den amerikanischen Bürgerkrieg, der sich für einen Einstieg in das Werk am ehesten empfiehlt.

lg

orzifar
Derzeitige Lektüre:

Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
John Irving: Owen Meany

Offline sandhofer

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Re: William Faulkner: Die Unbesiegten
« Reply #1 on: 06. März 2014, 19.28 Uhr »
Hallo!

Da sind wir für einmal einer Meinung. Faulkner stufe ich tatsächlich auch um einiges besser ein als Hemingway. Ich hatte mit seinen im Südstaaten-Milieu angesiedelten Short Stories ziemlich Mühe - aber diese Mühe ist auch ein paar Jahrzehnte her und datiert zurück in die Zeit, wo ich Hemingway einen der Besten fand.

Ich habe vor ziemlich genau 2 Jahren Faulkners "As I Lay Dying [Als ich im Sterben lag]" gelesen, das ich durchaus auch empfehlen kann - jedenfalls, wenn man bereit und in der Lage ist, die literarische Moderne des 20. Jahrhunderts (also z.B. Woolf) zu lesen. Fan von Faulkner bin ich bei der Lektüre auch nicht geworden, aber er kann schon was.

Grüsse

sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus