Hallo!
Wie's denn so geht mit Büchern, die von wasserreichen Flüssen und Überschwemmungen handeln: Sie bekommen Sehnsucht nach ihrem ureigensten Medium und landen, wie in meinem Falle, schwerkraftbedingt im Aufwaschkübel. Danach am (nicht im) Herd zwecks Trocknung (was einige Seiten gelöst hat), fertiglesen vermag ich es trotz des Desasters allemal. Und das Lesen selbst (ohne Kalamitäten) ist einfach nur angenehm. Ich befinde mich nun schon in dem apostrophierten zweiten Abschnitt, auf der nostalgischen Erinnerungsfahrt Twains, die ihm eine vergangene Zeit noch einmal heraufführte, aber auch zeigte, dass sie für immer vergangen ist. Trotzdem keine dümmliche Romantik, kein "alles war früher besser", sondern ironische Kenntnisnahme des Verfließens der Zeit. Auch das Anerkennen von Verbesserungen für die Schifffahrt (obgleich das Abenteuerliche dabei weitgehend verloren geht) bzw. das Feststellen der Tatsache, dass man schlicht noch nicht weiß, was von manchen Änderungen zu halten ist (etwa die versuchten Flussbegradigungen, die mich an die kleinen Bäche meiner Kindheit erinnern: Ich habe sowohl deren Begradigung und Betonierung erlebt als auch den Rückbau, nachdem man eine Überschwemmung nach der anderen aufgrund der hohen Fließgeschwindigkeit und fehlender Überschwemmungsgebiete produziert hat).
Schließlich eine kleine Geschichte, die den Ort Napoleon als Handlungsort hat. Da ich Reiseberichte immer mit dem Atlas auf den Knien (oder am Tisch, je nach Lektüreort) lese, machte ich mich sofort auf die Suche nach dem inkriminierten Städtchen (mombour wird, sofern er diese Geschichte schon gelesen hat, schon zu schmunzeln beginnen), ich suche, suche, verfluche den ungenauen Atlas, nehme weitere Karten zur Hand: Nichts. Weit und breit kein Ort dieses Namens. Frustriert gebe ich die Fahndung auf, lese weiter und muss feststellen, dass der Witz der Geschichte in der Tatsache besteht, dass der Mississippi genau diesen Ort mit Mann und Maus weggeschwemmt hat (und ich meine Suche also noch bis zum St. Nimmerleinstag hätte ausdehnen können). - Das Internet belehrt mich darüber, dass es aber wieder einen Ort dieses Namens in (oder am?) Mississippi zu geben scheint, vielleicht eine Neugründung.
Alles in allem: Ein Reisebericht vom Feinsten mit teilweise wundervollen Naturschilderungen, die Sehnsucht erwecken.
lg
orzifar