Hallo zusammen!
Der Name ist Programm: "Waverley" ist der hin und her Schwankende, der leicht zu Beeinflussende. Scott hat sich den Namen für die Hauptfigur seines Erstlings sehr bedacht ausgesucht, denn Waverley ist kein strahlender Held, sondern der leicht beeinflussbare Sohn einer dem alten Köngishaus anhängenden Familie. 60 Jahre ist's her, so der Untertitel des Romans, gemeint sind 60 Jahre vom Zeitpunkt der Veröffentlichung bis zurück zur letzten Auflehnung jacobitischer/schottischer Clans gegen das Haus Hannover in Grossbritannien. Unser Held gerät eigentlich eher zufällig in das Kuddelmuddel. Er besucht einen Freund seines Onkels an der Grenze zu Schottland, besucht aus Neugierde schottische Nachbarn, verliert deshalb sein britisches Offizierspatent und gerät so rein zufällig in die Händel zwischen Charles und George.
Die Handlung ist dabei im Grunde genommen rasch erzählt - und in sich sinnlos, weil Waverley am Schluss genau dort ist, wo er von Anfang an hätte sein können: Erbe des Grenzer-Freundes und Bräutigam von dessen Tochter. Seine schottischen Freunde aber finden sich wegen Beteiligung am Aufstand auf dem Schafott wieder.
Scott hat seinerzeit mit diesem Roman Furore gemacht. Selbst Goethe hat ihn gelobt. Heute ist Scott einer der Fälle von "Big in Japan". Sprich: Das Ausland (und hier wieder, wohl nicht zuletzt wegen Goethe, der deutsche Sprachraum) schätzt ihn mittlerweile höher ein als sein Mutterland. Tatsächlich ist die Story in vielem überkonstruiert, die Intrige, die Waverley in die Arme der Rebellen treibt, bleibt undurchsichtig und kann viel zu schnell aufgelöst werden, um realistisch zu wirken. Was bleibt, sind Schilderungen von Schlachten und schottischen Hochland-Festen, die sich dem Leser einprägen.
Fazit: "Waverley" sollte man gelesen haben; aber mehr Walter Scott braucht es nicht.
Grüsse
sandhofer