Und noch ein Schlussbericht:
Ich habe die letzten Seiten teils nur noch recht kursiv gelesen. Hauptschuldig daran ist allerdings wirklich der Stil. Dieses elaborierte Deutsch, dessen Sätze sich auch schon mal problemlos über eine halbe Seite bewegen können, ist zweifelsohne beim Föjetong gut angekommen, gibt es ihm doch das Gefühl, die Autorin traue ihm eine grössere Sprachkompetenz vor als der Kassierin bei McDonalds. (Viele Studenten verdienen ihr Studium mit einem Nebenjob bei McDonalds. Dies nur nebenbei.) Aber wenn Abonji solche Sätze und Einsichten wie die Tatsache, dass die Erzählerin als Kind keine Veränderungen in der urspünglichen Heimat gewünscht hat, tel quel dem Kind in der Ich-Form aufpappt, ohne dabei eine ironische Distanz, die z.B. ein Thomas Mann hier dazwischen gelegt hätte, irgendwie bemerkbar zu machen, so macht sie das Kind zur frühreifen Göre und nimmt der Story - die im Grunde genommen eine Story des Coming-of-Age ist - die Pointe, da der Leser nun nicht wirklich ein Reifen zu bemerken im Stande ist. Sicher: Die Befindlichkeit der aus dem ehemaligen Jugoslawien stammenden Immigranten zur Zeit des Bürgerkriegs ist gut getroffen, und dieser Teil lohnt die Lektüre. Ob er einen Preis lohnt, oder sogar zwei?
Erst zum Schluss, im letzten Abschnitt, findet die Erzählerin zur Ruhe. Ausgerechnet bei einem Massengrab auf einem Zürcher Friedhof.