Author Topic: James Joyce, Ulysses  (Read 4015 times)

Offline wolves

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James Joyce, Ulysses
« on: 08. September 2009, 19.11 Uhr »
Was mich auch immer dazu trieb, meine nächste Buchwahl fiel auf "Ulysses". Nach einem eher mißglückten Start, der daran scheiterte, dass ich völlig unkonzentriert bei der Sache war, habe ich mittlerweile die ersten beiden Kapitel gelesen und ich gebe es zu, ohne die entsprechenden Kommentare wäre ich hoffnungslos verloren. Da sind derartig viele Anspielungen auf so vieles dabei, die mir nie und nimmer in den Sinn gekommen wären bzw. mir völlig unbekannt sind. Nun gut, allen Strängen muss man wohl nicht nachgehen um halbwegs dem ganzen folgen zu können.

Wenn ich es richtig verstehe, dann liegt das besondere Vergnügen an diesem Werk daran, dass Joyce unterschiedliche Erzählformen verwendet, abgesehen von seinen unzähligen versteckten und weniger versteckten Hinweisen? Nun, ich werde sehen, wie weit ich kommen werde.

Meine einzige Hilfe wird die recht gut kommentierte Ausgabe von Suhrkamp Verlag sein (jedenfalls hoffe ich es, dass es eine Hilfe sein wird), ansonsten stöber ich noch etwas im Internet. Vielleicht finden sich ja brauchbare Links.

Liebe Grüße
wolves

Offline sandhofer

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Re:James Joyce, Ulysses
« Reply #1 on: 08. September 2009, 20.18 Uhr »
Hallo wolves

Ich habe den Ulysses zum ersten Mal mit 17 oder 18 gelesen. Nix verstanden, sicher. Aber seither liebe ich das Buch heiss, und habe es schon diverse Male wieder gelesen.

(Gleichzeitig bin ich ganz und gar davon überzeugt, dass es langfristig (= 200-300 Jahre oder so) keinen Klassikerstatus erhalten wird ... ;))

Grüsse

sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline Bartlebooth

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Re:James Joyce, Ulysses
« Reply #2 on: 08. September 2009, 20.31 Uhr »
Hallo wolves,

ich habe das Buch auf Englisch gelesen (dachte mir, wenn ich schon nichts verstehe, kann ich wenigstens gelehrt dabei aussehen) und hier auch meine Rezension hinterlegt. Die Aufsätze, die ich in und außerhalb des Internets gefunden habe, blieben erstaunlich vage und allgemein. Lobeshymnen waren es natürlich trotzdem und von der kulturhistorischen Bedeutung wurde auch immer geredet.
Wenn ich noch einmal anfangen würde, würde ich mir diesen ganzen Kram schenken (ich bin ein großer Freund von Sekundärliteratur, aber in diesem Fall ist sie oft misslungen oder nachgeplappert) und mir zunächst ein bisschen Wissen über die irischen Unabhängigkeitsbestrebungen Anfang des Jahrhunderts anlesen. Ich glaube, damit kommt man ein ganzes Stückchen weiter.

Und bloß nicht abbrechen. Das Ende ist schon sehr schön und relativ verständlich. Auch der Monolog von Molly am Ende sieht schlimmer aus als er ist.

Viel Spaß und Grüße, Bartlebooth.
Thomas Piketty, Le capital au XXIème siècle
Hannah Arendt, Eichmann in Jerusalem

Offline wolves

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Re:James Joyce, Ulysses
« Reply #3 on: 09. September 2009, 10.16 Uhr »
Hallo sandhofer und Bartlebooth,

irgendwie macht ihr mir tatsächlich Mut zum weiterlesen. Nein, aufgeben werde ich nicht so schnell. Unter Umständen kann ich ganz schön hartnäckig sein. Selbst auf die Gefahr hin so gar nichts zu verstehen was da vor mir steht und was ich da gerade lese ;D
Und das Gefühl habe ich mittlerweile sehr oft. Und doch hat der Text irgendwie etwas reizvolles an sich. Klingt widersprüchlich, nicht wahr?


@sandhofer: Du hast meinen ganzen Respekt. Mit 17 bzw. 18 hatte ich noch (leider?) eine ganz andere Lektürenwahl. Dafür hole ich es jetzt nach. ;)

@Bartlebooth: Mittlerweile habe ich mir deine Rezension durchgelesen. Danke für den Tipp mich über die irische Unabhängigkeitsbestrebungen zu informieren.
Meine Suche nach brauchbaren Links war gestern nicht unbedingt von Erfolg gekrönt. Besser gesagt, mich beschlich auch so das Gefühl, dass viel gelobt, aber irgendwie nicht viel ausgesagt wurde.

Witzig sind in dem Zusammenhang ja all die Tipps die ich gesehen habe, wie man mit dem Monolog von Molly am besten umgeht. Am seltsamsten empfand ich den Tipp "lass es dir von jemand anders vorlesen,  dann verstehst du besser, was da steht".

Liebe Grüße
wolves

arbor

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Re:James Joyce, Ulysses
« Reply #4 on: 09. September 2009, 14.08 Uhr »
Darf man fragen, welche Übersetzung gelesen wird?

Offline wolves

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Re:James Joyce, Ulysses
« Reply #5 on: 11. September 2009, 12.18 Uhr »
Hallo arbor,

die Übersetzung ist von Hans Wollschläger.

Grüsse
wolves

Offline sandhofer

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Re:James Joyce, Ulysses
« Reply #6 on: 11. September 2009, 12.39 Uhr »
@sandhofer: Du hast meinen ganzen Respekt. Mit 17 bzw. 18 hatte ich noch (leider?) eine ganz andere Lektürenwahl. Dafür hole ich es jetzt nach. ;)

Oh ... den Hauptteil meiner Lektüre bildete damals auch was anderes: Krimis (Christie, Sayers, Wallace, Nero Wolfe, Bony - alles, was Goldmanns Rote eben so hergaben) und Karl May ...  :D

Aber ich hatte kurz vorher die Odyssee Homers gelesen und war hell begeistert. Da wollte ich mir den modernen Wiedergänger natürlich nicht entgehen lassen. Ich habe kaum etwas vom Zusammenhang mit dem "Original" gemerkt, halte dies auch heute noch für nebensächlich und nicht unbedingt nötig, um Spass am Buch zu haben. Auch von der irischen Geschichte wusste ich wenig bis nichts. Aber die Sprachspielereien Joyce' machten mir Spass. Jedenfalls meistens. Auch wenn ich auch da wohl wenig bis gar nichts mitgekriegt habe. Jedenfalls: Ich war entzückt.  :)
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Offline wolves

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Re:James Joyce, Ulysses
« Reply #7 on: 16. September 2009, 11.18 Uhr »
Mittlerweile bin ich bei Kapitel 6 angelangt. Das Buch ist vielleicht etwas "mühsam" zu lesen, aber es macht einfach nur Spaß. Verstehen tue ich auch nicht gerade alles. Im Grunde ist es ein wenig so, als wenn man irgendwo mitten im Geschehen wäre und man bekommt da ein Fetzchen Gespräch mit und dort, hin und wieder begleitet man jemanden länger und man versucht sich aus all den Informationen ein Gesamtbild von dem gehörten zu verschaffen. Herrlich!

Mittlerweile konzentriere ich mich mehr auf das Buch selbst, als dass ich die gesamten Kommentare dazu durchlese. Ich habe es einfach akzeptiert, dass Joyce eine Unmenge an Anspielungen in "Ulysses" versteckt hält und muss nicht zwingend alle auf einmal kennen lernen, wenn überhaupt.


Offline wolves

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Re:James Joyce, Ulysses
« Reply #8 on: 04. Dezember 2009, 10.09 Uhr »
Irgendwann und irgendwo habe ich dann doch den "Spaß" am Buch verloren. Mich schaffte einfach seine überbordernde Art mit Sprache und Stil zu spielen.
Allerdings werde ich wieder einen Zweitversuch starten, vielleicht sogar nächstes Jahr, mal sehen.

Im Moment genieße ich dafür Proust und seine "Suche nach der verlorenen Zeit".

Lg
wolves

Offline sandhofer

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Re:James Joyce, Ulysses
« Reply #9 on: 07. Januar 2011, 17.37 Uhr »
Hallo wolves

Es ist jetzt übernächstes Jahr ...  ;D Hast Du Joyce mal wieder hervorgekramt?

Grüsse

sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline wolves

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Re:James Joyce, Ulysses
« Reply #10 on: 08. Januar 2011, 18.40 Uhr »
 ;D Nein, im Moment wäre ich noch am klettern. Und es macht überraschenderweise sogar diesmal richtig Freude. Aber das Jahr ist ja noch jung ;)