Author Topic: Imre Kertész - Roman eines Schicksallosen  (Read 7128 times)

Offline mombour

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Imre Kertész - Roman eines Schicksallosen
« on: 30. Oktober 2009, 15.11 Uhr »
Hallo,

Der fünfzehnjährige Gyurka hat Schulfrei bekommen, da sein Vater zum Arbeitsdienst einberufen wurde. Der Schullehrer, der das Entschuldigungsschreiben des Vaters las, „machte keine weiteren Schwierigkeiten“. Er weiß oder ahnt, was es bedeutet, wenn ein Jude ins Arbeitslager berufen wird. Nicht aber der Junge.

Der Roman wird aus der Sicht von Gyurka erzählt, der noch keinen Einblick in die Erwachsenenwelt hat, sich nicht darüber im klaren ist, dass er womöglich den letzten Tag mit seinem Vater verbringt. Von den Gefahren, denen Juden in dieser schrecklichen Zeit ausgesetzt sind, ist der Junge ahnungslos, vielleicht auch noch zu naiv, spürt er doch den Judenhass eines Bäckers. Trotzdem ist der Junge durchaus klug, zeigt die Absurdität des Rassenhasses auf. Hier wirkt er ziemlich erfahren. Die Ausgangsfrage ist die, sind Juden wirklich so verschieden von anderen Menschen, dass man sie hassen muss. Gyurka wiederlegt das. Man nehme an, ein jüdisches Kind wird mit einem Kind vertauscht, was nicht jüdischer Herkunft ist. Das Nichtjüdische Kind, welches als Heranwachsende nun den Davidstern tragen muss, fühlt sich als Jude verschieden von den anderen. Wie absurd, ja. Trotzdem hat man den Eindruck, Gyurka lässt alles über sich ergehen und blickt nicht ganz durch.

Warscheinlich werden schon im ersten Kapitel verschiedene jüdische Strömungen sichtbar. Onkel Lajos zieht sich mit Gyurka zu einem Gebet für seinen Vater zurück. Onkel Lajos betet auf Hebräisch, Gyurka muss es nachsprechen, obwohl er kein Hebräisch kann und „Onkel Lajos, der kein Fleisch will, weil es vom Schwein ist.“ Gyurkas Vater hat seinem Sohn zum Abschied ähnliches gesagt wie Onkel Lajos, „bloß ohne Gott“. Auch haben Gyurkas Eltern kein Problem damit, Schweinefleisch zu essen. Vielleicht sind sie nur auf dem Papier religiös.

Liebe Grüße
mombour
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Re:Imre Kertész - Roman eines Schicksallosen
« Reply #1 on: 31. Oktober 2009, 16.13 Uhr »
Hallo!

Habe nun ebenfalls begonnen und bin nicht sonderlich begeistert. Ich halte die Konstruktion mit dem jugendlichen Ich-Erzähler für wenig gelungen. Es ist ja grundsätzlich schwierig bis problematisch, aus der Innenansicht eines Jugendlichen oder gar Kindes zu erzählen, da eben immer ein Autor dazwischengeschaltet ist, der redigierend, korrigierend eingreift - und gerade diese Metasicht des Schreibers führt häufig zu unglaubwürdigen Innenansichten des heranwachsenden Protagonisten. Hier (ob nun autobiographisch oder nicht) scheint dasselbe Problem vorzuliegen: Gyurkas Naivität wirkt künstlich - und wenn ich sie ihm noch bezüglich der politischen Entwicklung zu glauben vermag, so versagt sich mir dieser Glaube bei den privaten Liebeständeleien oder auch bei der von ihm immer wieder geäußerten Unwissenheit bezüglich der Vorgänge in der großen Welt.

Eine solche Unwissenheit mag ein (jugendlich bedingtes) Faktum sein, das Eingeständnis derselben ist aber keineswegs spezifisch jugendlich, verweist auf den dahinterstehenden Autor oder eine - dann wieder für einen Jugendlichen untypische - sokratische Haltung. 15jährige glauben zu wissen, äußern dies meist recht unverhohlen, worin einfach ein Aspekt des Erwachsenenwerdens liegt: Durch Diskussionen, Gegenrede mit Gleichaltrigen oder Erwachsenen bilden sich Meinungen aus, kann man die eigene Position überprüfen. Die Naivität Gyurkas (in einer Umwelt, die eine solche Sicht sicher nicht befördert) will mir ausgedacht erscheinen, zur Konstruktion einer romanhaften Hauptfigur dienend.

Ich bin mitten im 4. Kapitel und hoffe inständig, dass aus dem heutigen Tag ein Lesetag werde.

lg

orzifar
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Re:Imre Kertész - Roman eines Schicksallosen
« Reply #2 on: 01. November 2009, 17.53 Uhr »
Gyurkas Naivität wirkt künstlich - und wenn ich sie ihm noch bezüglich der politischen Entwicklung zu glauben vermag, so versagt sich mir dieser Glaube bei den privaten Liebeständeleien oder auch bei der von ihm immer wieder geäußerten Unwissenheit bezüglich der Vorgänge in der großen Welt.

Natürlich wirkt Gyurka ziemlich naiv. Vielleicht liegt das an unserer Betrachtung aus  heutiger Sicht. Das ungarischer Volk wusste damals sicher noch nichts von Konzentrationslagern. Ungarn wurde 1944 von den Nazis besetzt. Ab dieser Zeit, in der auch der Roman spielt, wurden ungarische Juden in Konzentrationslager gebracht. Natürlich wirkt es naiv, wenn der Junge es als Abenteuer empfindet, wenn sie durch den Polizisten in dem Zollhaus festgehalten werden. Bloß, wenn der Junge naiv wirkt, dann sind es die Erwachsenen auch, die den Eindruck hinterlassen, als wüssten sie nicht, was auf sie zukommt. Wir heutigen Leser, und vielleicht will der Autor dies, möchte den Leser schockieren, der heute mehr von dem Grauen weiß, als der Junge damals. Dazeigt sich auch an diesem Satz:

Quote from: Imre Kertész
...und der Ort, wo sie vergast wurden, sei sehr hübsch gelegen, zwischen Rasenplätzen, Wäldchen und Blumenbeeten: deshalb hatte ich sachließlich den Eindruck, es sei eine Art Schabernack....
(fünftes Kapitel)

Sätze dieser Art schlagen einen ernsten Ton an, der zu Beginn des Romans noch nicht so ausgeprägt war.

Merkwürdig vielleicht, dass er es sich gefallen lässt, seine Schamhaare abschneiden zu lassen. Es mag sein, Gyurka kein aufmotzender Typ, eher etwas schüchtern, der nicht aufleben davon machen mag, auch wenn sein bisschen Männlichkeit verletzt ist, denn anderen Jungen ergeht es ähnlich (vgl. Kap.4). Trotzdem kommt ihm deswegen kein Unrechtsbewusstsein zwischen die Synapsen. Und das ist naiv. Er ist einfach unausgegoren. ;)

Liebe Grüße
mombour
« Last Edit: 01. November 2009, 18.30 Uhr by mombour »
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Re:Imre Kertész - Roman eines Schicksallosen
« Reply #3 on: 02. November 2009, 17.41 Uhr »
Hallo!

Die Naivität an sich ist es nicht, die mich an Gyurka stört. Sie scheint nur unrealistisch, es ist die Sicht eines Erwachsenen, der sich einen naiven 15jährigen vorstellt. Die Reaktionen sind für mich z. T. völlig unglaubwürdig (so etwa das fast teilnahmslose Hinnehmen der Tatsache, dass einer seiner Kameraden, Moskovics, vergast und verbrannt wurde).

Das ungarischer Volk wusste damals sicher noch nichts von Konzentrationslagern. Ungarn wurde 1944 von den Nazis besetzt. Ab dieser Zeit, in der auch der Roman spielt, wurden ungarische Juden in Konzentrationslager gebracht.

Das halte ich schlicht für falsch. Ich habe mich - auch im Rahmen des Studiums - mit Menschen dieser Generation unterhalten (auch in meiner Familie, mein Vater ist annähernd gleich alt wie Kertesz) - und es scheint die Ausnahme gewesen zu sein, davon nichts gewusst zu haben. Ab 1942, spätestens 1943 wurde nach übereinstimmenden Aussagen unter der Hand von Judenvernichtungen erzählt, von Judenseife, Lampenschirmen aus Judenhaut - und dies nicht in einer Großstadt wie Budapest sondern in abgelegenen Alpentälern, in denen die Informationsmöglichkeiten sicherlich sehr viel geringer waren. Einzig unter jenen, die dem Nationalsozialismus nahestanden (bzw. deren Väter) wurde ein solches Wissen verneint. Man mag über die Einzelheiten der Vernichtungsmaschinerie nicht Bescheid gewusst haben, aber es wurde übereinstimmend berichtet, dass man davon gewusst habe, dass die Juden ermordet würden (und auch das perverse Ausmaß dadurch sichtbar, dass die die vorhin erwähnten Begriffe der Judenseife bzw. der Lampenschirme aus Judenhaut so gut wie jedermann gehört zu haben vorgab).

Betroffene und Regimegegner schienen sogar noch besser informiert zu sein, in der gesamten Literatur zu dieser Zeit findet man zahllose Hinweise, dass man sich vor den Verschickungen am meisten fürchtete, weil man eben vom Massenmord in den Lagern wusste. Im Sommer 1944 war es unter ungarischen Juden mit Sicherheit kein Geheimnis mehr, was den meisten bei einem Transport in eines der Konzentrationslager bevorstand.

Über die Erzählzeit bin ich mir auch nicht völlig im Klaren: So beginnt das Buch mit "Heute war ich nicht in der Schule.", wodurch eine tagebuchartige Struktur der Aufzeichnungen angenommen werden kann. Andere Passagen aber arbeiten mit Vor- und Rückgriffen und lassen eher die Vermutung zu, dass der Text ev. knapp nach der Befreiung geschrieben worden sein könnte. Das ist nun nicht völlig belanglos, da im zweiten Fall es unwahrscheinlich wäre, wenn nicht Reflexionen einfließen würden. (Kapitel 6 beginnt etwa mit "Erst in Zeitz bin ich dahintergekommen ..." - ein Satz, der einen größeren zeitlichen Abstand zum Erzählten suggeriert, zudem im Perfekt verfasst, während anfangs brav im Präteritum berichtet wird.)

Trotz der Einwände lese ich das Buch mit Fortdauer mit größerem Genuss, da sich der künstlich anmutende naive Erzählmodus sukzessive verliert. Und man kann auch die Tatsache nicht ausblenden, dass hier jemand tatsächlich Erlebtes schildert (jedenfalls sehe ich keinen Grund, an der Beschreibung der Lagerwirklichkeit zu zweifeln) - wobei sich mir schon bald die Frage aufdrängte, welche Aufnahme dieses Buch gefunden hätte, wenn es von jemanden geschrieben worden wäre, der nicht in einem KZ war.

lg

orzifar
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Re:Imre Kertész - Roman eines Schicksallosen
« Reply #4 on: 03. November 2009, 17.21 Uhr »
Im Sommer 1944 war es unter ungarischen Juden mit Sicherheit kein Geheimnis mehr, was den meisten bei einem Transport in eines der Konzentrationslager bevorstand.

Das schon. Ich habe bloß darüber nachgedacht, ob sie es vorher auch schon geahnt haben. Das Horthy-Regime war zwar antisemitisch und erließ diskriminierende Judengesetze, man ließ die Juden aber noch am Leben (siehe hier ). In unserem Roman aber, ahnen die Erwachsenen aus Gyurkas Familie und der Lehrer schlimmes. Dann gibt es aber auch andere Erwachsene, die ahnungslos sind, nämlich die, die wie Gyurka von dem Polizisten im Zollhaus gefangen gehalten werden.

Gyurkas Naivität ist ein literarisches Mittel, um uns die Grausamkeit der Lager näher zu bringen. So sieht er Schornsteine im Lager und assoziiert den Rauchggestank mit einem Schornstein einer Lederfabrik, der auch gestunken hat, als er mit seinem Vater in einer Straßenbahn daran vorbeifuhr. Ich finde solche Textstellen sehr wirkungsvoll. Gyurka hat erfahren, dass dort die Toten eingeäschert werden, und es spricht viel für unseren Jungen, dass er jetzt zu hinterfragen beginnt, "ob die Epidemie wohl solche Ausmaße habe, daß es so viele Tote gab."

Etwa ab Seite 180 erlebt er den grausamen Alltag des Lagers. Ich finde es sehr bemerkenswert, wie Kertész schildert, wie man im Konzentrationslager altert. Das ist wider so eine Stelle, die mir ins Gedächtnis gebrannt wird.


Über die Erzählzeit bin ich mir auch nicht völlig im Klaren: So beginnt das Buch mit "Heute war ich nicht in der Schule.", wodurch eine tagebuchartige Struktur der Aufzeichnungen angenommen werden kann. Andere Passagen aber arbeiten mit Vor- und Rückgriffen und lassen eher die Vermutung zu, dass der Text ev. knapp nach der Befreiung geschrieben worden sein könnte.

Das Rückblickend erzählt wird, dafür spricht auch die Textstelle auf Seite 114. Er hatte das Buch eines Gefangenen gelesen, und sich gemerkt,

Quote from: Imre Kertész
daß der Gefangene, der das Buch geschrieben hat, sich angeblich an die erste, von ihm also weiter weg liegende Zeit der Gefangenschaft besser erinnern konnte als an die späteren, dem Zeitpunkt des Schreibens näher liegenden Tage.

Gyurka geht es ebenso, bekennt er.

Liebe Grüße
mombour
« Last Edit: 07. November 2009, 13.59 Uhr by mombour »
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Re:Imre Kertész - Roman eines Schicksallosen
« Reply #5 on: 04. November 2009, 17.00 Uhr »
Hallo!

Gyurkas Naivität ist ein literarisches Mittel, um uns die Grausamkeit der Lager näher zu bringen.

Natürlich ist die Naivität Gyurkas ein literarischer Kunstgriff, um das Grauen dieser fast kindlichen Sicht der Dinge gegenüberzustellen. Bleibt nur die Frage, ob dieser Kunstgriff gelungen ist und ich hier habe ich so meine Zweifel.

Die Art des Erzählens ändert sich in der zweiten Hälfte des Romans. Da gibt es schon sehr eindrucksvolle Passagen über das Alltagsleben im KZ, über dieses Existieren von Tag zu Tag, Minute zu Minute. Diese Intensität der Schilderung entsteht u. a. dadurch, dass die "naiven" Einlassungen immer weniger werden (auch wenn ich immer wieder über die schicksalsergebenen-vernünftelnden Stellen stolperte, dass "etwas so sein muss"). Und eindrucksvoll die Reaktion auf die Lautsprecheransage, dass das Lager nun befreit sei: Gyurka vermag mit diesem Begriff der Freiheit nichts anzufangen, sondern sorgt sich um die nächste Mahlzeit, von der er befürchtet, dass er sie nicht rechtzeitig erhalten oder sie ganz vergessen werde. Er ist einzig mit Über-Leben beschäftigt. 

Erstaunlich das Ende des Buches: Hier ändert sich die Haltung Gyurkas vollständig. Auf die Frage an den Zurückgekehrten in der Budapester Straßenbahn, was er den empfinde, fällt ihm ein einziges Wort ein: Hass. Plötzlich, auch in der Unterhaltung mit Steiner und Fleischmann, ist von dem fast teilnahmslosen Hinnehmen der Gräuel keine Rede mehr, er spricht auch die Verantwortung aller an: "Wir selbst sind das Schicksal". Dies ist eine völlige Verkehrung der sonst im ganzen Buch dargestellten Haltung, die gerade immer wieder selbst die ungeheuerlichsten Maßnahmen rationalisiert.

Auf den letzten 100 Seiten wird man von der Geschichte zunehmend gefesselt, auch angesichts der Tatsache, dass es sich bei diesen Ungeheuerlichkeiten nicht um Fiktion, sondern Realität handelt. Ob das Buch als Roman gelungen ist, wage ich zu bezweifeln: Zuviele Brüche, Ungereimtheiten, literarisch aufbereitete Sichtweisen. Als Dokument hingegen mehr als empfehlenswert. Dem Vergleich mit Primo Levis Büchern hält der Roman allerdings nicht stand.

lg

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Re:Imre Kertész - Roman eines Schicksallosen
« Reply #6 on: 05. November 2009, 20.10 Uhr »
Hallo orzifar,

Dem Vergleich mit Primo Levis Büchern hält der Roman allerdings nicht stand.

Vor allem Primo Levis Buch "Ist das ein Mensch" ist unverzichtbar, was Holocaustliteratur betrifft. Ich weiß nicht, wie dieses Buch sich mit Kertész vergleichen lässt. Bei Levi erfahren wir viel über Überlebensstrategien im KZ uva., was ich vor dieser Lektüre auch nicht wusste. Kertész lässt vieles aus und erzeugt auf diese Weise Grauen. Ich habe mich selten so gegraut wie bei Kertész. Durch Weglassungen bestimmte Wirkungen auf den Leser zu projezieren, ist eine große Kunst, und diese Kunst beherrscht Kertész.

Ich habe immer gegrübelt, was Kertész meint, wenn er vom Glück in Konzentrationslagern spricht. Glück an diesem Ort des Grauens? Wie absurd erscheint das, dabei ist das Überleben in solch einer Hölle auch schon Glück, oder wenn man sich nach schinderischer Arbeit schlafen legen kann. Trotzdem, Glück in Konzentrationslagern?? Unglaublich.

Auf den letzten 100 Seiten wird man von der Geschichte zunehmend gefesselt, auch angesichts der Tatsache, dass es sich bei diesen Ungeheuerlichkeiten nicht um Fiktion, sondern Realität handelt.

Ja. das unterschreibe ich. Und wie das erzählt wird (auch wenn ich jetzt noch dreißig Seiten vor mir habe). Also unbedingt lesen!!

Liebe Grüße
mombour
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Offline orzifar

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Re:Imre Kertész - Roman eines Schicksallosen
« Reply #7 on: 07. November 2009, 16.02 Uhr »
Vor allem Primo Levis Buch "Ist das ein Mensch" ist unverzichtbar, was Holocaustliteratur betrifft.

Bei Levi weist das weit über die holocoustspezifische Literatur hinaus. Will sagen: Er hat vor allem kraft seiner Fähigkeit als Schriftsteller eine derart eindrucksvolle Darstellung der Konzentrationslager schaffen können - aber auch alle (wirklich alle) seine anderen Bücher zeugen von einem ganz außergewöhnlich befähigten Literaten.

lg

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Re:Imre Kertész - Roman eines Schicksallosen
« Reply #8 on: 09. November 2009, 07.38 Uhr »
Meldung!

Der ungarische Schriftsteller Imre Kertész, der seit Jahren in Berlin/Charlottenburg lebt, begeht am 09. November 2009 seinen 80. Geburtstag. In seinem Hauptwerk "Roman eines Schicksallosen", dem  ersten Band des inzwischen zur Tetralogie angewachsenen Zyklus zur "Schicksallosigkeit", zu dem es inzwischen sogar ein Wörterbuch gibt (László F. Földényi: Schicksallosigkeit.  Ein Imre-Kertész-Wörterbuch, 363 S.), wirft Kertész erstmals einen ungewöhnlichen Blick auf den Holocaust.

Im Galeerentagebuch schreibt Kertész:

Quote from: Imre Kertész
Das Konzentrationslager ist ausschließlich als Literatur vorstellbar, als Realität nicht.
(Galeerentagebuch, Seite 253, Rowohlt Berlin 1993).

Zum Geburstag des Autors veröffentlichte die Berliner Morgenpost ein Interview
 und das "tagblatt" bringt einen Beitrag zum Geburtstag. Sie hier.
« Last Edit: 09. November 2009, 11.23 Uhr by mombour »
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Re:Imre Kertész - Roman eines Schicksallosen
« Reply #9 on: 25. Januar 2010, 13.13 Uhr »
Zufällig gesehen:
Die Verfilmung des "Schicksallosen" läuft am Donnerstag (28.1.) um 23:10 Uhr im mdr-Fernsehen.

Es grüßt

Tom