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Lektüren, Rezensionen => Gerade am Lesen ... => Topic started by: sandhofer on 08. September 2014, 13.20 Uhr
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Gestern mit Arno Schmidts "Zettel's Traum" begonnen. Pagenstecher, diese ältliche Plaudertasche, fängt auf den ersten 15 Seiten schon an, alle zu nerven. Den Leser inklusive...
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Irgendwie scheint mir Pagenstecher der Frauenmanipulierer zu sein, der Schmidt so gern gewesen wäre...
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Eigentlich eine dieser pseudo-gelehrten Abhandlungen, in denen Schmidt seine Etym-Theorie zu beweisen versucht. Diesmal am Beispiel von Edgar Allan Poe. Und eine Art Liebesgeschichte kommt auch vor. Das Ganze aber zu breit ausgewalzt ...
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Wir drehen uns im Kreis, lieber Arno Schmidt, wir drehen uns im Kreis ...
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Schmidt hat in ZETTEL'S TRAUM gleich zwei alter Ego untergebracht: Den Etym-Erfinder Pagenstecher und den mit einer halben Hexe verheirateten und von Übersetzungs-Arbeiten lebenden Paul. Im übrigen wird etymisiert, was das Zeug hält. Pagenstecher hat schon durch seine Etyme bewiesen, dass Poe ein Voyeur war; ich fürchte, er will ihm noch mehr nachweisen. Wenn ich nur wüsste, ob Schmidt seine ganze Etymogeleien ernst genommen hat oder nicht ...
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Und bei aller gesuchter und gewollter Modernität: Das Erzähltempo riecht noch immer nach der Langsamkeit der 50er Jahre. Schmidt umkreist die Details wie der Wolf seine Beute...
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Mir will mehr und mehr scheinen, dass wir hier in eine tragische Liebesgeschichte schlittern...
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Tragisch ist in gewissem Sinne auch Arno Schmidt selber. Jedenfalls literaturgeschichtlich gesehen. Der letzte der Expressionisten. Ein Dreivierteljahrhundert zu spät geboren ...
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Schade. Die Geschichte kommt wirklich nicht voran ... :(
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Bis jetzt denke ich nicht, dass man ZETTEL'S TRAUM wirklich gelesen haben muss. Die Geschichte ist zäh wie Mus, und der Erzählstil nach 50 Seiten langweilig...
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Über weite Strecken reine Pornografie. Nicht, dass ich prinzipiell was gegen Pornografie hätte, aber als Meisterwerk eines berühmten deutschen Autors ... das will mir doch etwas heftig erscheinen ...
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So, fertch. Schmidt hätte ca. 2/3, also rund 1'000 Seiten sparen können. Sowohl seine Etymogeleien wie seine Liebesgeschichte hätten trotzdem, genau so gut, funktioniert.
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Und nun auch im Blog (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=5838) ein paar Worte über Schmidts Überbuch verloren...