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Lektüren, Rezensionen => Bistro => Topic started by: Gontscharow on 18. Oktober 2013, 18.21 Uhr

Title: Georg Büchner
Post by: Gontscharow on 18. Oktober 2013, 18.21 Uhr

Eigentlich wollte ich ja im blog auf den Büchner-Artikel antworten. Aber es gelingt mir nicht, mich anzumelden. Kann man sich  mit dem Benutzernamen aus dem Forum nicht anmelden? Es kommt immer: falscher Benutzername . Hm

Zwei Bemerkungen zu Büchner:

1. Hat es einen Grund, warum Dantons Tod nicht genannt wird?

2. Es stimmt nicht, dass Büchner in litteratur.ch noch nicht erwähnt wurde ;). In der Maler Nolten- Leserunde fand er Erwähnung als zeitgenössischer literarischer "Antipode" Mörikes.
Title: Re: Georg Büchner
Post by: sandhofer on 18. Oktober 2013, 18.23 Uhr
Eigentlich wollte ich ja im blog auf den Büchner-Artikel antworten. Aber es gelingt mir nicht, mich anzumelden. Kann man sich  mit dem Benutzernamen aus dem Forum nicht anmelden?

Nein. Das sind zwei von einander unabhängige Programme mit von einander unabhängigen Datenbanken dahinter. Du musst dich im Blog zuerst registrieren.  ;)

Zwei Bemerkungen zu Büchner:

1. Hat es einen Grund, warum Dantons Tod nicht genannt wird?

Keinen speziellen, nein. Ausser, dass es der Text ist, der mir bei Büchner am wenigsten einfällt. Warum, werde ich bei Gelegenheit mal Kollege Freud fragen müssen ...  ;D

2. Es stimmt nicht, dass Büchner in litteratur.ch noch nicht erwähnt wurde ;). In der Maler Nolten- Leserunde fand er Erwähnung als zeitgenössischer literarischer "Antipode" Mörikes.

Richtig. Ich meinte allerdings in dem Zusammenhang nur das Blog, wo Büchner weder als Tag vertreten noch über die Suche auffindbar war.  :hi:
Title: Re: Georg Büchner
Post by: Anna on 18. Oktober 2013, 18.30 Uhr
Hallo!

Ich wollte zum Zweijährigen gratulieren, konnte mich aber auch nicht anmelden. Vermutlich muss die Kommentarfunktion jeweils freigeschaltet werden.
Warum Dantons Tod nicht erwähnt wurde, habe ich mich auch gefragt. Es ist das erste Stück gewesen, das ich von Büchner gelesen habe, und hat mich damals stark beeindruckt. Bei einer Büchner-Leserunde (im kommenden Jahr?) wäre ich dabei, ich habe mich schon ewig nicht mehr mit ihm beschäftigt.

Gruß
Anna
Title: Re: Georg Büchner
Post by: Gontscharow on 18. Oktober 2013, 21.45 Uhr

Habe mal im Klassikerforum nach Georg Büchner gesucht und wurde ausgerechnet in der Kategorie Schriftsteller als Übersetzer fündig:

Quote from:  Gontscharow am: 30. August 2010, 17:21 »

Quote from:  Poppea am 30. August 2010, 14:33
Georg Büchner hat Victor Hugo übersetzt.

Interessant! Das hätte ich nie gedacht. Wann hat er das denn noch gemacht?
Mit 23 Jahren gestorben! Mit Woyzeck, Dantons Tod und Lenz Weltliteratur hinterlassen. Sich mit dem Hessischen Landboten (Friede den Hütten. Krieg den Palästen) als steckbrieflich gesuchter Revolutionär in die Geschichtsbücher eingeschrieben! Medizin studiert und eine naturwissenschaftlich ernst zu nehmende Abhandlung über das Nervensystem der Barbe abgeliefert!
Und nun auch noch Victor Hugo übersetzt!
Ich habe mal nachgeschaut.  "Zum Glück" scheint er "nur" die historischen Dramen Lukretia Borgia und Maria Tudor übersetzt zu haben und nicht einen dicken Schinken à la Die Elenden.
Übrigens 1835 -  im Jahr, in dem er sein historisches Drama Dantons Tod schrieb!

Was fällt auf?
Ja, ich habe Leonce und Lena vergessen! Dabei habe ich in dem Stück einmal mitgespielt und solche unauslöschlich im Gedächtnis bleibenden Sätze gesagt wie:  Bin ich denn wie die arme, hülflose Quelle, die jedes Bild, das sich über sie bückt, in ihrem stillen Grund abspiegeln muß?
Leonce und Lena ist wunderbar. Aber es ist wohl so, die anderen Texte von Büchner liegen mir (noch)  mehr.
 
Büchner war der literarische Held meiner Jugend und das soll auch so bleiben. Deshalb werde ich auf eine Teilnahme an einer etwaigen Leserunde über Büchner verzichten, liebe Anna, und auch, damit Ziege, Kohlkopf und Wolf problemlos über den Fluß kommen. :angel:
Title: Re: Georg Büchner
Post by: sandhofer on 18. Oktober 2013, 23.03 Uhr
Ich wollte zum Zweijährigen gratulieren, konnte mich aber auch nicht anmelden. Vermutlich muss die Kommentarfunktion jeweils freigeschaltet werden.

Wie gesagt: Erst muss man sich registrieren - so, wie man sich auch hier im Forum registrieren musste - dann ist die Kommentarfunktion freigeschaltet. Allerdings muss jeder Kommentar nochmals durch die Admins genehmigt werden. Sorry für die Umstände, aber ohne die hätten wir das Blog schon längst zugespammt bekommen.
Title: Re: Georg Büchner
Post by: sandhofer on 20. Oktober 2013, 08.41 Uhr
Bei einer Büchner-Leserunde (im kommenden Jahr?) wäre ich dabei, ich habe mich schon ewig nicht mehr mit ihm beschäftigt.

Ich würde allenfalls den einen oder andern Text mitlesen. Allerdings konnte ich nicht widerstehen, und habe Leonce und Lena (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=4996) gestern Nachmittag noch einmal gelesen...  :angel:
Title: Re: Georg Büchner
Post by: Gontscharow on 20. Oktober 2013, 13.16 Uhr

Sehr schön, deine Leonce und Lena-Besprechung, man bekommt sofort Lust, das Stück noch mal zu lesen.
Bei Lena muss ich dir widersprechen. Sie ist nicht "nur ein verträumtes Mädchen, …das romantisch…an die große Liebe glaubt". Büchner gesteht ihr auch melancholisches und spleeniges Potential zu. Ich muss es wissen, ich habe sie mal gespielt ;D. Und sie schreckt nicht nur vor der arrangierten „dynastischen Heirat“ zurück, sondern vor der „weiblichen Rolle" allgemein, die von ihr verlangt, passiv und uneigenständig zu sein und als Projektionsfläche  zu fungieren ( vgl. 5.Szene und mein Zitat von der Quelle  in meinem letzten Posting)!
Deine Zitate sind gut gewählt! Ja, und ich gebe dir recht, die eigentliche zweite Hauptperson ist Valerio,  der die Gesellschaftskritik satirisch auf den Punkt bringt.
Etwas vermisst habe ich die Erwähnung der satirischen Seitenhiebe auf die (idealistische?) Philosophie in Form des  philosophierenden Souveräns. Es sei für unser philosophielastiges Forum hier nachgetragen:

Quote from:  Georg Büchner: Leonce und Lena
Zweite Scene
Ein Zimmer
(König Peter wird von zwei Kammerdienern angekleidet.)
Peter (während er angekleidet wird):
 
Der Mensch muß denken und ich muß für meine Unterthanen denken, denn sie denken nicht, sie denken nicht. – Die Substanz ist das 'an sich', das bin ich. (Er läuft fast nackt im Zimmer herum.) Begriffen? An sich ist an sich, versteht ihr? jetzt kommen meine Attribute, Modificationen, Affectionen und Accidenzien, wo ist mein Hemd, meine Hose? – Halt, pfui! der freie Wille steht davorn ganz offen. Wo ist die Moral, wo sind die Manschetten? Die Kategorien sind in der schändlichsten Verwirrung, es sind zwei Knöpfe zuviel zugeknöpft, die Dose steckt in der rechten Tasche. Mein ganzes System ist ruinirt…
Title: Re: Georg Büchner
Post by: sandhofer on 20. Oktober 2013, 17.24 Uhr
Etwas vermisst habe ich die Erwähnung der satirischen Seitenhiebe auf die (idealistische?) Philosophie in Form des  philosophierenden Souveräns.

Ich wollte sie zuerst noch erwähnen. Bei näherem Hinsehen schien sie mir zu wenig aussagekräftig. Ob er sich da mit Kant (wie die Anmerkungen meiner Ausgabe suggerieren), mit Fichte oder mit Hegel auseinandersetzt? Oder einfach nur das Wortgeklingel des Idealismus parodiert?

Einen recht interessanten Podcast zu Büchner (Kunst, Pappendeckel, Manschetten und Moral) habe ich übrigens noch hier gefunden:

http://www1.swr.de/podcast/xml/swr2/aula.xml
Title: Re: Georg Büchner
Post by: Sir Thomas on 21. Oktober 2013, 14.22 Uhr
Leonce und Lena ist wunderbar.

... und eine der wenigen gelungen Komödien deutscher Sprache. Am vermeintlich Leichten haben deutsche Bühnenautoren sich immer wieder schwer verhoben. Selbst Goethe. Schiller hat es gar nicht erst versucht ...

Auf Anhieb fällt mir da eigentlich nur Kleist ein mit seinen brillanten Lustspielen "Der zerbrochene Krug" und "Amphitryon" - wobei letztgenanntes eher eine Tragikomödie ist und dann auch noch auf einen Molière-Stoff zurückgeht ...
Title: Re: Georg Büchner
Post by: Gontscharow on 22. Oktober 2013, 13.03 Uhr

Quote from: sandhofer am: 20. Oktober 2013, 17.24 Uhr
Ob er sich da mit Kant (wie die Anmerkungen meiner Ausgabe suggerieren), mit Fichte oder mit Hegel auseinandersetzt? Oder einfach nur das Wortgeklingel des Idealismus parodiert?

Letzteres ganz sicher. Und  - dank geschärfter Wahrnehmung durch die Lektüre der idealistischen Horen- meine ich hier den Vorwurf zu spüren, dass diese Art von Philosophie sich bestens mit der absolutistisch feudalen Herrschaft verträgt, ja das Zeug zum Herrschaftsinstrument hat. Die nun von mir zum drittenmal zitierte - von Schiller ganz ernst gemeinte - Maxime* : Glühend für die Idee der Menschheit …und gleichgültig  gegen das ganze Geschlecht wie es wirklich vorhanden ist - das ist mein Wahlspruch … könnte auch der Wahlspruch des afterphilosophierenden Souveräns Peter aus dem Reiche Popo sein! ;D

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*zuletzt hier zitiert: http://litteratur.ch/SMF/index.php?topic=666.405

Title: Re: Georg Büchner
Post by: sandhofer on 23. Oktober 2013, 19.58 Uhr
der Wahlspruch des afterphilosophierenden Souveräns Peter

Mir kam da auch sofort der "Philosoph auf dem Thron" in den Sinn...
Title: Re: Georg Büchner
Post by: Sir Thomas on 26. Oktober 2013, 11.51 Uhr
Büchner war der literarische Held meiner Jugend und das soll auch so bleiben.

Als Primaner (Anfang der 80er Jahre) habe ich mich intensiv mit Büchner und Heine beschäftigen müssen. Im damals ziemlich linksliberal orientierten Schulwesen Nordrhein Westfalens galten sie (zusammen mit Tucholsky und Brecht) mehr als Schiller, Goethe oder Thomas Mann, die man eher als notwendiges Übel behandelte: lieblos, geschäftsmäßig. Daher habe ich Heine, Büchner & Co. über Jahrzehnte gemieden. Sie erinnerten mich einfach zu sehr an die miesen Indoktrinationsversuche rot-grün angehauchter "Pädagogen"*. Bei dieser Abneigung ist es Gott sei Dank nicht geblieben. Für mich haben sie trotzdem immer noch einen recht elenden (und unverdienten) Nachgeschmack ...   

*Nachtrag: Soeben fällt mir ein, wie F. Nietzsche diese Sorte Mensch bezeichnete: Bildungsphilister. Und ihr Gewese nannte er schlicht: Filzsockenbegeisterung. Herrlich!!!
Title: Re: Georg Büchner
Post by: Gontscharow on 26. Oktober 2013, 14.06 Uhr

Als Primaner (Anfang der 80er Jahre) .... Für mich haben sie trotzdem immer noch einen recht elenden (und unverdienten) Nachgeschmack ...   


Du Armer! :'( Höchste Zeit, dich davon völlig zu verabschieden, sonst gestehst du Deinen Filzsockenpädagogen eine  Macht über deine literarische Geschmacksbildung zu, die sie nicht haben sollten!