My Board
Gemeinsam Lesen => Leserunden => Topic started by: sandhofer on 04. August 2013, 17.56 Uhr
-
Nachdem ich bisher nur für Kinder bearbeitete Fassungen kannte (ich habe das Buch ja auch zuletzt als Kind gelesen), nun die neue Übersetzung bei Hanser, nach dem Original der historisch-kritischen Ausgabe von Coopers Werken. Ist ganz anders, nur schon, weil Cooper einen historischen Roman schreiben wollte, keinen Abenteuerroman. So erinnert denn schon das erste Kapitel viel mehr an Walter Scott als an Karl May.
-
Hallo!
Von diesem Lesevorhaben hättest du mich unterrichten sollen: Ich habe den Cooper hier stehen (Insel Verlag), "vollständige Ausgabe" (steht zumindest da), ca 450 Seiten. Könnte das hinkommen?
lg
orzifar
-
Von diesem Lesevorhaben hättest du mich unterrichten sollen: Ich habe den Cooper hier stehen (Insel Verlag), "vollständige Ausgabe" (steht zumindest da), ca 450 Seiten. Könnte das hinkommen?
Hallo!
Ich habe - ausser Coopers eigenen Vorworten und den Nachworten der Herausgeberin und Übersetzerin, Karen Lauer - erst das erste Kapitel gelesen. Noch ist also Zeit, einzusteigen ;) . Bei der Insel-Ausgabe scheint es sich um eine Bearbeitung der ersten Überstzung ins Deutsche, von Leonhard Tafel, zu handeln, die 1841 erfolgte. "[...] kann den heutigen Ansprüchen hinsichtlich einer präzisen inhaltlichen und stilistischen Abbildung des Originals nicht mehr genügen", meint Frau Lauer. Es wäre ja interessant, zu vergleichen, wie viel die Neuübersetzung im Verhältnis zur alten tatsächlich bringt. Meine Ausgabe weist rund 550 Seiten Text aus, obwohl gebunden ebenfalls Taschenbuch-Forma.
Grüsse
sandhofer
-
Hallo!
Nunja, so lasset uns denn vergleichen. Mal sehen. Back to the roots - ist lange her, dass ich Derartiges gelesen habe.
lg
orzifar
-
ist lange her, dass ich Derartiges gelesen habe.
Bei mir ja auch. Allerdings scheint mir - zumindest im 1. Kapitel - der "Cooper für Erwachsene" tatsächlich sehr viel mehr Scott'sches an sich zu haben als May'sches. Ob er als Romancier was taugt (es gibt welche, die das bezweifeln, nicht nur Arno Schmidt ;) ), werden wir ja sehen.
Grüsse
sandhofer
-
Ich mag ja diese puritanisch-viktorianische Art, sich auszudrücken. Da reisen also die beiden jungen Damen ab. Zuerst wird die jüngere beschrieben, dann die ältere. Die ältere geht verschleiert, man sieht also wenig von ihr. Und doch heisst es:
Man konnte jedoch erkennen, dass ihre Gestalt, obschon von ebenso edlen Proportionen, denen ihr Reisekleid nichts von ihrer Anmut nahm, voller und reifer war als diejenige ihrer Gefährtin.
Heute würde man einen Wein bei einer Degustation so beschreiben ;D . Und von der Frau sagen: Sie hatte mehr A... und T... als die jüngere Schwester... :angel:
-
"Soviel konnte man jedoch sehen, daß sie, obschon von gleich ausgzeichnetem Ebenmaß, das durch ihren Reitanzug nichts an Grazie verlor, eher voller und ausgebildeter war als ihre Begleiterin."
Tja, Frauenverkostung im 19. Jahrhundert. - Und wie man sieht: Die Sprache ist nicht nur sehr viel komplizierter (wie Wittgenstein schon immer vermutete) sondern auch wieder einfacher - wenigstens das Verständnis betreffend: Denn trotz aller Unterschiede im Ausdruck - man weiß nur zu genau, wovon die Rede ist. (Mich hat eher mein "Reitanzug" irritiert, der mit Reisekleid wohl besser übersetzt sein dürfte.)
lg
orzifar
-
Jedes Kapitel wird mit einem Zitat (vor allem Shakespeare, will mir scheinen) eingeleitet.
Die Gruppe um die beiden Frauen ist mittlerweile abgereist. Nun trennen sie sich vom Hauptharst und nehmen eine Abkürzung durch die Wälder. Ihr Führer ist ein Eingeborener, und natürlich haben die beiden Frauen das bessere Gespür für die Boshaftigkeit des Wilden. Aber sie geben Haywards, des begleitenden Offiziers, Vorstellungen nach und folgen dem Wilden nur zu dritt ins Gebüsch. Ein Gesangmeister folgt ihnen noch auf eigene Faust. Dann verschwindet das Grüppchen um eine Ecke, und aus den Gebüschen taucht ein fürchterlich anzusehender Indianer auf. - Das nenne ich doch mal einen Cliff Hanger!
-
Hallo!
Durch Wald und Feld, über Stock und Stein, Skalpjäger allenthalben. Die tapferen Mädchen des Kommandanten können aber auf die Hilfe von Hawk-Eye und den beiden Mohikanern rechnen. Naja - zuviel darf man nicht erwarten, allerdings ist das nicht ausschließlich Kitsch: So ist die Darstellung der beiden Indianer zwar ein wenig geschönt, trotzdem wird (etwa beim Mord des Indianerhäuptlings an dem Franzosen) auf derartige Idealisierungen verzichtet. Und die Einführung des psalmensingenden David gefällt mir auch: Ein pittoresker Punkt in der Abenteuerlandschaft.
Mittlerweile sind die Töchter wohlbehalten im Fort angekommen, der junge Häuptling hat ein Auge auf die ältere Tochter (und vice versa) geworfen, die Franzosen rüsten zum Angriff: Für Stoff ist gesorgt.
lg
orzifar
-
Hallo!
Mittlerweile sind die Töchter wohlbehalten im Fort angekommen, der junge Häuptling hat ein Auge auf die ältere Tochter (und vice versa) geworfen, die Franzosen rüsten zum Angriff: Für Stoff ist gesorgt.
Jetzt bist Du schneller durch den Wald gekommen als ich ...
Ja, der Stoff, aus dem die Träume sind. Es ist ja interessant, dass es Scott wie Cooper gelungen ist, mit mittelprächtigen Stoffen und mittelmässiger Schreibkunst nicht nur Bestseller (das wundert mich nicht), sondern auch Klassiker der Weltliteratur und (Trivial-)Mythen bildende, Standard-Bilder in den Köpfen der Leute festsetzende Werke (heute würde man sagen: Kult!) zu verfassen. Scott hat den Schotten so glorifiziert, Cooper das Bild des Indianers und Trappers geformt.
Grüsse
sandhofer
-
3. Kapitel
Auch Cooper kann einen ehrlichen Mann nur einführen, indem er ganz plump sagt: Hier ist ein Mann mit einem ehrlichen Gesicht.
Daneben interessant, wie beide, Chingachgook und Falkenauge, ungeheuer stolz auf die Reinheit ihres Blutes sind - der eine als Mohikanerhäuptling, der andere als Weisser...
-
Hallo!
Ich muss gestehen: Zu diesem Buch will mir nicht viel einfallen. Von Kapitel zu Kapitel entrinnt man einer Gefahr, um der nächsten anheim zu fallen. Einzig der Psalmensänger gefällt mir: Der Rest ist schon sehr einfach gestrickt. Kaum eine Wendung, die nicht vorhersehbar ist, das hübsche Mädchen fällt bei seiner Rettung vor lauter Aufregung in Ohnmacht, der edle Held trägt sie durch die Wildnis - und so nebenher wird die Liebe gestanden und die Heirat vereinbart. - Aber immerhin hat mir erstmals seit vielen Jahrzehnten wieder von Indianern geträumt ...
lg
orzifar
-
Hallo!
Also doch Karl May? Ich lese aktuell in homöopathischen Dosen weiter. Ich kenne mich: Bis mich dann der Rappel packt und ich das Ding so schnell wie möglich los werden möchte. :angel:
Grüsse
sandhofer
-
Hallo!
Ich bin mit dem Buch durch - und einigermaßen froh darüber. Außer einer Menge Abenteuer, verruchter und edler Indianer nebst einem Weißen, der sowohl auf sein "reines" Blut stolz zu sein vorgibt als auch auf seine "indianischen" Fähigkeiten, gibt's nicht viel. Wie Sandhofer schon erwähnte: Diese Besinnung auf die Herkunft bei Weißen und Indianern mutet sonderbar an, wird aber nicht zu einer kritischen Betrachtung solcher Verhaltensweisen ausgebaut. Implizit scheint Cooper auch so manches Mal die Berechtigung der Weißen zu bezweifeln, sich in den nordamerikanischen Gefilden zu Eroberungszwecken aufzuhalten (in einem Nebensatz wird sogar einmal die missliche Lage der schwarzen Sklaven erwähnt).
@Sandhofer: Vielleicht liegt's an meiner gekürzten Ausgabe, vielleicht aber auch an meinem Verständnis: Jedenfalls weiß ich noch immer nicht, warum in einer der letzten Szenen sich der Offizier als "la longue carabine" ausgeben wollte. Ich bitte um Aufklärung, falls du mir eine solche zuteil werden lassen kannst.
lg
orzifar
-
Hallo!
@Sandhofer: Vielleicht liegt's an meiner gekürzten Ausgabe, vielleicht aber auch an meinem Verständnis: Jedenfalls weiß ich noch immer nicht, warum in einer der letzten Szenen sich der Offizier als "la longue carabine" ausgeben wollte. Ich bitte um Aufklärung, falls du mir eine solche zuteil werden lassen kannst.
Ich stecke ja noch in Kapitel 3, bzw. gleich danach. Wenn ich's bis zum Schluss schaffe, melde ich mich.
Grüsse
sandhofer
-
Habe jetzt 3 weitere Kapitel gelesen. Gesamteindruck weder positiv noch negativ. Hie und da witzige Splitter (nicht im Sinne von "komisch"!), wenn ich gewisse Details lese, an die ich mich aus meiner Jugendlektüre nicht erinnern kann. Der Wildtöter ist irgendwie eine bedeutend menschlichere Figur, als ich das in Erinnerung hatte. Aber ich habe da wohl auch viel Winnetou + Old Shatterhand hineingemengt...
-
Kapitel 6
Cliffhänger: Draussen vor der Höhle merkwürdige Schreie, die weder Falkenauge noch die Grosse Schlange identifizieren können. Angst in der Höhle...
Und eine nette, naive Schilderung der Wasserfälle, inmitten derer sich die paar Leutchen vor den "Mingos" zurückgezogen haben. Das Singen eines frommen Lieds weckt in Falkenauge Erinnerungen an seine Jugend und bringt ihn zum Weinen. Seufz ... die elisabethanische Sentimentalität gab's auch in den jungen USA...
-
Es braucht bei mir meist einige Zeit, bis ich in einem Roman "drin" bin; und diese Zeit hat nichts mit der Qualität des Romans zu tun. Jetzt, nach 7 Kapiteln und rund 100 Seiten, kann es langsam angehen.
Das Geräusch ist identifiziert, und die Mungos greifen an. Keine üblen Beschreibungen und Kampfszenen, so weit. Große Literatur ist es allerdings auch nicht.
-
Kapitel 8
Bringt nichts Neues. Ich habe bei Cooper dieselben Probleme, die ich bei der Lektüre von Sir Walter Scott empfand. Nicht schlecht genug, um abzubrechen. Nicht gut genug, um mit wirklichem Genuss gelesen zu werden.
Der Stoff, aus dem die Klassiker sind?
Grüsse
sandhofre
-
Hallo!
Außer einer Menge Abenteuer, verruchter und edler Indianer nebst einem Weißen, der sowohl auf sein "reines" Blut stolz zu sein vorgibt als auch auf seine "indianischen" Fähigkeiten, gibt's nicht viel.
Ich fürchte, Du hast Recht ... ::)
Grüsse
sandhofer
-
So. Mit leicht verändertem Blickwinkel nur den Letzten Mohikaner auch mal ins Blog gestellt (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=4991).
-
So. Mit leicht verändertem Blickwinkel nur den Letzten Mohikaner auch mal ins Blog gestellt (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=4991).
Mit dieser Interpretation rennst du bei mir offene Türen ein. Vor allem muss der Moby Dick - auch von seiner sprachlichen Qualität her - gänzlich anders betrachtet werden als Cooper (allerdings war Melville auch kein Erfolg beschieden ...).
lg
orzifar