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Lektüren, Rezensionen => Gerade am Lesen ... => Topic started by: sandhofer on 15. Juni 2013, 17.07 Uhr

Title: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 15. Juni 2013, 17.07 Uhr
Wieland wird mich in nächster Zeit immer mal wieder beschäftigen. Gerade lese ich zur Einstimmung für eine Leserunde zu Musarion im Klassikerforum, und weil es in meiner Ausgabe dem Musarion vorgelagert ist, Wielands Danischmend. Wenig Handlung, viel Diskussion - mit zum Teil für Wieland und überhaupt recht scharfer, ätzender Satire - vor allem in den fingierten gelehrten Anmerkungen ...

Wieland macht Spass.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 15. Juni 2013, 20.57 Uhr
Der Danischmend geht 'runter wie Bordeau. Gut, wie Zweigelt vielleicht. Die Bösartigkeit von Wielands Bemerkungen verschwindet, je mehr Wieland dazu übergeht, "Action" statthaben zu lassen. Schade im Grunde genommen. Auch ist Wielands Idealstaat - eine Art ur-kommunistisch organisierter Agrarstaat mit ein bisschen Handwerk und ein ganz-ganz-klein bisschen Industrie - als Utopie ungeeignet. Das schickt sich, ebenso wie das Happy Ending des Danischmend, mehr für ein Märchen. Aber vielleicht wollte Wieland den Danischmend auch als solches betrachtet wissen.

(Ich lese übrigens wieder mal in völlig falscher Reihenfolge. Der Danischmend ist die Fortsetzung von irgendwas anderem. Vom Goldenen Spiegel? Ich muss meine Wieland-Ausgabe wohl doch mal von vorne zu lesen beginnen...)
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 16. Juni 2013, 08.16 Uhr
In der Vorbemerkung zu dieser Ausgabe [dem Hamburger Reprint der wohlfeilen Werkausgabe bei Göschen, 1794ff] zitiert Reemtsma - wen wohl? Genau: Arno Schmidt:

... jeder Prosafachmann sollte daran interessiert sein, von Wieland zu lernen; einem Manne, durch dessen Schreibtisch wir Schriftsteller unsern ersten Meridian ziehen müßten.

 8)
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 17. Juni 2013, 07.16 Uhr
Agathon

Galt seinerzeit wohl als das Opus magnum Wielands. Bis jetzt liest es sich recht angenehm, aber die Satire ist mild. (Ausser, wir sehen die auktoriale Distanzierung vom Sophisten Hippias als Deckmäntelchen an, unter dem Wieland dann in aller Ruhe die äusserst zynische (nicht: kynische!) Haltung des Sophisten zur Welt und zur Politik referieren kann.)

Übrigens hier schon erste Spuren romantischer Ironie, wenn Wieland die beiden Helden, Agathon und Psyche, sich auf einem Seeräuberschiff treffen lässt, beide Gefangene eben dieser Seeräuber - und statt die Tatsache auszunützen, dass die Mannschaft besoffen herumliegt und einen valablen Fluchtplan auszuhecken, sich lieber ihre Erlebnisse erzählen und ihre Liebe erklären. "Wie Romanhelden", fügt Wieland hinzu, und es ist nicht klar, ob das eine auktoriale Bemerkung war oder ein Gedanke eines der Protagonisten.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 20. Juni 2013, 20.38 Uhr
Wieland neigt schon zur Geschwätzigkeit. Die deutsche Sprache steht ihm in einer Geläufigkeit zur Verfügung wie keinem vor und wenigen nach ihm. Agathon = der Gute. Manchmal ein bisschen allzu gut. Aber ich mag Wieland dennoch.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: orzifar on 21. Juni 2013, 01.10 Uhr
Wieland neigt schon zur Geschwätzigkeit. Die deutsche Sprache steht ihm in einer Geläufigkeit zur Verfügung wie keinem vor und wenigen nach ihm. Agathon = der Gute. Manchmal ein bisschen allzu gut. Aber ich mag Wieland dennoch.

Es soll was Schlimmeres geben als die Wielandsche Geschwätzigkeit. (Auch wenn ich sie nicht immer ertrage ...)

lg

orzifar
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 21. Juni 2013, 11.03 Uhr
Agathon wird jetzt der Nachfolger Platons in der (philosophischen) Gunst des Dionysos von Sizilien. Es ist nicht uninteressant, wie Wieland immer wieder kleine Spitzen gegen die Herrschenden in seinen Text einflicht. Und gegen die Philosophen...
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 22. Juni 2013, 07.56 Uhr
Zum Danischmend habe ich nun ein paar Worte im Blog  (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=4297)verloren.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 22. Juni 2013, 14.09 Uhr
Zum Danischmend habe ich nun ein paar Worte im Blog  (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=4297)verloren.

Warum ich aber mal "Danischmend" und mal "Ganischmend" geschrieben habe, ist mir selber schleierhaft. Wer noch einen (falschen!) "Ganischmend" findet, bitte melden!  ::)
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 22. Juni 2013, 15.49 Uhr
Weiter im "Agathon". Aspasiens Lebensbeichte: eine merkwürdige und interessante Mischung aus feministischem Manifest und Hetären-Ausbildung.

Edith hat Tippfehler korrigiert.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 23. Juni 2013, 16.09 Uhr
So. Agathon fertig. Später geht's für die Leserunde im Klassikerforum an Musarion. Ist ja nur ein kurzer Text, etwas über 100 Seiten in der Ausgabe letzter Hand.  8)

Agathon war zu Wielands Lebzeiten wohl so etwas wie sein Opus magnum. Heute können wir das nur noch bedingt nachvollziehen. Für einen Roman muss der Autor zu viel selbst erklären; die Veränderungen in Agathon oder in Danae erklären sich zu wenig aus Handlungen der Protagonisten selber. Da ist ihm - wenn ich mich recht erinnere - Goethe in seinem Wilhelm Meister über. Aber stilistisch ist Wielands Plauderton sympathischer als der gestelzte Ministerialton, den Goethe anschlägt.  :angel:
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: Sir Thomas on 23. Juni 2013, 18.11 Uhr
Aspasiens Lebensbeichte: eine merkwürdige und interessante Mischung aus feministischem Manifest und Hetären-Ausbildung.

Da ist Dir etwas durcheinander geraten: Im "Agathon" beichtet Danae, nicht Aspasia.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 23. Juni 2013, 19.07 Uhr
Upsi. Wo Du Recht hast, hast Du Recht ...  :-[
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 23. Juni 2013, 21.02 Uhr
Also, um genau zu sein: Danae beichtet. Aber der Unterricht, den sie referiert, stammt von Aspasia. So ist das Manifest und die Hetären-Ausbildung bei beiden da.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: Sir Thomas on 23. Juni 2013, 21.06 Uhr
Also, um genau zu sein: Danae beichtet. Aber der Unterricht, den sie referiert, stammt von Aspasia. So ist das Manifest und die Hetären-Ausbildung bei beiden da.

Das hat Dir keine Ruhe gelassen, gell?  ;D
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 23. Juni 2013, 21.10 Uhr
Ich hatte mal einen Freudianer als Deutschlehrer. So was färbt ab: Man will die genaue Ursache solcher Freud'scher Fehlleistungen kennen ...  ;D
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: Sir Thomas on 23. Juni 2013, 21.26 Uhr
Ich hatte mal einen Freudianer als Deutschlehrer. So was färbt ab ...  ;D

Du Ärmster! Aber Du scheinst halbwegs alltagstauglich geblieben zu sein ...  ;D
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 24. Juni 2013, 20.51 Uhr
Das ist wie mit der Masernimpfung als Kind. Kriegste nie mehr, diese Krankheit. (Gilt auch in anderm Zusammenhang: Ich bin in einer Familie von Sektenmitgliedern aufgewachsen. Jeder Onkel und jede Tante Mitglied einer Sekte. Jeder und jede aber einer andern. Sowas ist noch besser als Impfung.  :angel: >:D )
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 26. Juni 2013, 20.24 Uhr
Band 10 der Ausgabe letzter Hand. Liest sich alles süffig, ohne weltbewegend und umwerfend zu sein. Aber Wieland verwendet immer genau das Quentchen Ironie, das macht, dass man seine Texte nicht als irrelevant und langweilig beiseite legt. Sondern noch einen Text weiterliest.  ;)
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 30. Juni 2013, 19.45 Uhr
Und nun Band 10 auch im Blog: http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=4381  :hi:
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 13. Juli 2013, 07.30 Uhr
Wenn ich noch zum Lesen komme ( ;)): Wieland (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=4452).
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 21. Juli 2013, 08.13 Uhr
Ich kann von Wieland nicht ganz lassen: http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=4516  :angel:
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 01. August 2013, 13.54 Uhr
Der goldne Spiegel - halb 1001 Nacht, halb Platons Republik, halb Lettres Persanes, halb Arrians Alexander-Züge. Gibt 4 Hälften? Wieland hat ja auch 2 Bände damit gefüllt.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 07. August 2013, 15.39 Uhr
Der goldne Spiegel ist im Blog niedergelegt (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=4634). Als nächster wartet Don Sylvio von Rosalva auf mich.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 17. August 2013, 21.06 Uhr
Don Sylvio von Rosalva

Pop-Corn-Literatur. So, wie Wieland hier über Männer und Frauen und deren Balzrituale herzieht - ein Zyniker erster Güte.  :teufel:
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 20. August 2013, 15.25 Uhr
ein Zyniker erster Güte.  :teufel:

Wobei Wieland ja seine Figuren nie wirklich lange böse behandeln kann. Der zweite Teil dieses Romans gleicht zusehends einer relativ seichten Liebesromanze. Aber Wielands Sprache ist selbst da herrlich, wo sein Thema seicht ist ...  :)
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 22. August 2013, 06.26 Uhr
Nachdem mich der Don Sylvio sehr an den Taugenichts erinnert hat, erinnert mich Der Nachlass des Diogenes von Sinope sehr an Die Nachtwachen des Bonaventura. Wieland scheint die Romantik mehr beeinflusst zu haben, als ich bisher annahm.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 30. August 2013, 20.22 Uhr
Ein paar kleinere Schriften Wielands. Er kann mit Rousseaus "gutem Wilden" wenig anfangen, weil er nicht daran glaubt, dass der Mensch im wilden Zustand besser gewesen sei. Dabei verweist er auf aktuelle Berichte aus dem Inneren Amerikas.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 05. September 2013, 06.59 Uhr
Manchmal kann Wieland auch irritieren. So, wenn er in einem Beitrag Rousseaus "edlen Wilden" kritisiert, in einem nächsten dann Rousseau in Schutz nimmt, der als junger Mann ja bekanntlich ein Halsband klaute und dann die Schuld auf eine junge Bedienstete schob, auf die er ein Auge geworfen hatte. Das findet er dann plötzlich halb so wild...  ::)
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 05. September 2013, 20.26 Uhr
Von Xenophon inspiriert, hat Wieland, offenbar in Bern oder unmittelbar vor seiner Zeit dort, ein Epos über Cyrus begonnen. Ich finde es verständlich, dass ein junger Autor seine auktoriellen Stärken und Schwächen noch nicht kennt, sie erst erfahren muss. Aber warum hat der reife Wieland dieses Epos noch in seine Werkausgabe aufgenommen? Schlachten sind nicht Wielands Ding. Das ganze ist ein - leider ungewollter und also nicht ironisch gemeinter - Verschnitt von Homer und Homerisch angehauchten Phrasen.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 06. September 2013, 20.36 Uhr
Der nächste Band ist wieder Wieland wie wir ihn kennen. (Und wie ich ihn liebe.) Idris und Zenide - kennt oder liest heute wohl kein Mensch mehr - ein bisschen Rokoko, ein bisschen Ironie und ganz viel Wieland'sches Capriccio. Will sagen: Wieland lässt sich von seiner Laune hinreissen, fügt dies oder jenes hinzu und mäandert so vom Hundersten ins Tausendste. Das geht zwar auf Kosten des Plots, der sowieso nie Wielands Stärke war. Aber die vielen kleinen Einfälle und Wielands Spott über Autor und Figuren machen das wieder wett.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 07. September 2013, 07.29 Uhr
Ich interpretiere wahrscheinlich mal wieder zu viel hinein, aber Wielans Diogenes von Sinope hat mich doch sehr an die Nachtwachen des Bonaventura erinnert: http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=4297
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 08. September 2013, 07.52 Uhr
Da Badn VI der Greno-Ausgabe auch die Geschichte der Abderiten enthält, die ich vor kuzem erst gelesen habe, bin ich damit auch schon durch. Idris und Zenide ist ein unterhaltsames Werklein, und auch die folgenden Märchen sind es. Kein grosser Tiefgang, grösstenteils Nacherzählungen in Versform von französischen Fabliaux oder Geschichten aus 1001 Nacht. (Natürlich den jugendfreieren darunter!)
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 14. September 2013, 07.17 Uhr
Band V: Wielands Gemischtwarenladen (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=4903) jetzt auch im Blog.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 22. September 2013, 21.03 Uhr
Wielands Liebesromanzen und -märchen. Mit solchen Sachen hat sich Wieland Ruhm erworben. Heute kennt man das kaum noch. Lohnt es sich, so etwas wie "Liebe um Liebe" zu lesen? Ja. Weil Wieland diese Literaturgattung immer mit leichtem Spott behandelt, weder sich noch seine Figuren noch den Leser ganz ernst nimmt, bzw. die alle immer mal wieder auf die Schippe nimmt. Ohne das wären diese Texte tatsächlich äusserst langweilig.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 12. Oktober 2013, 07.43 Uhr
Lohnt es sich, so etwas wie "Liebe um Liebe" zu lesen?

In der Zwischenzeit habe ich meine Ansicht leicht modifiziert: http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=4949  :angel:
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 15. Oktober 2013, 20.58 Uhr
Band IX bringt mit Peregrinus Proteus mal wieder einen sehr interessanten Text. Ein Entwicklungsroman - aus der Retrospektive erzählt, von Peregrinus selber, im Elysium (also nach seinem Tod).
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: orzifar on 15. Oktober 2013, 23.50 Uhr
Hallo!

Der Peregrinus ist eines meiner Lieblingsstücke von Wieland. Ist m. E. viel zu wenig bekannt. Wieland vom Feinsten ...

lg

orzifar
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 16. Oktober 2013, 08.16 Uhr
Der Peregrinus ist eines meiner Lieblingsstücke von Wieland. Ist m. E. viel zu wenig bekannt. Wieland vom Feinsten ...

Dem ist so. Auch autobiografisch interessant, erlebt doch Peregrinus vieles, was auch Wieland erlebt hat...

Band VIII des Grenoreprints ist im Blog (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=4970) "untergebracht...
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 26. Oktober 2013, 09.57 Uhr
Der Peregrinus ist echt eine kleine Perle. Aber auch Wielands Aufsätze zur Französischen Revolution sollte man kennen:

http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=5013

Aktuell lese ich Wieland über die Manie des Montgolfierens. Bzw. über die Streitereien zwischen den Pionieren der Ballonfahrt: Montgolfiers, Blanchards ...
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 09. November 2013, 08.54 Uhr
Aktuell lese ich Wieland über die Manie des Montgolfierens. Bzw. über die Streitereien zwischen den Pionieren der Ballonfahrt: Montgolfiers, Blanchards ...

Das, und warum er 1808 von Napoléon zum Ritter der Ehrenlegion ernannt wurde, nun im Blog (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=5039).  ;)
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 10. November 2013, 11.14 Uhr
Jetzt "Aristipp und seine Zeitgenossen". Aristipp, der Kyrenäiker, hat Wieland schon im Agathon beschäftigt, wo er allerdings nicht so ganz positiv geschildert wurde. In diesem Altersroman Wielands ist Aristipp nun das Zentrum eines regen Briefwechsels.

Aristipp hat mittlerweile bereits bei Sokrates studiert (wie wir heute sagen würden) und bei Lais seine beziehungstechnische Grundausbildung erhalten. Nun geht es dann mit dem Reisen los...
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 11. November 2013, 20.36 Uhr
Wieland bringt nochmals das ganze Personal der sokratischen Zeit aufs Tapet, das er schon in diversen andern Romanen "verwurstet" hat: Hippias, Demokrit, Diogenes ... Selbst abderanische Schildbürger laufen uns wieder über den Weg. Dabei ist das Ganze wohl der Versuch Wielands, sein Denken in eine kurzweilige Form von Résumée zu bringen.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 12. November 2013, 20.15 Uhr
Im Grunde genommen ist der Aristipp Wielands Auseinandersetzung mit Platons Philosophie.

Und die Geschichte der Hetäre Lais.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 23. November 2013, 07.48 Uhr
Im Grunde genommen ist der Aristipp Wielands Auseinandersetzung mit Platons Philosophie.

Kann ich, nach beendeter Lektüre, nur bestätigen.  (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=5069)
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 24. November 2013, 21.08 Uhr
Euthanasia - Gespräche über die Erscheinungen gestorbener Menschen. Im Ersten Buch demontiert Wieland eine solche Geschichte in geradezu einzigartigerweise, indem er nur von der Erzählung her, vom Erzählduktus und der Wortwahl darauf hinweist, dass sich der Zeuge noch und noch in Widersprüche verwickelt. Perry Mason hätte seine Freude an diesem Kollegen gehabt.

Das Zweite Buch ist disparater, verliert sich in Spekulationen über irgendwelche ätherischen Sinnesorgane, die die Verstorbenen haben oder eben nicht haben, um mit den Lebenden in Kontakt zu treten. (Man soll Dummheit nicht auf ihrem eigenen Gebiet zu schlagen versuchen, das hätte Wieland wissen müssen.)
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 29. November 2013, 08.01 Uhr
Was bleibt von Band XII? (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=5098)

Aus den Euthanasia das erste Gespräch, wo Wieland den offenar wirklich herumgereichten Bericht eines "W...l" nach allen Regeln der Kunst demontiert.

Aus dem Hexameron von Rosenhain die Schlusspointe, quasi eine Überpointe im romantischen Sinne.

Die für damalige Verhältnisse äusserst emanzipiert dargestellte Hipparchia aus dem Briefroman Krates und Hipparchia.

Andere Autoren wären damit berühmt geworden - bei Wieland figuriert so was unter "ferner liefen" ...
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 01. Dezember 2013, 21.09 Uhr
Der erste Band Supplemente: Juvenilia. Nun sind Juvenilia halt im Grunde genommen immer nur etwas für die ganz hartgesottenen Aficionados. Egal, ob Jean Paul, Baudelaire oder Wieland. Wenige sind halbwegs frühreif wie Goethe oder Hofmannsthal.

Nachdem ich mich den ganzen Morgen mit Baudelaires Belgiern herumgeschlagen habe, frage ich mich allerdings nun jedes Mal, wenn Wieland das Wort "Begier" auftischt (und er tut das in seinen Juvenilia recht oft!), was die armen Belgier denn nun schon wieder verbrochen haben sollen...  8)
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 08. Dezember 2013, 07.50 Uhr
Vor allem der dritte Supplement-Band (in der Originalausgabe) ist übel, ganz übel. Wieland in den Fängen des orthodoxen Bodmer (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=5128): fromm und selbstgerecht...
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 16. Dezember 2013, 19.24 Uhr
Wieland XIV., S. 100 - immer noch Juvenilia, die die Welt nicht gebraucht hätte.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 17. Dezember 2013, 15.46 Uhr
Es wird dann - im 6. Supplementsband - noch einmal besser, wenn Wieland die Juvenilia hinter sich gelassen hat.  ;)
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 17. Dezember 2013, 20.32 Uhr
Wieland kämpft - gegen Ende des 18. Jahrhunderts - noch einmal den Kampf der Schweizer (Bodmer, der mit Wieland befreundet war, und Breitinger) gegen Gottsched um die Dominanz im Standardeutschen: Soll es der Südsächsisch-Meissnische Dialekt sein oder das Oberdeutsche (dem der Biberacher Wieland ja selber angehörte). Bekanntlich hat Gottsched als Dramentheoretiker gegen die Schweizer verloren, als Linguist gewonnen...
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 17. Dezember 2013, 20.35 Uhr
Und in seinen Miszellanien zur Literatur die - auch von Arno Schmidt wiederaufgenommene - Bemerkung zur Vokalharmonie bei Brockes, zur Tatsache, dass Brockes die Stille nach einem Gewitter beschreiben konnte, indem er 60 Alexandriner lang kein einziges 'r' verwendete.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: Gontscharow on 18. Dezember 2013, 12.55 Uhr

...dass Brockes die Stille nach einem Gewitter beschreiben konnte, indem er 60 Alexandriner lang kein einziges 'r' verwendete.

Schön! Wie heißt der Text? Würd ihn gerne lesen. Ich kenne nur das Gedicht vom blühenden Kirschbaum... auch schön.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 18. Dezember 2013, 20.19 Uhr
Gemäss Wieland im ersten Teil des Irdischen Vergnügens in Gott. Ich werde das demnächst - allerdings wohl nicht mehr dieses Jahr - auch lesen, in der Historisch-Kritischen Ausgabe. Dann kann ich Dir mehr sagen.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: Gontscharow on 19. Dezember 2013, 14.57 Uhr
Brockes Irdisches Vergnügen in Gott gibt es als "Volltext" (http://www.zeno.org/Literatur/M/Brockes,+Barthold+Heinrich/Gedichte/Irdisches+Vergn%C3%BCgen+in+Gott/Die+auf+ein+starckes+Ungewitter+erfolgte+Stille)  online zu lesen.
Nicht nur, dass die Ruhe vor und nach dem Gewitter im Gedicht Die auf ein starckes Ungewitter erfolgte Stille  durch absolute R-losigkeit „hörbar“gemacht wird, auf den Leser prasselt auch ein Gewitter von ch-, sch-, gr- und kr-Lauten ein, und das Gedicht endet in der unvermeidlichen zweizeiligen Lehre, die das Laute und die Stille noch mal onomatopoetisch hervorhebt:

Es ist die helle Sonn' ein Bild von Gottes Liebe,
So wie des Donners Grimm die Probe seiner Kraft


Brockes Irdisches Vergnügen in Gott (schon der Titel ist köstlich!) ist ja eine wahre Fundgrube für den Garten- und Lyrik-Liebhaber! Warum kennt man den kaum?

Brockes' Der weisse Rosen-Busch[/b] etwa:
...
Mein Gott, wie ward mein Hertz gerühret,
Da ich, im Schimmer, der ihn zieret,
Als wie am grünen Firmament,
(Woran der Rosen Heer, wie weisse Lichter, brennt)
Ein schimmernd Sternen-Heer zu sehen, glaubte.


Ist Eichendorffs wunderbares Gedicht: Es war als hätt’der Himmel die Erde still geküsst/
dass sie im Blütenschimmer von ihm nun träumen müsst
denkbar ohne Brockes Weißen Rosenbusch?

Oder: Ein alter umgeweheter Kirsch-Baum

Gerade ist ein Kirschbaum in meinem Garten vom Orkan Xaver umgenietet und noch nicht weggeräumt worden, da les ich das Gedicht.

Danke für die Anregung! Habe mir das Buch bestellt und werde es auf meine Winterreise mitnehmen.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 20. Dezember 2013, 21.34 Uhr
Um (mehr oder weniger) zu Wieland zurückzukommen: Die der Werkausgabe angehängte Biografie eines gewissen Gruber scheint mir recht wertlos zu sein. Lobhudelnde Schreibe von vor 200 Jahren... Das einzig positive, das der Autor aber zu wenig in den Vordergrund rückt, ist die Tatsache, dass er Wieland noch persönlich kannte ...
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 24. Dezember 2013, 15.09 Uhr
Mit Wieland bin ich fertig  ;D : http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=5171
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 26. Dezember 2013, 08.32 Uhr
Noch ein Nachschlag, zu dem ein eigener Thread nicht lohnt: Die der Greno-Ausgabe beigefügte Wieland-Biografie von J. G. Gruber (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=5186) ist m.M.n. schlicht unlesbar.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 01. August 2014, 19.07 Uhr
Bin grade ein bisschen enttäuscht. Da gab es mal in Biberach die Möglichkeit, Wielands Wohnhaus in der Stadt zu besichtigen - wenigstens teilweise, wenn ich mich recht erinnere. Offenbar hat man das Haus nun an Private verkauft und die musealen Anlagen ganz auf Wielands Haus vor der Stadt konzentriert. Wo wichtig ist der Stadt also ihr berühmtestes Kind...
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 02. August 2014, 18.08 Uhr
Wider Erwarten hatte ich etwas Zeit und habe deshalb ein paar Worte dazu im Blog verloren: http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=5692
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 11. November 2014, 20.44 Uhr
Mit Wieland bin ich fertig  ;D : http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=5171

Ach nein; ich kann nicht von ihm lassen und habe heute noch die von Remtsmaa herausgegebenen 3 Bände "Schriften zur deutschen Sprache und Literatur" (Insel, 2005) begonnen. Schon das Vorwort von Remtsmaa ist sehr lesenswert.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 13. November 2014, 17.07 Uhr
Wieland ist ein ausgezeichneter und eleganter Fechter mit Worten. Er ist nicht Lessing, der mit seinem Doppelhänder in 3 Hieben eine ganze Armee versenkt, und dabei wirkt, als ob er ein ganz dünnes Florett führte. Er ist nicht Heine, der oft mit dem Fleischermesser auf den Gegner los geht, und 2 Pfund von seinem Herzen fordert. Er ist eher der, der dir mit seinem Stockdegen zuerst das Bein stellt, dann die Klinge zieht und dich damit ein ganz klein bisschen ritzt, gerade so, dass du es am nächsten Morgen noch beim Rasieren spürst...
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 20. November 2014, 17.44 Uhr
Der junge Wieland, in Zürich und dick befreundet mit Bodmer, singt allerdings von Zeit zu Zeit ein merkwürdig' Lied ...

Da war er wirklich noch fromm und aggressiv.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 22. November 2014, 07.43 Uhr
Meine Gedanken zu Band I der Schriften zur deutschen Sprache und Literatur habe ich mittlerweile im Blog (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=5934) abgelegt.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 23. November 2014, 18.52 Uhr
In Band II ist auch Wielands Denunziation Uzens. Schlimm, ganz schlimm...
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 24. November 2014, 21.00 Uhr
Aber dann wieder viel Schönes und Kluges. Und vor allem exzellent Geschriebenes. Wieland war ein Kultur-Journalist ersten Ranges.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 27. November 2014, 19.39 Uhr
Band II der Schriften zur deutschen Sprache und Literatur enthält v.a. - neben der Denunziation Uzens - die Literaturkritiken aus dem Teutschen Merkur bzw. einfach die Hinweise auf veröffentlichte Bücher, Dramen und Journale. Alle Namen der viert- und fünftrangigen Autoren, die man aus den Horen kennt, kommen wieder.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 16. Dezember 2014, 19.19 Uhr
Dritter und letzter Band. Wieland konnte es ja bekanntlich nicht lassen, im Teutschen Merkur den Beiträgen seiner Beiträger Fussnoten und Anmerkungen beizufügen. Einige sind in diesem Band. Ich glaube, ich hätte Wieland die Freundschaft gekündigt, wenn er die Meinung eines meiner Artikel so konterkariert hätte.
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 18. Dezember 2014, 19.36 Uhr
Nicolai hat durch eine Subskriptionswerbung Wieland dazu verleitet, eine Übersetzung aus dem Englischen zu kaufen: Johann Bunkel. Er findet sowohl Übersetzung wie Inhalt keineswegs der grossmundigen Ankündigung entsprechend, und macht das Buch im Teutschen Merkur fertig. Nicolai is not amused und versucht, zurück zu schlagen. Worauf Wieland ihm gleich noch eins auf den Deckel gibt...
Title: Re: C. M. Wieland
Post by: sandhofer on 27. Dezember 2014, 07.22 Uhr
Sodele: Weitere rund 2'000 Seiten Wieland gelesen und im Blog abgelegt (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=6006).