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Lektüren, Rezensionen => Gerade am Lesen ... => Topic started by: sandhofer on 08. Juni 2013, 19.28 Uhr
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Band I: Juvenilia und Kunstkritiken
Die Juvenilia sind, was Juvenilia halt so sind. Bei den Kunstkritiken fällt auf, dass Baudelaire zusehends von der rein beschreibenden zu einer klassifizierenden Kritik übergeht, d.h., zuerst (z.B.) Romantik definiert, bevor er einen Maler kritisiert. Daneben Gedichte, die eindeutig von Lautréamont beeinflusst sind, und eine Theorie des Lachens, in deren Mittelpunkt E.T.A. Hoffmann steht - und Melmoth, der Wanderer von Maturin.
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Band I: Juvenilia und Kunstkritiken
Die Juvenilia sind, was Juvenilia halt so sind. Bei den Kunstkritiken fällt auf, dass Baudelaire zusehends von der rein beschreibenden zu einer klassifizierenden Kritik übergeht, d.h., zuerst (z.B.) Romantik definiert, bevor er einen Maler kritisiert. Daneben Gedichte, die eindeutig von Lautréamont beeinflusst sind, und eine Theorie des Lachens, in deren Mittelpunkt E.T.A. Hoffmann steht - und Melmoth, der Wanderer von Maturin.
Vielen Dank für die ausführliche Zusammenfassung im Blog, die einen mir bislang unbekannten Teil des Baudelaire-Werks vorstellt. Besitzt Du eine Gesamtausgabe, und wenn ja: welche?
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Besitzt Du eine Gesamtausgabe, und wenn ja: welche?
Genaues Lesen erspart viele Fragen ... Es ist die (leider sehr kostspielige) Hanser-Ausgabe, gell?
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Genaues Lesen erspart viele Fragen ... Es ist die (leider sehr kostspielige) Hanser-Ausgabe, gell?
Ja. Ich habe sie - durch Zufall - recht günstig antiquarisch erhalten.
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Genaues Lesen erspart viele Fragen ... Es ist die (leider sehr kostspielige) Hanser-Ausgabe, gell?
Ja. Ich habe sie - durch Zufall - recht günstig antiquarisch erhalten.
Aber nur, weil ich sie nicht wollte. ;)
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Sach ja: Zufall ... ;D
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Band 2
Die Briefe sind v.a. Bettelbriefe Baudelaires an seine Mutter und an seinen Vormund. Schlimmer noch als Schiller macht sich Baudelaire regelmässig was vor, was seine schriftstellerischen Pläne und die daraus resultierenden Einkünfte betrifft. Was er nicht alles veröffentlichen will - und wie wenig davon wirklich veröffentlicht wurde ... Und dann muss er halt wieder bei Mama betteln gehen. Und immer wieder tönt er an, dass er nach gerade dieser einen, quasi letzten Finanzspritze aus dem Gröbsten heraus ist und dann schuldenfrei leben oder wenigstens seine Schulden aus eigener Kraft abtragen könne ...
Ich denke, dass Baudelaire sich selber glaubte. Offenbar als einziger.
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Der zweite Band zeigt Baudelaire als einen, der seine Position sucht. Sowohl die Romantik wie die Klassik (bzw. den Klassizismus) verschmäht er. Das Wort für ihn ist "Sur-" oder "Supranaturalismus". Den Begriff hat er von Heine (den aber im übrigen nicht mochte), beeinflusst ist er aber offenbar eher von Lavater oder Swedenborg bei der Kristallisation dessen, was der Begriff beinhalten soll. Und von Poe - die Essays des Franzosen über den Amerikaner folgen nun als nächstes.
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Poe war für Baudelaire wohl vor allem das Spiegelbild seiner selbst. (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=4936)
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Ein Versuch über Baudelaires Hauptwerk - jetzt im Blog (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=4983).
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Ein Versuch über Baudelaires Hauptwerk - jetzt im Blog (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=4983).
Sehr schön, volle Zustimmung zu Sätzen wie "... was als Baudelaires Vermächtnis bleibt, ist die einzigartige Kombination von klassischer, formaler Strenge und inhaltlicher Freizügigkeit." Was die Wegbereiterschaft des Symbolismus betrifft, stimme ich Dir ebenfalls zu, obwohl ich auch Flaubert verstehe, der in den Fleurs eine Verjüngung der Romantik sah.
Eigentlich ist Baudelaires Hauptwerk eine Leserunde wert. Wer hat Lust?
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Eigentlich ist Baudelaires Hauptwerk eine Leserunde wert. Wer hat Lust?
Einerseits ja. Andererseits ist Lyrik praktisch nur in der Originalsprache lesbar. Band 4 der Werke/Briefe bringt Beispiele von verschiedenen Gedichten / verschiedenen Übersetzern. Am besten scheint mir Stefan George gelungen - aber das ist meist wirklich nicht mehr Baudelaire, sondern George, den wir hören. Andere Übersetzungen wirken immer mehr oder weniger schwerfällig. Selbst Rilke. Weniger Benjamin...
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Band 4 (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=5018) mit den Materialien zu Band 3, Les Fleurs du Mal, ist bedeutend interessanter als es so Materialienbände sonst zu sein pflegen. V.a. zum Thema "Zensur" lassen sich anhand dieses Bandes so einige Überlegungen anstellen. ;)
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Der 5. Band (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=5044)bietet m.M.n. interessante Ansätze zu literatur- und kunsthistorischen Überlegungen, in der Art und Weise, wie sich Baudelaire selber in der zeitgenössischen Kunst verortet und wie er diese zeitgenössische Kunst rezipiert.
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Der 5. Band (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=5044)bietet m.M.n. interessante Ansätze zu literatur- und kunsthistorischen Überlegungen, in der Art und Weise, wie sich Baudelaire selber in der zeitgenössischen Kunst verortet und wie er diese zeitgenössische Kunst rezipiert.
Interessant, was Du dort über Baudelaire und die französische Romantik (in Abgrenzung zu deutschen und englischen) schreibst! Darüber würde ich gern mehr erfahren. Hast Du diesbezüglich einen Tipp?
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Hast Du diesbezüglich einen Tipp?
Da fragst Du mich was. Ich lese seit Jahren keine richtige Sekundärliteratur mehr. Nur die Vor- und Nachworte meiner Ausgaben. Einiges habe ich mir sicher über das Nachwort zur Baulaire-Ausgabe angeeignet. Dann war da mal eine Wordsworth-Edition ...
Und manchmal zähle ich selber 1 + 1 zusammen. (Nicht immer erhalte ich dabei 2...) :yodel:
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Les paradis artificiels (Die künstlichen Paradiese)
Ein Essay über den Konsum von Haschisch + einer über den Opium-Genuss. Die Assassinen dürfen natürlich nicht fehlen beim Haschisch. Beim Opium ist Baudelaires Leitstern natürlich Thomas de Quincey - Confessions of an English Opium-Eater, das Baudelaire ins Französische übersetzt hat. (Von de Quincey geht's natürlich nahtlos zum Romantiker Wordsworth ;) .)
Aber was Baudelaire uns sagen will, ist mir noch nicht klar...
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Auf Band 6 hätte ich verzichten können, aber Werkausgaben bringen halt auch Dinge, die der eine für weniger wichtig hält. Es mag andere geben, denen die Paradis artificiels (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=5083) sehr gefallen...
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Band 7 ist wieder ein Potpourri. Fast hätte ich in Armes Belgien! Baudelaires absolut ungewöhnliche, weil positive Einschätzung des Rokoko und Barock in der Architektur überlesen, vor lauter hirnlosem Geschimpfe über die Belgier...
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Band 7 im Blog. (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=5106)
Die Horen müssen warten, ich komme erst langsam wieder in eine Form, die mir erlaubt, Schiller zu lesen. :angel:
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Ich sehe gerade, dass ich die Lektüre von Band 8 hier gar nicht vermeldet habe. Nun denn, mittlerweile ist sie abgeschlossen und im Blog ebenfalls schon vermeldet (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=5167).