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Lektüren, Rezensionen => Gerade am Lesen ... => Topic started by: sandhofer on 07. August 2012, 20.44 Uhr
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Hallo zusammen!
Ich bin gerade in Band 3 von Mercks Gesammelten Schriften. Eine faszinierende Gestalt, dieser Johann Heinrich Merck. Ausser vielleicht in Musik kennt er sich in praktisch allem aus. Seine Rezensionen im Teutschen Merkur sind in vielen Fällen vom feinsten - besonders die Verrisse. Merck war mit Goethe befreundet, später auch mit Wieland. Schade, ist er heute ein bisschen vergessen gegangen. Er kann rezensieren, wenn er auch als Dichter weniger gut sein mag. Aber das kritische Fach liegt ihm.
Grüsse
sandhofer
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Mittlerweile in seinem Briefwechsel. Selten etwas Spannenderes gelesen. Merck korrespondierte mit Gott und der Welt. Und er hat immer etwas zu sagen. Nicht immer auf dem Niveau des Briefwechsels Goethe - Schiller. Aber zumindest auf dem desjenigen zwischen Goethe und Zelter.
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Ich lese ja nun auch viel, aber Dir komme ich einfach nicht hinterher.... :'(
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Oh ... ich hatte eine Woche Ferien. Jetzt ist wieder fertig. :angel:
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Im dritten Band wird Merck zusehends depressiver. Seine Beschäftigung mit Paläontologie nimmt zu. Ich habe aber zwischendurch mich mit dem Tiefurter Journal beschäftigt. Auch sehr interessant, diese Mischung aus Profis und Dilettanten, die da ein kleines Journal herausgeben.
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Es geht ihm wieder etwas besser. Zwar hat er gerade einen herben Verlust hinnehmen müssen, indem ihm sein drittältester Sohn gestorben ist, der mittlerweile der älteste war, weil die beiden älteren Brüder schon vor längerer Zeit gestorben sind. Diabetes. Merck vertieft sich in die Paläontologie, sammelt antediluvianische Knochen, zeichnet und bestimmt sie. Im Gegensatz zu Goethe will ihm aber ein grosser entdeckerischer Wurf offenbar nicht gelingen. Kein Zwischenkieferknochen - auch die Erkenntnis, dass seine "Krokodile" Saurier gewesen sein könnten, kommt ihm nicht.
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Merck beginnt eine Baumwollspinnerei, mit Kinderarbeit. Für jene Zeit ist weder das eine noch das andere ungewöhnlich. Aber auch Pestalozzi ist ungefähr zur selben Zeit damit auf die Nase gefallen ... ::)
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Die Spinnerei ging dann gestern Abend noch Konkurs. Merck verfällt immer tiefer in eine Depression (was man damals als Hypochondrie diagnostizierte). Zwar kann Goethe im Eiltempo den Herzog Carl August aufbieten für eine Art Garantie und Willemer übernimmt die Schuld, so, dass Mercks tatsächlicher Verlust sich in Grenzen hält und er nicht, wie er eine Zeitlang erwartete, Haus und bürgerliche Ehre verliert. Aber gebrochen ist sein Elan nun offenbar definitiv.
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Hallo sandhofer,
wenn ich die Eindrücke verdichte, die durch Deine Postings hier im Forum und "drüben" im Blog entstehen, dann hat Merck durchaus das Potenzial, auch ohne den Goethe-Dunstkreis eigenständig zu "überleben". Von anderen Herren (z.B. Meyer, Knebel, Zelter und Riemer) kann man das eher nicht behaupten. An sie erinnert man sich ausschließlich als Goethe-Vertraute. Ich habe die Merck-Biografie von Ulrike Leuschner mal auf meine Beschaffungsliste gesetzt. Vielen Dank für die zahlreichen Hinweise auf diesen interessanten Denker!
Tom
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Hallo!
Durchaus, ja. Wobei das Merkwürdige ist: Merck war sowohl als Kunstkritiker wie Naturwissenschafter besser und begabter als Goethe - aber genau dies wurde ihm zum Verhängnis, weil er z.B. in den Naturwissenschaften via Soemmerring und Camper zu stark in die herrschenden Schulen eingebunden war. Goethes Unabhängigkeit hat ihn zwar zu Lebzeiten nur Blamagen ernten lassen, und seine vehemente Attacke auf Newton zeigt, wie wenig Goethe von Naturwissenschaften verstand (sein Umfeld verstand noch weniger davon). Aber seine Unabhängigkeit erlaubte ihm auch, den Zwischenkieferknochen zu sehen, den Soemmerring und Camper leugneten. Und den auch Merck in deren Gefolge leugnete. Merck war letzten Endes nicht gut genug, um eigenständig etwas zu leisten, auch wenn er gut genug war, um mit den Grössen der Zunft auf Augenhöhe zu diskutieren.
Grüsse
sandhofer
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Gut. Band 4 ist beendet. Wie immer bei solchen Briefwechseln - ein abruptes Ende. Auch hat man den letzten Briefen Mercks eigentlich recht wenig angemerkt von dessen Depression. Aber ich vermute mal, als er so richtig tief darin steckte, hat er gar nicht mehr geschrieben ...
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Der 5. Band (Anhang) bringt offenbar auch noch eine kleine Biografie Mercks. Muss ich gleich lesen gehen ... :hi:
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Es handelt sich um eine Biografie nach Korrespondenzpartnern geordnet. Sehr interessant, weil der Briefwechsel ja "einfach" chronologisch geordnet ist, und nun quasi die Puzzle-Teile zusammengestellt werden.
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Hallo zusammen!
Nach rund einem Jahr ist jetzt Band 4 der Gesammelten Schriften erschienen. Er behandelt ausschliesslich das Jahr 1778. Nicht ganz 200 Seiten Text und etwas über 400 Seiten Kommentar >:D . Der Konflikt zwischen Lavater, Wieland (bzw. dem Teutschen Merkur) und Lichtenberg fällt in diese Zeit. Und da Merck 1778 fast ausschliesslich im Teutschen Merkur veröffentlicht, ist er natürlich daran interessiert, dass der Konflikt nicht eskaliert, denn Lichtenbergs scharfe Zunge hätte den jungen Merkur umbringen können. Lenz' Artikel über die Physiognomie im Merkur hat den Göttinger Professor wirklich gereizt. Aber Merck kriegte das hin.
Jetzt bin ich aber schon in der Geschichte des Herrn Oheim, Mercks grösstem, um nicht zu sagen einzigen dichterischen Werk. Der erste Teil hat mich nicht vom Hocker gehauen. Brav, aber eben nicht umwerfend. Ein bisschen Nationalökonomie in Literatur verpackt...
Grüsse
sandhofer
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Merck als Kunstkritiker: Er kann ein Bild besser und plastischer beschreiben als der Kunscht-Meyer. Schade, dass Merck zum Zeitpunkt des Erscheinens der Horen bereits den Löffel freiwillig zurückgegeben hatte. Andererseits: Er war ein Mann des Teutschen Merkur. Ob Schiller ihn überhaupt angefragt hätte?
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Ich bewundere ja schon die Art und Weise, wie Merck den sich anbahnenden Konflikt zwischen Wieland und Lichtenberg elegant entschärft hat. Wenn Merck immer so gut gewesen wäre im Umgang mit den Leuten ...
Johann Heinrich Merck: Gesammelte Schriften. Band 4: 1778 (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=5102)
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Habe ich schon gesagt, dass ein weiterer Band der Gesammelten Schriften erschienen ist? Sogar ein Doppelband: 8.1 und 8.2, mit Mercks Übersetzungen aus den 60ern. Den Band 8.1 habe ich schon fast verschlungen. Sowohl die übersetzten Autoren wie (und vor allem!) der ausgezeichnet beleuchtete geistesgeschichtliche Hintergrund machen ihn zu einem reinen Lesevergnügen. Der Blog-Beitrag (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=6221) wurde demgemäss auch zu einem ziemlichen Stück Arbeit...
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Band 8.2 ist ziemlich voluminös. Thomas Shaws Bericht über seine Reisen in der Levante, übersetzt von Merck. Heute vielleicht v.a. deshalb interessant, weil das Interesse des 18. Jahrhunderts am Exotischen die heutige Tourismus-Branche geboren hat...
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Sodele, den Teilband 8.2 habe ich nun auch im Blog (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=6287) darnieder gelegt...
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Nunmehro Band 5 (1779-1780) begonnen. Merck als Universalgelehrter. Bzw. als Universalkritiker...
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Merck verfasst Rezensionen über fast alles - ausser Belletristik.
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Die Vorstellung von Band 5 im Blog ist erledigt. Sie wurde wieder einmal etwas länger (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=7885).
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Im Zusammenhang mit diesem Band 5 bin ich angegangen worden, mehr von bzw. über die Göchhausen zu schreiben. Gibt es - ausser dem von mir 2012 bereits vorgestellten (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=846) Tagebuch ihrer Italienreise (zusammen mit der Herzoginmutter Anna Amalia) - noch mehr Texte von ihr? Oder allenfalls gute Bücher über sie?
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Hallo!
Die "Briefe einer Hofdame", die vor fast 100 Jahren erschienen sind.
Nachgeguckt - gibt sogar eine Neuauflage (https://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&url=search-alias%3Daps&field-keywords=Die+G%C3%B6chhausen+%3A+Briefe+einer+Hofdame+&rh=i%3Aaps%2Ck%3ADie+G%C3%B6chhausen+%3A+Briefe+einer+Hofdame+).
lg
orzifar
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Danke! Ist notiert. Muss nun allerdings bis nächstes Jahr warten.
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Muss nun allerdings bis nächstes Jahr warten.
Unterdessen bestellt. 8)
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Dafür lese ich zum ersten Mal seit ich weiss nicht wieviel Jahren genuine Sekundärliteratur zu Merck. Nämlich die Beiträge zu einem Symposium von 2002, das den Startschuss zur Brief- und zur darauf folgenen Werkausgabe bildete. Bis jetzt sogar nicht uninteressant.
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Zum ersten Mal also seit langem habe ich wieder einmal literaturwissenschaftliche Texte gelesen - nämlich die im vorher gehenden Beitrag erwähnte Sammlung von Referaten (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=7970), die 2002 in Darmstadt zu Johann Heinrich Merck an einem Kolloquium gehalten worden sind, das den Startschuss zur Edition des Merck'schen Briefwechsels darstellte.
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Die "Briefe einer Hofdame", die vor fast 100 Jahren erschienen sind.
Nachgeguckt - gibt sogar eine Neuauflage (https://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&url=search-alias%3Daps&field-keywords=Die+G%C3%B6chhausen+%3A+Briefe+einer+Hofdame+&rh=i%3Aaps%2Ck%3ADie+G%C3%B6chhausen+%3A+Briefe+einer+Hofdame+).
Gestern ist die Ausgabe von 1923 bei mir eingetroffen. Ist ein schmales Bändchen, und ich werde es wohl demnächst einschieben. (Meine Leseliste ist etwas kleiner, als Deine, orzifar ... ;D )
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Ich hatte völlig vergessen, meine Lektüre des 6. Bands der Gesammelten Werke hier anzukündigen. Je nun, meine Bemerkungen dazu sind jetzt im Blog (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=8928) zu finden.
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Scheint erst nächstes Jahr wieder einen Band zu geben ... :(
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Scheint erst nächstes Jahr wieder einen Band zu geben ... :(
Dem war dann so: Band 7 ist nunmehro auch "verbloggt" (https://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=10413).
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Ich überlege übrigens schon die längste Zeit, was der zwischendrin fehlende Band 2 als Inhalt haben sollte. Von den Jahreszahlen her besteht keine Lücke; mir ist auch kein grosser Text Mercks bekannt, der noch fehlen würde...
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Unterdessen herausgefunden: die "Frankfurter Gelehrte Anzeigen vom Jahr 1772". Ein interessanter Einblick in den jungen Sturm und Drang. Heute mal den Text-Band vorgestellt (https://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=11746), denn Band 2 ist ein Doppelband.
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Band 2.2 - den Kommentar - habe ich extra vorgestellt (https://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=11754), weil der Inhalt (die gelieferten Informationen über die Zeit und das Projekt) es lohnt, separat besprochen zu werden.