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Gemeinsam Lesen => Leserunden => Topic started by: orzifar on 22. April 2012, 20.16 Uhr
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Hallo!
Habe nun den King begonnen. Über die fast skurrile Verbindung zu Lovecraft (der ja auslösendes Moment für diese Lektüre war) habe ich schon geschrieben. Noch ein Satz des Vorwortes fiel mir auf: Dass King sich von der Realität meint deshalb distanzieren zu müssen, weil diese so prosaisch, langweilig, uninteressant sei. Hier muss man natürlich widersprechen: Dass ist eine Verkennung der Realität, die - ganz im Gegenteil - sehr viel abwechslungsreicher zu sein pflegt denn alle Mythen und Märchen zusammen. Und was denn eine solche phantastische Literatur betrifft: Sie bezieht all ihre Ideen immer nur aus der Realität, aus der meist wenig kreativen Kombination von realistischen Versatzstücken. H. Boschs Figuren sind nicht annähernd so kreativ wie die tatsächlich existierenden Lebewesen in all ihren Facetten, seine Fabelwesen sind im Vergleich mit dieser Wirklichkeit äußerst einfallslos (wie viel phantastischer sind Schnabeltier und Känguruh als die dargestellen Mensch-Tierwesen).
Die erste Geschichte eine Geschichte der Rache. Was aber sofort auffällt (und bei mir immer Kritik hervorruft) ist die schablonenhafte Darstellung der Charaktere. Dieser Grundschullehrer entspricht in all seinen Charakterzügen jenen Vorstellungen, mit denen ein solcher üblicherweise bedacht wird. Unsportlich, unscheinbar, durchschnittlich, oft ausgelacht wird hier der Rachefeldzug des typischen Verlierers dargestellt, mit dem sich der Normalbürger ganz wunderbar identifizieren kann. Dass es gegen Ende der Geschichte Überraschungen geben wird (d. h., dass diese Rache noch eine ganz spezielle Note bekommt) liegt auch schon jetzt auf der Hand (nach wenigen gelesenen Seiten), es wäre höchst überraschend, wenn es diese Überraschung nicht gäbe (die etwa darin bestehen könnte, dass sich der Grund für die Verfolgung des vermeintlichen Verbrechers als falsch herausstellt). Diese Berechenbarkeit, noch viel mehr aber die simplifizierende Beschreibung von Menschen (vielmehr Menschtypen) ist das, was mich bei solchen Büchern langweilt.
lg
orzifar
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Hallo!
Die erste Geschichte gelesen und - sie war noch weniger überraschend als erwartet. Und so geht es mir bisher wie bei vielen Horror- oder Kriminalgeschichten: Das konstituierende Element, das der Spannung, kann ich so gar nicht nachvollziehen, weil die Überraschungen (wenn den überhaupt) so kalkulierbar ausfallen. Ich habe im Anschluss einige Seiten im Camus gelesen und fand den Mythos von Sisyphos sehr viel packender (wenn auch nur teilweise aus inhaltlicher Sicht, aber darüber anderswo). Ich bin schon neugierig, wie es dir, mombour, mit den Erzählungen gehen wird.
lg
orzifar
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Hallo!
Die erste Geschichte gelesen und - sie war noch weniger überraschend als erwartet. Und so geht es mir bisher wie bei vielen Horror- oder Kriminalgeschichten
Horrorfilme sind ja auch recht langweilig, weil sie oft nach einem gewissen Schema F ablaufen. "Halloween" von John Carpenter geht ja noch, oder "Die Fliege" von Cronenberg, der alte Schwarzweißfilm "Nosferatu" ist auch gut. Bei Dracula schmunzele ich nur und finde das nicht grausig. Da meine Nichte nächsten Sonntag konfirmiert wird, schreibe ich für sie eine Horrorgeschichte (die jungen Mädels lesen ja so was, wenn sie nicht gerade im Fantasy versackt sind). Dem orzifar würden sich die Haare sträuben, wenn er mein Gezeile liest. ;D
Es liegt jetzt nur an der Post, wann der King eintrudelt.
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: Dass King sich von der Realität meint deshalb distanzieren zu müssen, weil diese so prosaisch, langweilig, uninteressant sei. Hier muss man natürlich widersprechen: Dass ist eine Verkennung der Realität, die - ganz im Gegenteil - sehr viel abwechslungsreicher zu sein pflegt denn alle Mythen und Märchen zusammen.
An dieser Stelle kann ich King auch nicht folgen. Es würde die Horrorliteratur enorm aufwerten, wenn sie sich auch auf die Realität beziehen würde, auf Gesellschaftskritik usw. Ich fände es gestochen langweilig, wenn Horrorliteratur sich nur im abstrusen Horrorfantasien verliert. Mal sehen, ich lese jetzt die erste Story.
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Hallo orzifar,
"Dolans Cadillac"
Tja, nun. Die Geschichte ist voraussehbar. Man braucht einen Rachegrund und eine spektakuläre Art und Weise des Mordens, schon hat man eine Horrorstory. Das Motiv hat King vielleicht von Edgar Allan Poe, bei Poe also auch ein verhasster Mensch beseitigt wird - eingemauert in einem Weinkeller. Ob bei Poe das Ende voraussehbar war, weiß ich nicht mehr, müsste ich nachlesen, aber Poes Art zu schreiben wird von Stephen King nicht ännähernd erreicht. King hätte zum Schluss seinen Protagonisten bissiger und zynischer und viel abartig gemeiner darstellen müssen, dann wäre aus der Geschichte noch etwas geworden. Das Ende des Verhassten ist überhaupt nicht gruselig geschrieben, dagegen doch Poe sehr viel mehr Saft für das Grausen entfaltet hat. In dieser Story fehlt einfach der Biss. Ohne diesen Biss wirkt sie recht lahm.
"Das Ende des ganzen Schlamassels"
Diese Geschichte hat mir gefallen. Es geht um einen Weltverbesserer, der den ganzen Schlamassel in der Welt, Krieg, Gewalt usw. beenden lassen will und hat in Südamerika ein besonderes Wasser entdeckt, was Menschen friedlicher macht. Übrigens ist dieser Bobby ein Frühbegabter auch noch. Die story ist sehr skuril und darum gefällt sie mir. King hatte hier einen verrückten Einfall. Bobby hat die Wirkung des Wassers an Wespen und Bienen ausprobiert und ist besessen, eine friedliche Welt zu schaffen. Doch leider hat die Sache einen Haken. Hier darf, wie in anderen Geschichten nur grob verraten werden, worum es geht. Die Story ist einfach zu gut, um sie hier weiter zu enthüllen. :)
Liebe Grüße
mombour
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Hallo,
ja, erinnert stark an Poe (ich glaube, es war das "Fass Amontillado"). Und es besteht ein wichtiger Unterschied: Ob man nämlich der erste ist, der ein bestimmtes Motiv benutzt oder aber den xten Aufguss davon fabriziert. Ich glaube, dass ich recht langsam lesen werde, bisher verlangt mich nicht eben nach mehr (aber ich habe die Hoffnung, dass die Geschichten besser werden).
Meine Hauptkritik richtet sich aber nach wie vor auf die einfach gestrickten Personen: Das Spannungsmoment ist nur ein Akzidens, die Stimmigkeit der Situation inklusive der Protagonisten scheint mir wichtiger. Ein wenig kurios, weil King im Vorwort die Realität der Langeweile bezichtigt: Seine Figuren sind sehr viel langweiliger als es die wirklichen Menschen je sein könnten.
lg
orzifar
p. s.: So nebenbei: Hast du, mombour, den Heidegger aufgegeben? Ich wollte dir - Gesamtlektüre von "Sein und Zeit" vorausgesetzt - schon den großen Masochistenorden am Band mit Eichenlaub verleihen.
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p. s.: So nebenbei: Hast du, mombour, den Heidegger aufgegeben? Ich wollte dir - Gesamtlektüre von "Sein und Zeit" vorausgesetzt - schon den großen Masochistenorden am Band mit Eichenlaub verleihen.
Was Heigegger da schreibt, ist schon sehr interessant und an sich wert, das zu studieren. Bloß, da gebe ich dir recht, ich habe mich masochistisch maßlos geschunden wegen der Ungenießbarkeit seiner Art zu Schreiben Fast die Hälfte habe ich geschafft, dann habe ich irgendwie den Faden verloren und wollte mich nicht mehr quälen (allerdings, bei anderen Philosophien könnte mir das auch passieren). Den Nietzsche mag ich, weil ich den lesen kann.
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Ich lese weiter, weil ich so schön drin bin.
Es folgen zwei Geschichten, durch die man sich durchhangeln muss. Schüler rächen sich an einer Lehrerin, ein Vampir, der mit einem Flugzeug fliegen kann, der Vampir auf verschiedenen Flufhäfen ein Blutbad anrichtet. Die beiden Stories sind gute Beispiele dafür, wie hohl Horrorliteratur sein kann, und es ist schade, dass man bei Stephen King auch solch unwürdige Texte findet. Dierser Vampir - niemand weiß, warum der überhaupt mordet, warum die Geschichte in einem Blutbad endet. Vor allem, warum eigentlich auf einem Flughafen? Diese Abschlachterei hätte genauso auf einer Ötztaler Alpenhütte oder auf den Malediven stattfinden können. Völlig sinnlos das ganze. Das einzige, was vielleicht etwas Sinn macht, ist, dass ein Reporter sensationelle Fotos für seine Zeitung schießen möchte, der Vampir aber fordert, er solle den Film aus der Kamera nehmen. Soll das dann eine Geschichte gegen Sensationslüsternheit eines billigen Blattes ( in Deutschland waäre es die BILD) werden? Na, ja, ich fand es zu schwach. Das eine, was man King hier noch zu gute halten mag, er kann sehr gut detailliert schildern, aber trotzdem, die Geschichte hat zu wenig Sinn. Warum sich monsterhafte Schüler an einer Lehrerin rächen, sodass sie verrückt wird, ist auch so eine seltsam flache Horrorgeschichte Kategorie Sinnlosigkeit.
Popsy
hat man diese beiden Stories endlich bewerkstelligt, wird man, so meine ich, doch wieder belohnt mit einer kürzeren wunderbaren Geschichte einer Kindesentführung. Das interessante an dieser Geschichte, der Leser erfährt nicht, was das Kind letzten Endes zu erwarten hat. Er muss den Jungen an einem großeren Bösewicht abgeben, bei dem der kleine Bösewicht, der Sheridan heißt, der das Kind vor einem Supermarkt aufgabelt, Schulden hat. Der Schluss der Story ist absulut überraschend und unvorhersehbar. Das ist auch ein Grund, warum sie mir gefallen hat.
Wenn ich so manchen Rezensionen im Internet Glauben schenken darf, ist dieser Erzählband nicht Kings bester Band. Es scheint also noch viel schönere Geschichten zu geben.
Liebe Grüße
mombour
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Ich lese weiter, weil ich so schön drin bin.
Hm, ich komm nicht rein ;). Aber ich werde natürlich trotzdem brav weiterlesen. Allerdings hat mir Steinbecks Ölsardinenstraße zwischendurch gutgetan. Und nun Lovecraft nebenher, der denn als unbewegter Beweger dieses Threads angesehen werden kann.
lg
orzifar
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Hallo!
So, zwei weitere Geschichten gelesen. Ich fand beide nicht wirklich prickelnd, weder den Welterlöser (Waco liegt im übrigen in Texas und gehört m. W. zu den waffenreichsten und gewalttätigsten Orten, nicht ganz zufällig von King gewählt) noch die psychisch überforderte Lehrerin mit Hang zur Massenmörderin. Störend: Sowohl der hochbegabte Junge als auch die alternde Jungfer sind lebende Klischees - und hier scheidet sich eben der Spreu vom Weizen. Da ich gerade parallel Lovecraft lese, wird mir drastisch der Unterschied zwischen gutem und schlechten Horror vor Augen geführt: Lovecraft erzählt seine Geschichten, bettet sie ein in einen größeren Zusammenhang, beschreibt plastische, faszinierende Figuren, während man bei King bloße Abziehbilder erhält.
Was die Meinung anderer zu Kings Buch betrifft bin ich besonders skeptisch (bzw. gehe von der Annahme aus, dass diese für mich weitgehend belanglos ist): Da ich mit Sicherheit auf gänzlich andere Dinge achte den der übliche King-Leser. Während mir z. B. die Idee zu "Todesmarsch" sehr gut gefallen hat, ist sie in der Kritik der Leser z. T. einem seltsamen Realismus zum Opfer gefallen (der falsch und dumm ist). Insofern ist das Urteil "mittelmäßig" für mich wenig aussagekräftig (wobei ich auch schon Begeisterndes über das Buch gelesen habe). Für mich fehlt ganz einfach das Überraschungsmoment, die sorgfältige Ausgestaltung: Weshalb ich Lovecraft mit Sicherheit vorher auslesen werde (der macht das schon richtig gut).
lg
orzifar
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Hallo
Wenn ich kurz darf:
Weshalb ich Lovecraft mit Sicherheit vorher auslesen werde (der macht das schon richtig gut).
Mit dem Fall Charles Dexter Ward liest Du wohl auch seinen besten Text. :hi:
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Hallo,
Lovecraft ist gut, klar, allerdings wiederholen sich die Motive zu sehr.
Klapperzähne
Hogan ist unterwegs mit seinem Auto und will nach Hause fahren. Er macht einen Stop in Scooter's Lebensmittelladen & Zoo. Hierg ibt es alle möglichen Kleinigkeiten und Scherzartikel zu kaufen. Es ist sehr schön wie Stephen King die Atmosphäre dieses Landes zu Herumgruschen eingefangen hat. Schon der erste Satz ist fantastisch:
Als er in den Schaukasten sah, war ihm zumute, als sähe er durch eine schmutzige Glasscheibe ins mittlere Drittel seiner Kindheit, die Jahre zwischen sieben und vierzehn, als ihn solche Sachen fasziniert hatten.
Hogan kauft Klapperzähne. Das sind Zähne, die man aufziehen kann und dann beißen sie. Er will es seinem Sohn schenken, obwohl dieses Spielzeug nicht mehr richtig funktioniert. Er fährt weiter, trotz bedenken nimmt er einen Jungen, einen Anhalter mit. Mit Anhaltern hat er schon schlechte Erfahrungen gemacht, er saß auch schon in einem Flugzeug, welches abgestürzt ist. Dieser Junge bringt Hogan wieder in Gefahr auf Leben und Tod. Eine sehr gute Story. Wunderbar. Stephen King kann erzählen, wenn er mag.
Die Story „Es wächst einem über den Kopf“ beginnt mit einer herrrlichen Beschreibung des Herbstes in Neuengland und fängt dann wiede die Atmosphäre eines Ladens ein, in dem sich Männer unterhalten.
Stephen King hat ohne Zweifel erzählerisches Talent, und es wurde mal Zeit, dass er in dieses Forum gelandet ist. Die fahrlässige Unterschätzung, ach, ist ja bloß Horrorliteratur, ist eben eine grobfahrlässige Unterschätzung gewesen, der ich erlegen war.
Liebe Grüße
mombour
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Hallo Horrorleser!
Weshalb ich Lovecraft mit Sicherheit vorher auslesen werde (der macht das schon richtig gut).
Mit dem Fall Charles Dexter Ward liest Du wohl auch seinen besten Text. :hi:
Schade, ich dachte, ich könnte mich noch auf einiges in dieser Art freuen.
Lovecraft ist gut, klar, allerdings wiederholen sich die Motive zu sehr.
Kann ich nicht beurteilen, da dies mein erster Lovecraft ist. Der aber steckt den King ganz locker in die Tasche - in jeder Hinsicht.
lg
orzifar
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Hallo!
Weshalb ich Lovecraft mit Sicherheit vorher auslesen werde (der macht das schon richtig gut).
Mit dem Fall Charles Dexter Ward liest Du wohl auch seinen besten Text. :hi:
Schade, ich dachte, ich könnte mich noch auf einiges in dieser Art freuen.
Nun ja, in der Länge hat Lovecraft ja eh praktisch nichts geschrieben. Es gibt schon noch ein paar gute Texte von ihm: The Dream-Quest of Unknown Kadath / The Rats in the Walls / Pickman's Model / The Colour out of Space / The Dunwich Horror / The Shadow over Innsmouth / The Thing on the Doorstep gehören meiner Meinung nach zu den besten. Aber viele sind halt so kurz, dass er kaum dazu kommt, Charaktere zu entwickeln, sondern "nur" Situationen. :hi:
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Hallo!
Nun also zwei Vampirgeschichten, die richtig schlecht sind. @mombour: Was war das Überraschende an Popsy? Der kleine Vampirjunge wird von seinem Vampirgroßpapa befreit - was nun wirklich nicht überraschend war, und wenn die Vampirfamilie nicht gestorben ist, so trinkt sie heute noch. Also die Geschichte fand ich richtig übel und einfallslos, ebenso die vorhergehende, in der einfach nur Köpfe abgerissen werden und haufenweise Leichen herumliegen. Wenn ich bei den manchmal erfundenen Gutenachtgeschichten für meinen Kleinen nicht kreativer wäre, müsste ich mit entschiedenem Protest rechnen.
Gerade diese beiden Geschichten (die für mich schlechtesten) sind jene Art von Horror, die mir einzig Gähnen entlocken (vielleicht also doch Einschlafgeschichten). Vorhersehbares Gemetzel, einige drastische Schilderungen, viel Blut. Kein Einfall, keine Handlung im Hintergrund, einfach nur reißerisch. Für mich so spannend wie die Teletubbies.
lg
orzifar
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Hallo!
Zwei weitere Geschichten, wobei mich "Es wächst einem über den Kopf" unverständnisvoll staundend zurückgelassen hat. Ich habe überhaupt nicht begriffen, worin die Pointe der Geschichte bestand, mit welcher Absicht das alles erzählt wurde - einfach rätselhaft. Hast du, mombour, den Sinn des Ganzen verstanden? ???
Die "Klapperzähne" vermitteln, wie der Titel schon andeutet, die moderne Form eines animistischen Weltbildes. Auch nichts wirklich Besonderes (Killerkuschelteddys sind ein beliebtes Hollywoodthema), aber immerhin konnte ich der Geschichte folgen. Allerdings habe ich meine Ansprüche mittlerweile stark zurückgeschraubt und nebenher festgestellt, dass ich selbst Marcuse mit mehr innerer Spannung lese als King. Wie erwähnt: So langweilig hatte ich seine Romane nicht in Erinnerung (mittlerweile hat mein Gedächtnis vermeldet, dass ich auch "The green mile" gelesen habe - mit mehr Vergnügen als diese Geschichten).
lg
orzifar
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Hallo orzifar,
was ich an Popsy interessant fand, habe ich eigentlich schon geschrieben. Der Leser weiß nicht, was der Gauner mit den Kindern anstellen will, und der Schluss eben, wie das Kind gerettet wurde, war für mich nicht voraussehbar. Insofern gerne geschmökert.
"Es wächst einem über den Kopf". Die Geschichte ist nicht hundertprozentig einzuordnen, aber weitgehend schon. Sie folgt einem bestimmten Programm, nämlich den Untergang eines Unternehmens, der Untergang der gesamten Ortschaft wird angedeutet. Es geht auch um das Böse (Cora).
Jo Newall, wohlhabend und sehr reich baut für sich ein großes Haus, welches nicht in das Stadtbild des Ortes passt. Er wirtschaftet auch mit seinen drei Fabriken. Das Gemeindeleben ist ihm schnurz, offenbar ist er eine Art Einzelgänger, der in das Leben des Ortes Castle Rock nicht hineinpasst. Mit seinem Reichtum fördert er keineswegs die Wirtschaft dieses Ortes. Darum macht er sich unbeliebt. Das alles auf Zerstörung und Vernichtung hinausläuft, wird schon im ersten Absatz der Geschichte angedeutet: Der Herbst in Neuengland. Ein wunderbarer Absatz. Sehr schön auch dieser Satz:
Kürbisse, faulig eingesunken, liegen aufgeschichtet am dämmerigen Schuppen und riechen wie der Atem kränkelnder alter Frauen.
Meiner geneigten Fantasie folgend assoziiere ich in dem Kürbis schon Cora, die in der Story sehr ungestaltet mit jugendverderblicher Erotik umschrieben wird:
Sie war ein Sandsack von einer Frau, mit unglaublich breiten Hüften, einem unglaublich dicken Hintern, aber dafür mit einer Brust, so flach wie die eines Knaben, und einem absurd dünnen Pfeifenreiniger von einem Hals, auf dem ihr übergroßer Kopf nickte wie eine seltsame bleiche Sonnenblume.
Solch eine Frauenbeschreibung in widerlicher Manier habe ich noch nie zuvor gelesen, King aber, natürlich sie bewusst so umschrieben hat (meine Assoziation zum Kürbis sind die Rundungen und der Kopf, der wie eine bleiche Sonnenblume aussieht). So eine Frau King natürlich ein missgestaltetes Kind gebären lässt. Alle sterben (Joe, Cora, das Kind). Nevalls Haus ist seit 11 Jahren völlig leer, doch inzwischen wird an Newalls Haus ein neuer Flügel angebaut und niemand weiß an sich, wer dafür verantwortlich ist (das "Böse"). Das Haus ist wie ein Fluch, die Cora selbst das sog. Böse, welche junge Knaben zu erotischen Fantasien lockt, sich jugendverderblich verhält. Ganz Castle Rock ist dem allmählichem Untergang geweiht.
Liebe Grüße
mombour
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Hallo mombour,
was ich an Popsy interessant fand, habe ich eigentlich schon geschrieben. Der Leser weiß nicht, was der Gauner mit den Kindern anstellen will, und der Schluss eben, wie das Kind gerettet wurde, war für mich nicht voraussehbar. Insofern gerne geschmökert.
Vielleicht war ich noch zu sehr in der vorigen Geschichte, aber mir war (nach dem der Kleine ihn gebissen hat) relativ klar, dass es sich mal wieder um einen Vampier handelt. Wozu die Kinder entführt werden, weiß man nicht genau (aber es spielt ja auch keine Rolle im vorliegenden Zusammenhang) - und dass es in diesem Fall schief gehen würde, lag auch auf der Hand. Aber ich erwarte wohl zu viel. (Wobei: Wenn ich an Hitchcock-Geschichten denke, sind die eigentlich samt und sonders irgendwie origineller. Oder meine Erinnerung trügt.)
"Es wächst einem über den Kopf". Die Geschichte ist nicht hundertprozentig einzuordnen, aber weitgehend schon. Sie folgt einem bestimmten Programm, nämlich den Untergang eines Unternehmens, der Untergang der gesamten Ortschaft wird angedeutet. Es geht auch um das Böse (Cora).
Jo Newall, wohlhabend und sehr reich baut für sich ein großes Haus, welches nicht in das Stadtbild des Ortes passt. Er wirtschaftet auch mit seinen drei Fabriken. Das Gemeindeleben ist ihm schnurz, offenbar ist er eine Art Einzelgänger, der in das Leben des Ortes Castle Rock nicht hineinpasst. Mit seinem Reichtum fördert er keineswegs die Wirtschaft dieses Ortes. Darum macht er sich unbeliebt. Das alles auf Zerstörung und Vernichtung hinausläuft, wird schon im ersten Absatz der Geschichte angedeutet: Der Herbst in Neuengland. Ein wunderbarer Absatz. Sehr schön auch dieser Satz:
...
So eine Frau King natürlich ein missgestaltetes Kind gebären lässt. Alle sterben (Joe, Cora, das Kind). Nevalls Haus ist seit 11 Jahren völlig leer, doch inzwischen wird an Newalls Haus ein neuer Flügel angebaut und niemand weiß an sich, wer dafür verantwortlich ist (das "Böse"). Das Haus ist wie ein Fluch, die Cora selbst das sog. Böse, welche junge Knaben zu erotischen Fantasien lockt, sich jugendverderblich verhält. Ganz Castle Rock ist dem allmählichem Untergang geweiht.
Ja, schon klar. Aber das Ganze ist doch ohne Zusammenhang. Eine Aneinanderreihung von Unglücksfällen, Monströsem, Perversem. Aber ohne Pointe. Schließlich stirbt am Schluss einer dieser alten sich erinnernden Typen, während er von der exhibitionistischen, leicht pädophilen und monströsen Frau träumt. Ich hätte mir wenigsten irgendein müdes Geheimnis erwartet, das die Stadt, das über den Kopf wachsende Haus oder die Vergangenheit birgt. Aber nix ...
Naja, ich hab zum Trost heute einen Stapel Lovecraft geholt ;).
lg
orzifar
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Hallo,
Mit der Geschichte "Zueignung" konnte ich nichts anfangen, aber "Der rasende Finger" hatte doch etwas von Gogols "Nase".
Aus dem Abflussrohr eines Waschbeckens ragt ein Finger. Das macht Howard zu schaffen. Erst denkt er, er könne einen Hirntumor haben, deswegen diese Halluzination, oder er sei einfach auf dem besten Wege verrückt zu werden. Nur er kann den Finger sehen, nicht seine Frau. Die Geschichte steigert sich hoch, dass es zwischen dem Finger und Howard zu einer Auaseinandersetzung kommt. Die geschichte finde ich großartig, weil Stephen King hier mit einer Metapher arbeitet ähnlich wie Gogol in seiner herrlichen Erzählung "Die Nase". Kings story von dem rasenden Finger handelt eigentlich nur von den inneren Ängsten des Protagonisten. Schießlich auch die Angst, er müsse zum Psychiater gehen, und seine Verwandschaft plappert sich darüber aus, was ihm natürlich äußerst unangenehm wäre. Diese Geschichte ist ein Glanzstück des Erzählbandes. Ängste können eben der reinste Horror sein.
Liebe Grüße
mombour
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Hallo!
Wir lesen nun wieder im Gleichschritt. Zueignung: Naja, entbehrliche Geschichte. Ein Zimmermädchen schluckt das vertrocknete Sperma eines Gastes (Schriftsteller) auf Anraten einer "Hexe", wodurch das Mädchen, das gerade schwanger ist (oder wird?), einen Jungen bekommt, der später auch Schriftsteller wird.
Der rasende Finger: Howell sieht einen Finger aus dem Waschbecken ragen, ein Finger, den offenbar nur er sehen kann, der ihn beobachtet, bedroht und der zu allem Überfluss auch noch zu wachsen beginnt. Der Mann wappnet sich mit Abflussreiniger und Heckenschere, es beginnt ein Gemetzel, das einen Nachbarn dazu veranlasst, die Polizei zu rufen. Diese findet Howell im blutverspritzten Badezimmer, wobei das Desaster unaufgeklärt bleibt: Seltsames Gurgeln unter dem Klodeckel, der Polizist will nachsehen, die Geschichte bricht ab.
Die Ängste eines zurückhaltenden Buchhalters mit enzyklopädischen Wissen (er kennt beinahe alle Antworten eines Quizspiels im TV), der sich dirigieren, bestimmen lässt (auch vom auftauchenden Finger). Das Ende wollte mir billig erscheinen: Nicht dass ich etwas gegen offene Enden hätte, aber hier schien mir King einfach nur einen Ausgang aus der Geschichte gesucht zu haben.
Nach wie vor habe ich den Eindruck, dass es King an Originalität mangelt, die Konstruktionen ähneln einander, der Aufbau der Spannungsmomente lehrbuchhaft (wobei ich auf wirkliche Spannung bislang vergeblich warte). Alles wird mehr oder weniger routiniert, dadurch irgendwie lieblos dargestellt, ein Gefühl, das ich in diesem Ausmaß bei seinen Romanen nicht hatte. Aber ich finde diese Leserunde gut, über solche kleinen Geschichten - wenn auch nur Zweizeiler - zu schreiben, bewirkt - zumindest bei mir - eine andere Herangehensweise. Schon dies ein Grund weiterzulesen.
lg
orzifar
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Nach wie vor habe ich den Eindruck, dass es King an Originalität mangelt, die Konstruktionen ähneln einander,
Typisch in Horrorfilmen ist, dass, wie in der Geschichte mit dem Finger, angedeutet wird, dass das Grauen weiter geht. Ein Motiv, welches wahrlich oft vorkommt. Bei Lovecraft hatte ich, auch wenn er posaisch ein guter Schreiber, nach etwa zehn Geschichten auch den Eindruck, Motive wiederholen sich. Immer dieses Grauen, was irgendwo seinen Ursprung hat, aber keiner weiß, wo. Davon denke ich, lebt auch der Horror. Es kommt eben bloß darauf an, wie originell ein Autor damit umgeht. Aber selbst bei Lovecraft, musste ich dann doch eine Lovecraft-Pause einlegen.
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Typisch in Horrorfilmen ist, dass, wie in der Geschichte mit dem Finger, angedeutet wird, dass das Grauen weiter geht. Ein Motiv, welches wahrlich oft vorkommt. Bei Lovecraft hatte ich, auch wenn er posaisch ein guter Schreiber, nach etwa zehn Geschichten auch den Eindruck, Motive wiederholen sich. Immer dieses Grauen, was irgendwo seinen Ursprung hat, aber keiner weiß, wo. Davon denke ich, lebt auch der Horror. Es kommt eben bloß darauf an, wie originell ein Autor damit umgeht. Aber selbst bei Lovecraft, musste ich dann doch eine Lovecraft-Pause einlegen.
Da kann ich dir nur zustimmen, da braucht es gar keine 10 Erzählungen. Selbst die Beschreibungen gleichen einander häufig bis in die Wortwahl, die Miasmen, alten Stadtviertel etc. Trotzdem: Lovecraft schreibt einfach besser, die Ideen (wenn auch sich ähnelnd) sind besser ausgearbeitet, verraten mehr schriftstellerische Sorgfalt. Bei King wirkt vieles aus diesen Geschichten wie die Umsetzung eines Volkshochschulkurses im Schreiben von Horror: Sehr vorhersehbar, ein wenig platt, sprachlich bescheiden. Was mich - wie ich schon erwähnte - insofern verwundert, als dass ich diesen Eindruck in seinen Romanen nicht immer hatte. Vielleicht bedarf es einer weiteren Leserunde ;).
Im Vorwort schrieb King, dass er versucht, nicht alle Ideen zu Geschichten werden zu lassen bzw. nur die besseren hier abzudrucken. Das klingt für mich wie eine nachträgliche Rechtfertigung, weil er vielleicht ahnte, dass es mit der Qualität der Erzählungen in diesem Band so weit her nicht ist. Was mich vor allem (negativ) überrascht: Es fehlen die originellen, überraschenden Wendungen (wie ich sie etwa bei Hitchcock oft gefunden habe).
Nach dem Lovecraft werde ich mir im übrigen einen Krimi vornehmen: "Roter April" von Santiago Roncagliolo. Irgendwer Lust zum Mitlesen?
lg
orzifar
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Was mich - wie ich schon erwähnte - insofern verwundert, als dass ich diesen Eindruck in seinen Romanen nicht immer hatte. Vielleicht bedarf es einer weiteren Leserunde ;).
Ich habe sowieso noch vor, etwas von Stephen King zu lesen und habe im Visier: "Brennen muss Salem", gilt angeblich schon als moderner Klassiker der Horrorliteratur.
In "Nachtschicht" hat King selbst seine besten Geschichten versammelt.
Grusel
mombour
PS: "ES" wurde gänzlich überarbeitet. Hat allerdings über 1500 Seiten. ;D
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... werde ich mir im übrigen einen Krimi vornehmen: "Roter April" von Santiago Roncagliolo. Irgendwer Lust zum Mitlesen?
Och nö. Warum wird hier eigentlich nur literarischer Schrott, Belangloses, völlig Abseitiges oder Ikonen wie Camus und Marcuse, von denen wir längst wissen, dass sie Staub angesetzt haben, als Lektüre vorgeschlagen? ;D Seid ihr von der Muse des stillen Örtchens geküsst?
Was ist eigentlich mit den Lektürevorschlägen zu Kant, Augustin und Thomas v. Aquin?? Da würde ich ( wie gesagt) jederzeit mitmachen.
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Hallo Gontscharow,
warum sollte ein italienischer Krimi unbedingt Schrott sein? Müsste ich ja erst mal lesen, um irgendetwas darüber zu sagen. Zu Krimis sage ich nur: Lies mal James Ellroy. Manche halten das für Hochliteratur, ist auch mit allmöglichen literarischen Raffinessen geschrieben. Ich las mal "White Jazz". Desweiteren halte ich Hakan Nesser: Kim Novak badete nie im See Genezareth für eine herrorragende Geschichte einer Jugend mit Krimieinschlag. Was Stephen King betrifft, was ich recherchiert habe und was auch von orzifar bestätigt wurde, er hat gute Literatur geschrieben, und eben auch belangloses. Hier gilt es zu unterscheiden. Die "Alpträume" gehören nicht zu seinen Glanzstücken. Davon abgesehen, ich habe gerade einen Roman vom Hochliteraten António Lobo Antunes ("Einen Stein werd ich lieben") rigoros abgebrochen, weil der Prosastil dieses Romans eine Zumutung ist. Unlesbar. Für mich jedenfalls.
Liebe Grüße
mombour
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Hallo Gontscharow,
warum sollte ein italienischer Krimi unbedingt Schrott sein? Müsste ich ja erst mal lesen, um irgendetwas darüber zu sagen.
Da hast du natürlich recht. ;) War auch eher etwas ironisch und provokant gemeint, um etwas über den Verbleib der „seriösen“ Literaturvorschläge herauszukitzeln.
Na schön, letzter Versuch. Der Anfang von Abril rojo klingt ja schon mal interessant:
Con fecha miercoles 8 de marzo de 2000 … Justino Mayta Carazo(31) encontro un cadaver.
Und man soll viel über peruanische Geschichte erfahren. Das wollte ich immer schon.
Meines Wissens ist der Roman in deutscher Übersetzung noch nicht erschienen. Liest du auf spanisch, orzifar?
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Was ist eigentlich mit den Lektürevorschlägen zu Kant, Augustin und Thomas v. Aquin?? Da würde ich ( wie gesagt) jederzeit mitmachen.
Jederzeit ist zwar übertrieben, aber der eine oder der andere Text von diesen Autoren wäre wohl interessant.
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Es folgen zwei Geschichten mit denen ich nichts anfangen konnte. Janis Joplin und andere früh verstorbene Musiker im Jenseits u.a.
Obwohl in der letzten Geschichte, "Hausentbindung", nicht klar wurde, warum Verstorbene als Zombies wieder auferstehen und herumwüten, hat mir diese story doch noch ein wenig gefallen, besonders der Humor, von dem ich hier eine Kostprobe gebe.
Die schwierigste Haushaltsentscheidung., die ihr in diesem Jahr abverlangt wurde, war die, welche Vorhänge im Wohnzimmer am besten aussehen würden - man konnte in dem Katalog aus so vielen auswählen, und ihre Mutter war ihr eindeutig keine Hilfe. Für Maddies Mutter was es schon schwierig sich zwischen verschiedenen Sorten Toilettenpapier zu entscheiden.
Kurzgefasste Meinung allgemein: Einige Geschichten haben mir gefallen, manche weniger und dann ein sinnloses Vampirgemetzel. Stephen King kann es noch besser, darum wird hier kein Schlussstrich gezogen.
FINE
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Kurzgefasste Meinung allgemein: Einige Geschichten haben mir gefallen, manche weniger und dann ein sinnloses Vampirgemetzel. Stephen King kann es noch besser, darum wird hier kein Schlussstrich gezogen.
FINE
Bist du schon mit dem ganzen Buch durch???? Ich habe erst wieder eine Geschichte gelesen (Turnschuhe), auch sie nichts besonderes. Der Geist eines Ermordeten spukt auf dem Klo einer Musikagentur, schließlich stellt sich der "nette" Typ, der der erzählenden Hauptfigur immer die Jobs verschafft, als Mörder heraus. *schulterzuck* - irgendwie gar nichts, einfallslos.
Ich habe jedenfalls noch 400 Seiten "Horror" vor mir.
lg
orzifar
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Obwohl in der letzten Geschichte, "Hausentbindung", nicht klar wurde, warum Verstorbene als Zombies wieder auferstehen und herumwüten, hat mir diese story doch noch ein wenig gefallen, besonders der Humor, von dem ich hier eine Kostprobe gebe.
...
FINE
War "Hausentbindung" die letzte Geschichte deines Buches? Bei mir folgen "Regenzeit", "Mein hübsches Pony" und rund 15 weitere Geschichten.
lg
orzifar
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Hallo orzifar,
ach stöhn, ich sehe gerade, der Heyne Verlag hat diese Erzählungen in zwei Bänden herausgegeben. Der zweite Band heißt "Abgrund". Allerdings, bei Hofmann und Campe gibt es alle Erzählungen in einem Band. Das sind 697 Seiten. Die habe ich geordert, weil absolut preiswert und hier mal wieder der sonst bei manchen ungeliebte amazon - marketplace mir doch wieder ein Schnäppchen beschert. Also, die folgenden Geschichten werde ich dann auch noch inhalieren. Wenn schon, dann lese ich alle. :)
Liebe Grüße
mArtin
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ach stöhn, ich sehe gerade, der Heyne Verlag hat diese Erzählungen in zwei Bänden herausgegeben. Der zweite Band heißt "Abgrund". Allerdings, bei Hofmann und Campe gibt es alle Erzählungen in einem Band. Das sind 697 Seiten. Die habe ich geordert, weil absolut preiswert und hier mal wieder der sonst bei manchen ungeliebte amazon - marketplace mir doch wieder ein Schnäppchen beschert. Also, die folgenden Geschichten werde ich dann auch noch inhalieren. Wenn schon, dann lese ich alle. :)
*jammer* - und ich hatte mich schon so über eine gute Ausrede gefreut, nicht weiterlesen zu müssen ;). Nein, passt, ich les auch alles. Obwohl das mittlerweile ein ziemlich saurer Apfel ist, in den wir da beißen. Wenigstens Geschichten, man kann immer von neuem hoffen.
lg
orzifar
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Hallo
mir passt es ganz gut, weil ich bei einer Wälzer - Challenge mitmache, in der das Buch mindestens 510 Seiten haben muss ;D. So etwas ist bei mir normalerweise kein Leseargument, aber bei Stephen King bin ich neugierig.
Liebe Grüße
mombour
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Was treibt Ihr da nächtens für absonderliche Dinge? Wälzer-Challenge?? ;D
Dabei ist doch Descartes-Challenge angesagt und zwar bei (Tages-)Licht .
(Scheeerz, keine Kritik, nicht persönlich) :angel:
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Was treibt Ihr da nächtens für absonderliche Dinge? Wälzer-Challenge?? ;D
Dabei ist doch Descartes-Challenge angesagt und zwar bei (Tages-)Licht .
(Scheeerz, keine Kritik, nicht persönlich) :angel:
Nein, Descartes ebenfalls bei Mondenschein. Und für die Wälzer-Challenge bin ich gerüstet mit Bd 5 der Recherche ;).
lg
orzifar
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Hallo!
Schön langsam erschöpft sich meine Geduld. In "Verdammt gute Band haben die hier" erreicht King einen neuen Tiefpunkt: Einfallslos, platt, dümmlich. Ein Paar verirrt sich mit dem Auto und kommt in den "Rock'n Roll Himmel", einer Ortschaft mit verstorbenen Popgrößen, in der sie auf immer und ewig den Konzerten zuhören müssen. Keine Spannung, keine Phantasie - nix. In Unkenntnis von Groschenromanen kann ich deren Qualität mit den Erzählungen Kings nicht vergleichen: Aber sie können kaum schlechter sein. Es ist wirklich erstaunlich (und nur durch den Namen Kings möglich), dass sich derlei geistloses Zeug verkaufen lässt. Jeder, der nur einen syntaktisch-grammatikalisch richtigen Satz zu schreiben versteht (wobei es noch Lektoren gibt) kann derlei verbrechen.
Dann eine weitere Zombie-Geschichte, "Hausentbindung". Auch hier wie bei den anderen: Absolut vorhersehbar, dadurch langweilig hoch drei, keine Pointe, interessante Idee - nichts. Erstaunlich ist dieses vollkommen überraschungsfreie Erzählen von Horror (sollte das nicht gerade in diesem Genre anders sein?).
Kann nur noch besser werden.
lg
orzifar
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Hallo orzifar,
Diese Rochmusik-Geschichte und der Zombie hat mir ja auch nichts geistvolles gebracht.
Regenzeit
Alle sieben Jahre fallen im Willow, Maine, Kröten vom Himmel und fallen über Touristen her. Alle sieben Jahre, so etwas wir Alle sieben Jahre "grüßt das Murmeltier". Warum dieses so ist, irgendein Ritual.....Darin einen Sinn zu suchen ist zwecklos, ist aber doch nett erzählt, und nicht solch ein Langweiler wie die o.g.
Es folgen drei Geschichten, die mir völlig durch den Wind gegangen sind und auch abgebrochen. Also, da bin ich jetzt hart, wenn es mir zu dumm wird. Die eine Story ist in Form eines Drehbuchs geschrieben, so etwas macht mir von der Form schon kein en Spaß zur Lektüre.
Dann folgt aber eine sehr gute Story. Das ist "Crouch End", ein Vorort von London, in dem völlig mysteriöse Dinge passieren. Menschen verschwinden, Angehörige werden verrückt. Eine Frau erzählt der Polizei die Geschichte, wie ihr Mann plötzlich verschwunden ist. Das steht in einer Akte ungeklärter Fälle. Das ist übrigens eine story nach dem CTHULHU - Mythos von Lovecraft. Die story ist teilweise surreal.
Liebe Grüße
mombour
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Hallo!
Zwei weitere Geschichten. "Regenzeit" handelt von einem Dorf, in dem es alle 7 Jahre fleischfressende Kröten regnet, die - wie die zu opfernden Jungfrauen bei mittelalterlichen Drachen - zumeist ein Pärchen, das zur Sommerfrische kommt, fressen. Völlig ohne Überraschungsmoment und langweilig hoch drei.
Dann "Mein hübsches Pony", keine Horrorgeschichte, sondern eine übers Altern. Und im Vergleich zu den Diskontthrillern zuvor eine Erholung, nichts Weltbewegendes, aber auch so schlecht nicht. Ein alter Mann philosophiert mit seinem Enkel über die Zeit, über die Vergänglichkeit, über das mit zunehmender Dauer immer schneller vergehende Leben. Nach den dämlichen Zombies und Monstern eine Erholung.
lg
orzifar
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Hallo!
Weiter im Text. Die Drehbuchgeschichte fand ich nun so übel nicht (wenigstens im Vergleich zu manch anderem), obschon sich mir nicht wirklich erschlossen hat, warum das Ganze als Drehbuch gestaltet wurde. Die Idee mit dieser Zeitschleife ist zwar nicht neu, aber auch nicht ganz so dümmlich wie die menschfressenden Kröten.
Besser auch die "10-Uhr-Leute", die wohl an Lovecraft erinnern soll (aber: Lovecraft für Arme). Fledermausähnliche Wesen schlüpfen in die Körper von Menschen, gesehen werden können sie nur von jenen, die gerade so im Begriff sind, das Rauchen aufzugeben (aufgrund einer vermuteten besonderen chemischen Disposition). Die "10-Uhr-Leute" (jene, die jede Pause für eine schnelle Zigarette nutzen), schließen sich gegen diese Invasion zusammen, werden verraten, aber einige entkommen und führen den Kampf gegen die Invasion weiter. - Immer wieder fällt es auf, dass sich King in diesen Geschichten um Erklärungen drückt, die Weiterführung zugunsten eines offenen Endes aufgibt, weshalb (bei mir) der Eindruck entsteht, dass es sich da jemand leicht machen wollte. Ein Einfall, schnell festgehalten, ein wenig ausgebaut, der sich aber dann doch nicht als tragfähig erweist, wird schließlich einfach abgebrochen und dieser Mangel zum offenen Ende umstilisiert.
lg
orzifar
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Mir ist die Drehbuchgeschichte nur gegen den Wind geschrieben, weil es eben als Drehbuch geschrieben ist. Manche Geschichten fangen mich auch nicht so ein, dass ich dann weiterlese, wie z.B. "Die 10-Uhr-Leute.
Manches ist auch einfach zu fantastisch, dass mir alles in den Kopf eingeht. So ist die Geschichte "Das Haus in der Maple Street" sehr schön erzählt, warum sich in den Wänden des Hauses Metall verbirgt, dass sich dann als eine Art Raumschiff Enterprise entpuppt, ist wahrlich faszinierend, aber auch hier fehlt die Logik. WARUM ist dort ein Raumschiff verborgen. Warscheinlich muss in Hoororliteratur grundsätzlich lLogik nicht allzu ernst genommen werden. Vielleicht liegt das am Genre. Das Raumschiff erfüllt aber seinen Zweck. Es verschwindet mit dem ungeliebten tyrannischen Stiefvater in den weiten des Kosmos. Praktisch. :)
Die Kriminalstory "Der Fall des Doktors", eine Sherlock Holmes-Story finde ich hervorragend in altehrwürdiger Krimiweise erzählt. "Kopf runter", eine Geschichte um den Baseball hat mich wegen der Thematik nicht interessiert. Der Band endet mit einer sympatischen Legende fern ab von jedem Grusel. In einigen Geschichten aus der zweiten Hälfte des Bandes zeigt sich sehr deutlich das schriftstellerische Talent des Autors.. Muss mal gesagt werden, weil wir auch oft gelästert haben.
Jetzt ist wirklich FINE.
Liebe Grüße
mombour
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Hallo!
Nun habe ich das Buch auch beendet.
In einigen Geschichten aus der zweiten Hälfte des Bandes zeigt sich sehr deutlich das schriftstellerische Talent des Autors.. Muss mal gesagt werden, weil wir auch oft gelästert haben.
Nein, hier kann ich nicht zustimmen. Das mit dem Talent ist aus diesen Geschichten für mich nicht ersichtlich. Sie waren durchwegs enttäuschend, sie waren - und wenigstens das hätte ich von "Horror" erwartet - noch nicht einmal spannend. Auch wenn King im Nachwort von häufiger Überarbeitung spricht: Mir schienen sämtliche Stories nachlässig, ohne viel Überlegen hingeschmiert, ein Einfall (und auch der nicht originell), der jeweils zu einer Geschichte ausgewalzt wurde. (So nebenher sollte dem Autor jemand mal mitteilen, dass die Beurteilung eines Buches nicht selbst vorgenommen werden sollte: Das Loben der eigenen Werke macht einen etwas peinlichen Eindruck.)
King scheint einfach nicht begriffen zu haben, was denn gute Literatur (auch gute Phantastik) ausmacht: Nicht die Aneinanderreihung von Einfällen, die wie das Ergebnis eines Brainstormings unter 12jährigen anmutet, sondern durchdachte Handlungen, plausible Personen, sorgfältige Komposition. Wie schon ganz zu Beginn der Leserunde erwähnt: Phantasie, Kreativität äußert sich nicht in der Erfindung von Einhörnern oder Elfen, sondern im Sprachgebrauch, in überraschenden Handlungsmomenten. Seine Vorstellung von Kreativität erinnert an die in verschiedenen Versionen erzählte Anekdote vom Mathematiker, der schließlich zur Literatur wechselte. Auf die Frage an seinen Professor, warum er denn die Mathematik verlassen habe antwortet dieser: Es fehlte ihm einfach an Phantasie. Hierin steckt sehr viel mehr Wahrheit, als die Phantasy- und Kreativitätsapostel in ihrer Einfalt wahrhaben wollen. (Kreativ ist Proust in der Beschreibung von Seelenzuständen, in der Wahl der Metaphern - aber nicht derjenige, der Zombies und Vampire auftreten lässt - im Gegenteil.)
Eine einzige Geschichte hat mir gefallen: Die über Baseball (von dem ich im übrigen auch nichts verstehe). Es ist kein Horror, sondern (lt. King) ein Essay (offenbar ist King mit der landläufigen Definition eines Essays nicht vertraut). Es ist also ein kleine Erzählung über den Erfolg eines Baseballteams von 12jährigen (Kings eigener Sohn war Mitglied der Mannschaft), ein Erfolg, den so niemand erwartet hatte. Der Unterschied zwischen dieser Geschichte und allen anderen: Die handelnden Personen wirken endlich einmal nicht platt erfunden, nicht klischeehaft, sondern sind einigermaßen lebendig. Daraus hätte sich noch wesentlich mehr machen lassen (ev. unter Verzicht der sportlichen Details und mit stärkerer Berücksichtigung der Lebensumstände der Jungen); und die Geschichte ist der Beweis dafür, dass es die Realität ist, welche Kreativität beweist und dass es dem Schriftsteller obliegt, aus diesen realistischen Versatzstücken eine Erzählung zu schaffen. Die keineswegs sich immer am Geschehenen orientieren muss, die aber zumindest einen vorgeblichen Eindruck von Authentizität zu erzeugen vermag. Die platt dümmlichen Vampiere und Leichen sind hingegen eine Zumutung.
Für mich eine einzige Enttäuschung, weil - wie erwähnt - mir die beiden Romane so schlecht nicht in Erinnerung waren. Horror soll spannend sein, lebt von den Überraschungsmomenten: Beides hat hier völlig gefehlt. Mein Bedürfnis nach Produktionen Kingscher Machart ist jedenfalls gedeckt - für die nächsten Jahre.
lg
orzifar