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Lektüren, Rezensionen => Gerade am Lesen ... => Topic started by: sandhofer on 25. März 2012, 20.21 Uhr
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Hallo zusammen!
Nun lese ich also diese Gesamtausgabe "The Complete Fiction", erschienen bei Barnes & Noble im Jahr 2011. Jede Geschichte mit einer kurzen Einführung des Herausgebers. Ich bin froh, mir diese Ausgabe gegönnt zu haben, zeigt sich doch, dass Lovecraft mehr konnte als Cthulhu. (Und schon das war beeindruckend.) Er kann auch Lord Dunsany oder Samuel Johnson. Ich bin fasziniert.
Grüsse
sandhofer
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Ich bin fasziniert.
Das war ich auch vor langer Zeit ... Für mich war Lovecraft immer etwas abwegig und abstrus, ein Autor mit Sonderlingstatus. Zählst Du ihn zur Literatur? Oder doch eher zur gut gemachten Unterhaltung? In meiner Erinnerung gehört er eher in die letztgenannte Kategorie.
LG
Tom
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. Zählst Du ihn zur Literatur? Oder doch eher zur gut gemachten Unterhaltung?
Ein Grenzgänger. Ich bin ja immer noch in seiner frühen Produktion, so bis 1920. Da hat es ein paar sehr gelungene Sachen dabei, aber auch viel - sagen wir - weniger Gelungenes. (Aber, um mal wieder sinngemäss Arno Schmidt zu zitieren: Welcher Autor hat nicht mindestens 90% Schrott verfasst? Und nur wenn's gut geht, 10% Überleben- und Lesenswertes?) Vor allem auch sprachlich hat Lovecraft so einiges drauf. Wenn ich mich recht erinnere, hat man Lovecraft auch einen gewissen Rassismus vorgeworfen. So weit ich im Moment sagen kann: zu Recht.
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Das war ich auch vor langer Zeit ... Für mich war Lovecraft immer etwas abwegig und abstrus, ein Autor mit Sonderlingstatus. Zählst Du ihn zur Literatur? Oder doch eher zur gut gemachten Unterhaltung? In meiner Erinnerung gehört er eher in die letztgenannte Kategorie.
Selbstverständlich ist Lovecraft Literatur, sonst wäre es nicht veröffentlicht. Gute Literatur unterhält immer (so etwas ist natürlich dann auch gut gemacht). Ich kenne von Lovecraft einige hervorragende Köstlichkeiten. In gewisser Weise hat Horror immer was absrtruses, bewegt es sich doch jenseits üblich wahrgenommener Realitätswelten. Das muss so sein. Ha! Lovecraft dürfte Weltliteratur sein.
Liebe Grüße
mombour
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Lovecrafts "Meister" sind Lord Dunsany und E.A. Poe. Und er in gewissem Sinn ihr "Meisterschüler". Weltliteratur? Was ist das? Lovecraft ist sicher, dort, wo er am besten ist, grosse Literatur. Wie gesagt, die 90%-Klausel von Arno Schmidt immer im Hinterkopf behalten ;) .
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(Aber, um mal wieder sinngemäss Arno Schmidt zu zitieren: Welcher Autor hat nicht mindestens 90% Schrott verfasst? Und nur wenn's gut geht, 10% Überleben- und Lesenswertes?)
Das kenne ich als Sturgeon's Law: 90% of everything is crap.
Er soll es 1951 gesagt haben, 1958 findet es sich in einem Zeitungsartikel (jedenfalls laut der vertrauenswürdigsten Quelle im Internet ;D).
Kannst du sagen, wann und wo Schmidt sich so geäußert hat?
Haben sich die beiden gegenseitig befruchtet oder sind sie unabhängig voneinander zur gleichen Erkenntnis gekommen?
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Das kenne ich als Sturgeon's Law: 90% of everything is crap.
Er soll es 1951 gesagt haben, 1958 findet es sich in einem Zeitungsartikel (jedenfalls laut der vertrauenswürdigsten Quelle im Internet ;D).
Ich meinte, das müsse in einem seiner Essays über Karl May gewesen sein, finde aber auf die Schnelle nichts. War vielleicht auch in einem andern Essay. Müsste aber wohl nach Sturgeon gewesen sein; ob er ihn kannte, kann ich nicht sagen.
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Lovecraft, um zum Thema zurückzukommen, überrascht mich immer noch. Da ist wirklich mehr als Trash und Pulp Fiction. Der Kerl konnte schreiben ...
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Lovecrafts "Meister" sind Lord Dunsany und E.A. Poe.
Was mich dazu verführt hat, Dunsanys Geschichten aus dem Lande Yann, Phantastische Bibliothek hg. von Borges, bei der Büchergilde zu ordern ...
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Die Stories sind zeitlich in der Reihenfolge ihres Erscheinens aufgeführt. Ich bin jetzt in der zweiten Dekade von Lovecrafts Schaffen. Der Autor wird, nach viel versprechendem Debut, nun konventioneller. Sicher, er hat mit dem Thema "Horror" nun sein Spezialgebiet gefunden, aber trotz seiner Lehrer Poe und Machen, hat er den Dreh noch nicht heraus. Er erzählt zu langsam, hängt zu sehr am Detail. Wäre er zu diesem Zeitpunkt gestorben, die Welt würde sich bestenfalls an einen der vielen minderrangigen Beiträger zum Pulp-Magazin "Weird Tales" erinnern.
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So, die erste Geschichte zum Cthulhu-Mythos habe ich nun auch gelesen. Lovecraft ist hier wirlklich originell - wenigstens, was die Erfindung angeht. Die Erzählung ist sprachlich und technisch eher medioker, aber Lovecraft entpuppt sich nun als einer der grossen Horror-Autoren. Noch bin ich nicht bei den ganz grossen seiner Geschichten angekommen.
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Die Farbe aus dem All: Ein Meteorit schlägt im Garten eines Bauern in New England ein. Darin merkwürdige farbige Kugeln. Diese Farbe vergiftet im Laufe eines Jahres den ganzen Hof und die Tiere und Menschen. Science Fiction meets Horror. Wie überhaupt Lovecraft, schon lange vor Lem, die Inkompatibilität und Unverständlichkeit exoterristrischen Lebens mit dem unsern postuliert hat. Ich muss gestehen, dass er m.M.n. hierin auch den viel berühmteren H.G. Wells (Der Krieg der Welten) übertrifft. Bei Lovecraft wissen wir nicht einmal, ob diese Kugeln intelligent handeln oder einfach vegetativ Besitz ergreifen von ihrer Umgebung.
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"Die Farbe aus dem All" hat mir auch sehr zugesagt. Das schöne ist ja, dass man nie genau weiß, worher dieses Unheimliche wirklich kommt, weil es für dem Leser im verborgenem bleibt.
Ein sehr schöner Band ist "Cthulhu" - Geistergeschichten, übersetzt von H.C. Artmann, Suhrkamp. Horror vom Piekfeinsten. Das ist wirklich gute Literatur (war nur eine Bemerkung für Horrorabstinenzler ;D ).
Inhalt:
Pickmans Modell
Die Ratten im Gemäuer
Die Musik des Erich Zann
Das Grauen von Dunwich
Der leuchtende Trapezoeder
Cthulhus Ruf
Ganz nebenbei würde mich interessieren, ob es heute auch so gute Horrorgeschichten gibt. Manche Stories von Stephen King sollen sehr gut sein.
Liebe Grüße
mombour
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Das schöne ist ja, dass man nie genau weiß, worher dieses Unheimliche wirklich kommt, weil es für dem Leser im verborgenem bleibt.
Ja, Lovecraft wusste noch, dass das Grauen im Kopf des Lesers stattfinden soll, nicht in dem des Schreibers.
Ein sehr schöner Band ist "Cthulhu" - Geistergeschichten, übersetzt von H.C. Artmann, Suhrkamp.
Mit diesem Band hat Artmann Lovecraft im Deutschen bekannt gemacht, und das ist ihm zu Gute zu halten. Aber ich möchte doch festhalten, dass bei Lovecraft keine Geister vorkommen. Sein Horror ist real, und im Grunde genommen sogar wissenschaftlich. ("Wissenschaftlich" in dem Sinn, wie "Science = Wissenschaft" in "Science Fiction" verwendet wird. Ein bisschen werden die Naturgesetze schon verdreht. Aber übernatürliche Geister fehlen.)
Ganz nebenbei würde mich interessieren, ob es heute auch so gute Horrorgeschichten gibt. Manche Stories von Stephen King sollen sehr gut sein.
Ich weiss nicht. Borges war wohl der letzte. King kenne ich nicht. Paul Auster ist Borges-und Kafka-Schüler. Seine "New-York-Trilogy" zeigt Ansätze, aber an Borges kommt er nicht heran.
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The Wisperer in Darkness [Der Flüsterer im Dunkeln]
Eine weitere Horror-Geschichte, wo die Angst und Schrecken verbreitenden Wesen keine Geister sind, sondern Aliens. Zum ersten Mal, so weit ich sehe, wird auch die Idee verwendet, dass das Gehirn eines Wesens vom Rest des Körpers getrennt und separat aufbewahrt werden könnte. Hier als Möglichkeit, interplanetarisches bzw. intergalaktisches Reisen zu ermöglichen. Und wieder ein typischer Lovecraft-Erzähler: Der zwar bezüglich des sich Ereignenen vorgebildetet Skeptiker, der dann durch die Tatsachen definitiv zum Glauben an die exoterristrischen Wesen gezwungen wird.
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At the Mountains of Madness [Berge des Wahnsinns]
Im Gegensatz zu dem, was Wikipedia behauptet, knüpft hier Lovecraft keineswegs an den Cthulhu-Mythos an. Im Gegenteil: Er zerstört jeden Ansatz eines Mythos. Cthulhu, "the Old Ones", und jene Wesen aus The Wisperer in Darkness - sie sind alle zu verschiedenen Zeiten und aus verschiedenen Regionen des Weltalls (oder sogar von jenseits des Alls) gekommene Aliens, die miteinander im Streit liegen. Nichts Göttliches, was sich bei Lovecraft eigentlich von selber versteht, der Götter nur als Traumgestalten vorführte.
Im übrigen interessant die grosse Rolle der Dekadenz einer Kultur, die Lovecraft hier anhand der "Old Ones" vorführt. Lovecraft hielt Spenglers Thesen für wissenschaftliche Erkenntnisse.
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Ganz nebenbei würde mich interessieren, ob es heute auch so gute Horrorgeschichten gibt. Manche Stories von Stephen King sollen sehr gut sein.
Ich habe drei Bücher von King gelesen - und war im Grunde positiv überrascht. Die Sachen sind schon sehr gut gemacht und auch originell (teilweise). Jedenfalls hat mich King besser unterhalten als z. B. Mankell, den ich nur langweilig und berechenbar fand (naja, Mankell beschränkt sich auch auf Krimis ganz ohne Horror, wobei mich bei seinen Büchern auch die sprachliche Simplizität verstört hat - vielleicht aber lag's an der Übersetzung).
lg
orzifar
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Im übrigen interessant die grosse Rolle der Dekadenz einer Kultur, die Lovecraft hier anhand der "Old Ones" vorführt. Lovecraft hielt Spenglers Thesen für wissenschaftliche Erkenntnisse.
Lovecraft kannte Spengler? Interessant! Mir war nicht bekannt, dass die Thesen vom "Untergang des Abendlandes" im angelsächsichen Raum überhaupt zur Kenntnis genommen wurden.
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Hallo!
Spengler war im angelsächsischen Raum durchaus bekannt, hat doch etwa Toynbee sich ausdrücklich auf ihn berufen. Musil hat den "Untergang" und seine Beliebigkeiten treffend analysiert:
"Es gibt zitronengelbe Falter, es gibt zitronengelbe Chinesen. In gewisser Weise kann man also sagen, der Falter ist der geflügelte mitteleuropäische Zwergchinese. Falter und Chinese sind bekannt als Sinnbilder der Wollust. Zum ersten Mal wird hier der Gedanke an die noch nie beachtete Übereinstimmung des großen Alters der lepidopteren Fauna und der chinesischen Kultur gefasst. Dass der Falter Flügel hat und der Chinese keine, ist nur ein Oberflächenphänomen!" (das Zitat habe ich eine Zeitlang gesucht und heute zu meiner Freude auf Anhieb gefunden).
lg
orzifar
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Spengler war im angelsächsischen Raum durchaus bekannt, hat doch etwa Toynbee sich ausdrücklich auf ihn berufen.
Poor Britannia! ;D
Wie konnten die Enkel Lockes und Humes auf den deutschen Oberesoteriker hereinfallen? Shocking!
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Wie konnten die Enkel Lockes und Humes auf den deutschen Oberesoteriker hereinfallen? Shocking!
Der Erfinder des analytischen Detektivs (gut, bei Lichte betrachtet: kein Analytiker) par excellence glaubte an Feen, daran, dass man die fotografieren könnte und auch fotografiert hatte und hielt eine plumpe Fälschung einer Feen-Fotografie für ein echtes Bild von echten Feen. Und war Spiritist. Sogar Missionar für den Spiritismus. Ebenso in Edinburgh geboren wie Hume: Sir Arthur Conan Doyle ...
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Ich habe drei Bücher von King gelesen - und war im Grunde positiv überrascht. Die Sachen sind schon sehr gut gemacht und auch originell (teilweise).
Vielen Dank für seine Einschätzung. Dann werde ich demnächst einige Erzählungen lesen. Ich habe gar nicht erwartet, dass hier im Forum jemand Stephen King gelesen hat. Das mag auch an festgefahrenen Vorurteilen liegen, die bei diesem Genre leider vorhanden sind. Aber die KUnst des feinen Horrors ist eben auch Kunst. Siehe Lovecraft oder Poe (übrigens auch Algernon Blackwood : "Die Weiden". Große Klasse.).
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Ich habe "Alpträume" hier liegen (orig: Nightmares and Dreamscapes). Leserunde zu King ;).
"Todesmarsch" habe ich z. B. in guter Erinnerung, die Idee ist originell, gut ausgeführt, eigentlich kein Horror, sondern totalitäre Zukunftsvision. Obwohl man noch mehr hätte daraus machen können. Aber in jedem Fall lesbar.
lg
orzifar
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Ich habe "Alpträume" hier liegen (orig: Nightmares and Dreamscapes). Leserunde zu King ;).
Du, ich habe es antiquarisch geordert für 3,01€. Meinst du, dass kann man auch mal im Klassikerforum vorstellen ;D (kleiner Spaß, aber wer weiß schon, ob er mal ein Horrorklassiker wird). Ich finde es ja ganz reizvoll, Menschen zu schockieren, die mich sonst nur mit Thomas Mann Lektüre, Pavese o.ä. kennen.
Wenn das Buch da ist, sage ich bescheid. Als ich mal die Strugazki - Brüder gelesen habe, begegnete mir dostojewski vom Klassikerforum in stirnrunzelnder Manier, obwohl diese Russenbrüder gut geschrieben haben. tz. (off-topic-End).
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Du, ich habe es antiquarisch geordert für 3,01€. Meinst du, dass kann man auch mal im Klassikerforum vorstellen ;D (kleiner Spaß, aber wer weiß schon, ob er mal ein Horrorklassiker wird). Ich finde es ja ganz reizvoll, Menschen zu schockieren, die mich sonst nur mit Thomas Mann Lektüre, Pavese o.ä. kennen.
Wenn das Buch da ist, sage ich bescheid. Als ich mal die Strugazki - Brüder gelesen habe, begegnete mir dostojewski vom Klassikerforum in stirnrunzelnder Manier, obwohl diese Russenbrüder gut geschrieben haben. tz. (off-topic-End).
Ich plädiere für eine kopernikanischen Wende im Sinne der Kantschen Erkenntnistheorie: Grundlage für eine gediegene Auseinandersetzung ist weniger das Objekt (auch über den Dr. Faustus oder den Kafkaschen Prozess kann man viel Unsinn schreiben) als das betrachtende Subjekt. Es ist die Rezeption, die Art der Argumentation, die einen Forenbeitrag lesenswert macht, nicht das in Frage stehende Werk. Auch wenn den anspruchsvolle Leser lieber zu anspruchsvollen Büchern greifen wird.
lg
orzifar
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Die Welt (des Horrors) ist klein: King schreibt im Vorwort, dass eine Geschichte aus dem Buch den Cthulhu-Mythos zum Thema habe. So schließt sich der Kreis ;). Wir werden berichten ...
lg
orzifar
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Moin, Moin!
Als ich mal die Strugazki - Brüder gelesen habe, begegnete mir dostojewski vom Klassikerforum in stirnrunzelnder Manier, obwohl diese Russenbrüder gut geschrieben haben. tz. (off-topic-End).
Ich meinte ja lediglich, daß ich für diese Art Literatur weitgehend verloren bin. Habe ich wirklich bezweifelt, daß sie gut geschrieben habe?
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Hallo Dostoevskij,
ich bildete mir ein, so etwas herausgelesen zu haben. Nun, dann war es nicht so.
Liebe Grüße
mombour
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Supernatural Horror in Literature
Der letzte Text in meiner Ausgabe von Lovecrafts "Complete Fiction" ist keine Fiktion, sondern eher eine Geschichte der phantastischen Literatur, zusammen mit einem theoretischen Unterbau derselben. Lovecraft verwirft dabei die platte natürliche Erklärung des Übernatürlichen vieler seiner Vorgänger und Kollegen ebenso wie die platte Übernatürlichkeit eines Gespensts, das mit Ketten herumläuft und ein bisschen rattelt. Gleichzeitig plädiert er dafür, dass die Horror-Literatur eine der grundlegenden Phänomene des Geschichtenerzählens und damit eben der Literatur ist. Wir haben hier einen der letzten Texte auch biografisch gesehen vor uns, und er zeigt, dass Lovecraft sehr wohl wusste, warum er wie schrieb.
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Ich habe drei Bücher von King gelesen - und war im Grunde positiv überrascht. Die Sachen sind schon sehr gut gemacht und auch originell (teilweise).
Vielen Dank für seine Einschätzung. Dann werde ich demnächst einige Erzählungen lesen. Ich habe gar nicht erwartet, dass hier im Forum jemand Stephen King gelesen hat. Das mag auch an festgefahrenen Vorurteilen liegen, die bei diesem Genre leider vorhanden sind. Aber die KUnst des feinen Horrors ist eben auch Kunst. Siehe Lovecraft oder Poe (übrigens auch Algernon Blackwood : "Die Weiden". Große Klasse.).
Es freut mich sehr, den Namen Algernon Blackwood einmal lesen zu dürfen. auch ich hab ihn zu schätzen gelernt, auch wenn es wirklich lange her ist, dass ich ihn gelesen haben. Als besonders feselnd habe ich seine Erzählung "Der Wendigo" in Erinnerung. In diesem Zusammenhang muss aber auch noch der Namen Arthur Machen fallen, der mit Poe zu HPL's Lehrmeistern gerechnet werden kann.
Zu King: Hier beschränken sich meine Erfahrungen auf ein Buch, und zwar "ES". Und das war wirklich grandios. Wie King immer wieder zwischen zwei Zeitebenen wechselt (und dass teilweise innerhalb eines Satzes (!!!)) ist wirklich großartig; das Buch ist hervorragend durchkomponiert und hat mich bis zum Schluß gefesselt.
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Hallo!
Ich häng mich mal an diesen Thread an. "Der Flüsterer im Dunkeln" ist ein typischer Lovecraft, wenngleich manche Merkmale fehlen: Verborgene Manuskripte, altertümliche Städte mit verruchten Vierteln - überhaupt das ganze historische Brimborium. Hingegen wird mit SF-Anklängen gespielt (wie schon ich Cthulhu), Außerirdische mit ebensolchen Fähigkeiten erscheinen (wobei es dann doch ein wenig seltsam ist, dass die Überwinder des Zeit-Raum-Kontinuums sich von ein paar Schäferhunden lange in Schach halten lassen - aber das sind so die Fallstricke derartiger Literatur).
Was mir an Lovecraft gefällt ist sein Relativismus, seine zurückhaltenden, auf mögliche Einwände bedachten Ich-Erzähler, die durch ihre zumeist rationale Grundhaltung dem Übersinnlichen eine zusätzliche Plausibilität verleihen (sollen). Das ist klug gemacht und sehr viel angenehmer, als eine im bloßen Indikativ erzählte Schauergeschichte, deren Märchenhaftigkeit evident ist. (Im übrigen glaube ich, dass einiges des Erfolges von Harry Potter auch dieser Verquickung von "normaler" Realität und Zauberwelt geschuldet ist: Das erlaubt andere Identifikationsmöglichkeiten.)
Natürlich: Die Motive wiederholen sich bei Lovecraft, aber sie unterhalten trotzdem aufgrund der genauen Beschreibungen, der zumeist ansprechenden Sprache. (Der Vergleich zu King drängt sich auf und muss sofort abgewiesen werden: Selbst die schlechteste Erzählung Lovecrafts ist besser als die beste Kings (in "Nightmares and Dreamscapes")).
lg
orzifar
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Hallo!
Mein vorerst letzter Lovecraft ("In der Gruft", wobei ich vermute, dass ich noch nicht alles gelesen habe): Diesmal durchwegs kurze Geschichte von durchwegs mediokrer Qualität. Einzig die letzte, längere Sci-Fi-Geschichte "In den Mauern von Eryx" lesenswert und originell. Sonst hatte das etwas von Resteverwertung und man tut einem Verstorbenen nicht immer etwas Gutes, wenn man jedes kleine Manuskript posthum veröffentlicht, kafkaeske Perlen sind selten. Die vorliegenden Erzählungen sind offenkundig teilweise Entwürfe, Ideensammlungen, kaum aber ausgearbeitete Kurzgeschichten.
lg
orzifar
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Hallo!
Mein vorerst letzter Lovecraft ("In der Gruft", wobei ich vermute, dass ich noch nicht alles gelesen habe): Diesmal durchwegs kurze Geschichte von durchwegs mediokrer Qualität. Einzig die letzte, längere Sci-Fi-Geschichte "In den Mauern von Eryx" lesenswert und originell. Sonst hatte das etwas von Resteverwertung und man tut einem Verstorbenen nicht immer etwas Gutes, wenn man jedes kleine Manuskript posthum veröffentlicht, kafkaeske Perlen sind selten. Die vorliegenden Erzählungen sind offenkundig teilweise Entwürfe, Ideensammlungen, kaum aber ausgearbeitete Kurzgeschichten.
Wenn ich mit meinem "The Complete Fiction" vergleiche, sagen mir die beiden Titel auch nichts. In meiner Ausgabe war allerdings auch nichts Postumes. M.W. hat sich da ein selbsternannter Max Brod ziemlich zu schaffen gemacht - sprich: selber Fragmente zu Ende geschrieben u.ä.
:hi: