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Gemeinsam Lesen => Leserunden => Topic started by: Regina on 01. Februar 2012, 21.08 Uhr
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Ich stecke, wie gesagt, erst im Vorwort. Willst Du einsteigen?
Gerne. Habe ihn aber gerade erst bestellt. Mal sehen, wie schnell die WBG liefert. Welche Ausgabe liest du?
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Ich stecke, wie gesagt, erst im Vorwort. Willst Du einsteigen?
Gerne. Habe ihn aber gerade erst bestellt. Mal sehen, wie schnell die WBG liefert. Welche Ausgabe liest du?
Wenn ich das richtig im Kopf habe, ist es eigentlich ein Pinguin. Aber neu gesetzt, illustriert und gebunden ;) . (http://www.foliosociety.com/book/CHU/history-of-the-church)
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So, ich eröffne hier mal einen neuen Ordner zu Eusebius. :yodel:
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Meine Ausgabe beruht tatsächlich auf dem Pinguin von 1965/1989, übersetzt von G. A. Williamson.
Eusebius von Caesarea (260/64 - 339/40) - Vater der Kirchgengeschichte. Arianer, der noch rechtzeitig die Kurve kriegt. Lebte und wirkte als Bischof in Palaestina. Schüler eines Origines-Schülers (Pamphilos). Gilt aufgrund seines Alters als Kirchenvater, obwohl er ausser der Kirchengeschichte offenbar nichts Nennenswertes geschrieben hat.
Dann warte ich mal auf Regina. :hi:
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Ich hatte gehofft, das Buch zum Wochenende zu haben. Aber die Packstation schweigt.
Dann wollte ich, nachdem ich im Kleinen Pauly las, das Euseb ja auch eine Vita Konstantini verfasst hat, im Burckhard nachschlagen, ob er etwas Nettes zu sagen hat. Aber es gibt kein Stichwortverzeichnis.
Regina wartet also.
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Dann wollte ich, nachdem ich im Kleinen Pauly las, das Euseb ja auch eine Vita Konstantini verfasst hat, im Burckhard nachschlagen, ob er etwas Nettes zu sagen hat. Aber es gibt kein Stichwortverzeichnis.
Offenbar nicht, nein. :(
Regina wartet also.
Waiting is. Wie mein Lieblings-Alien zu sagen pflegte. :D
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Die Packstation hat sich doch noch gemeldet. Und nun, da die Hausarbeit erledigt ist - vorher geht nicht, man ist ja preußisch-protestantisch, da helfen auch 40 Jahre im Rheinland nichts - stürze ich mich bewaffnet mit einer Kanne Assam ins Vorwort.
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Die Packstation hat sich doch noch gemeldet. Und nun, da die Hausarbeit erledigt ist - vorher geht nicht, man ist ja preußisch-protestantisch, da helfen auch 40 Jahre im Rheinland nichts - stürze ich mich bewaffnet mit einer Kanne Assam ins Vorwort.
Sehr schön. Was aber, für einen Nicht-Rheinländer und Nicht-Preussen, ist eine "Kanne Assam"? ???
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Sehr schön. Was aber, für einen Nicht-Rheinländer und Nicht-Preussen, ist eine "Kanne Assam"? ???
Klingt für mich nach Tee, wobei ich als Kaffeetrinker Tee weniger als Genussmittel denn als Medikament einsetze. Aber uns wird sicher Aufklärung zuteil.
lg
orzifar
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Unter welche Heiden bin ich denn hier gefallen? ;D
Assam ist eines der drei großen Teeanbaugebiete. Ein starker, dunkler Tee, den man hervorragend mit Milch trinken kann.
Kaffee kommt mir übrigens genauso oft in die Tasse wie Tee.
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Unter welche Heiden bin ich denn hier gefallen? ;D
Im Zweifelsfall kann ich dir die Unterstützung meiner besseren Hälfte garantieren, die bezüglich meiner Teetrinkgewohnheiten zu einem sehr viel kräftigeren Vokabular greift und mich bezüglich Kulinarik im allgemeinen für ein schlicht retardiertes Lebewesen hält.
lg
orzifar
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Ich konnte ja nicht ahnen, dass Du gleich ganze Teeanbaugebiete in Deine Kanne wirfst ... :angel:
Ich habe dann gestern noch mit der Lektüre begonnen. Eusebius scheint nicht wirklich selber zu schreiben, sondern nur zu referieren, zu kompilieren. Im Moment sind gerade die ersten Apostel martyrisiert worden. Eusebius legt grosses Gewicht darauf, die Nummern 2 und 3 auf den jeweiligen Kirchenvorstandssesseln als unmittelbare Nachfolger des Vorgängers bwz. eben eines Apostels darzustellen. (Kann man jemandes Vorgänger auf einem Sessel sein? - - - Egal.) Und er legt Wert darauf, diese Kirchenvorstände als Bischöfe zu bezeichnen.
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In meiner Teekanne habe ich schon ganze Kontinente versenkt. ;D
Meine Ausgabe beginnt mit Jesus. Erst im zweiten Buch werden die Apostel und ihre Todesarten behandelt.
Das Ganze ist schon sehr davon bestimmt, der vergleichsweise jungen Religion Legitimation zu verschaffen. Laut Vorwort beruht die Vereinnamung des alten Testaments auf dem Versuch, dass Christentum älter als das Heidentum darzustellen. Denn je älter, je wahrer.
Eusebius beginnt auch gleich damit seine eigenen theologischen Überlegungen zu propagieren. Wieder dem Vorwort (sehr informativ, aber leider geht der Autor Heinrich Kraft von einem Vorwissen aus, das ich nicht habe) entnehme ich, dass zu Eusebius Lebzeiten die Diskussion um Jesus Wesen (ist er Mensch oder Gott) heftig entbrannte und den einen oder anderen Bischof (auch Eusebius zeitweilig) aus dem Sessel katapultierte. Daher kein Wunder, dass er auch hier die Gelegenheit nutzt Stellung zu beziehen.
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In meiner Teekanne habe ich schon ganze Kontinente versenkt. ;D
Endlich wissen wir, was mit Atlantis geschehen ist ... 8)
Meine Ausgabe beginnt mit Jesus. Erst im zweiten Buch werden die Apostel und ihre Todesarten behandelt.
Meine auch. Ich hab's allerdings unterdessen ins dritte Buch geschafft. Zwischendurch Flavius Josephus und kein Ende.
Das Ganze ist schon sehr davon bestimmt, der vergleichsweise jungen Religion Legitimation zu verschaffen. Laut Vorwort beruht die Vereinnamung des alten Testaments auf dem Versuch, dass Christentum älter als das Heidentum darzustellen. Denn je älter, je wahrer.
Ja, sagt meines auch. ;)
Eusebius beginnt auch gleich damit seine eigenen theologischen Überlegungen zu propagieren. Wieder dem Vorwort (sehr informativ, aber leider geht der Autor Heinrich Kraft von einem Vorwissen aus, das ich nicht habe) entnehme ich, dass zu Eusebius Lebzeiten die Diskussion um Jesus Wesen (ist er Mensch oder Gott) heftig entbrannte und den einen oder anderen Bischof (auch Eusebius zeitweilig) aus dem Sessel katapultierte. Daher kein Wunder, dass er auch hier die Gelegenheit nutzt Stellung zu beziehen.
Als Origines' Schülersschüler war er in einer sehr exponierten Situation. Origines - dessen Selbstentmannung wahrscheinlich üble Nachrede seiner innerkirchlichen Gegner ist - hielt an der Unterordnung des Sohnes unter den Vater fest, was der sich allmählich durchsetzenden Trinitätslehre widerspricht.
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Im Moment zieht's sich ein bisschen. Eusebius referiert und zitiert (auch gerne mal sich selbst). Interessant wäre es, man hätte die Zeit und könnte die Zitate mit den Originalen vergleichen. Meine Ausgabe gibt die Quellen ja immer schön genau an. Ich vermute also, dass die Quellen auch noch zugänglich sind. Eusebius scheint sich eher aufs allgemein Zugängliche und eh schon Bekannte beschränkt zu haben. Insofern wird er sich keine Verfälschung zu Schulde kommen lassen. Insofern wäre also wohl auch ein Vergleichen wenig prickelnd. Lassen wir's ...
Und Märtyergeschichten en masse. Für Eusebius sind die Märtyrer und ihre Standhaftigkeit Zeugen der Wahrheit (des Christenutums). Schon klar. Aber für den Heutigen ist das Märtyertum eines ansonsten unbekannten Bischofs einer kleinasiatischen Kleinstadt nicht wirklich interessant ... :(
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Und Märtyergeschichten en masse. Für Eusebius sind die Märtyrer und ihre Standhaftigkeit Zeugen der Wahrheit (des Christenutums). Schon klar. Aber für den Heutigen ist das Märtyertum eines ansonsten unbekannten Bischofs einer kleinasiatischen Kleinstadt nicht wirklich interessant ... :(
Er war ja auch näher dran. Seinen Lehrer erwischte es und wie nah die Gefahr für ihn war, lässt sich nicht abschätzen.
Ich bin jetzt mit dem dritten Buch durch. Wirklich viel Josephus. Aber Euseb muss natürlich aufzeigen, dass jede Gotteslästerung ihre Strafe erfährt, insbesondere die Ermordung Christi. So wird die jüdische Geschichte schön ins Schema eingepasst.
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Wirklich viel Josephus. Aber Euseb muss natürlich aufzeigen, dass jede Gotteslästerung ihre Strafe erfährt, insbesondere die Ermordung Christi. So wird die jüdische Geschichte schön ins Schema eingepasst.
Ich habe mich schon gefragt, wie weit Eusebius einfach den Geist seiner Zeit und seiner Gegend widerspiegelt und wie weit er der Ursprung ist: Ich finde jedenfalls in diesem Werk eine ganz schön heftige anti-semitische Tendenz. Und das, obwohl es noch bis kurz vor seiner Zeit in Jerusalem eine Kirche christianisierter Juden (Beschnittener mit beschnittenen Bischöfen :)) gegeben haben muss. Das Verhältnis von Heiden-Christen und Juden-Christen wird von Eusebius allerdings kaum behandelt.
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Noch mehr Märtyrer-Geschichten, noch mehr Bischofslisten. Und das Schwergewicht verlagert sich zusehends in den Nahen Osten, wo Eusebius ja selber bischofte. Ich weiss nicht, ob wir in diesem Werk von Eusebius Dokumente zitiert finden, die mittlerweile verloren gegangen sind. Wichtige Dokumente scheinen mir nicht dabei gewesen zu sein. Am interessantesten fand ich bisher die Hinweise auf die innerkirchlichen Diskussion um den genauen Ostertermin. Aber ansonsten? Frage ich mich, warum das Werk bis heute verlegt wird. :(
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Vierte Buch ausgelesen. Der Antisemitismus nimmt zu. Jetzt tauchen Bemerkungen auf, das die Juden boshaft sind und schnell bereit das Holz für den Scheiterhaufen zu bringen, wenn ein Christ verbrannt werden soll. Da Eusebius viel abschreibt, ist nicht klar, ob er diese Ansichten aus der Quelle übernimmt oder ob es seine eigenen sind.
Ein Paradox: Sie ziehen über die Juden her, aber alle Religionsgründer des Chrsitentums waren welche. Da hilft man sich, in dem man die Juden, die das Christentum ins leben riefen, Beschnittene nennt und alle anderen Juden.
Ich verstehe, dass sich das Christentum vom Judentum abheben will, gerde weil es so viel übernimmt, aber die Methode ist zum Kotzen.
Mir fallen neben all den Märtytertoden und Bischofslisten noch die Literaturlisten auf. Da zeigt sich wohl der Bibliothekar.
Ja, warum wird Euseb heute noch aufgelegt? Weil er die erste erhaltene Kirchengeschichte schrieb? ;D
Es werden Dokumente zitiert, die danach verloren gingen. In Buch 4 kam mir gerade die Apologie des Quadratus unter, von der nur das kurze Stück bekannt ist, das Euseb zitiert. Aber wichtige Dokumente? Wichtig für wen?
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Ja, warum wird Euseb heute noch aufgelegt? Weil er die erste erhaltene Kirchengeschichte schrieb? ;D
Und weil alle andern jahrhundertelang ihre Geschichten erst ab Eusebio verfasst haben, ja. Wenn ich allerdings z.B. an die Historia ecclesiastica gentis Anglorum des Beda Venerabilis denke, die "nur" runde 300 Jahre jünger ist, so ist der Unterschied doch frappant. Der Engländer bringt politische und soziale Ereignisse mit zur Sprache. Bei Eusebius hat man das Gefühl, das Leben bestehe aus Bischöfen, Märtyrern und ein paar Kaisern, die einander, man weiss nicht so recht warum, in mehr oder minder regelmässigen Abständen auf ihren Sitzen ablösten. Ein papierner Reigen von Namen ...
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Stehe mittlerweile vor dem achten Buch.
Im sechsten war viel von Origenes die Rede und wenig verwunderlich gibt es von ihm nur Gutes zu berichten.
Interessant fand ich das Dilemma der Überlebenden der Verfolgungen. Ich musste bei der Rechtfertigung des Dionysius, Bischof von Alexandrien, warum er nicht den Märtyrertod erlitten hat, doch schon schmunzeln. Er behauptet mit Gewalt und natürlich gegen seinen Willen gerrettet worden zu sein. Er erzählt das aber so wortreich, dass sich schnell das "Ja, ne, is klar" im Kopf des Lesers hören lässt. Gerade ein Bischof hatte Vorzeigefunktion und wenn er sich verkrümelt, wie soll er gleichzeitig die Erfüllung durchs Martyrium predigen.
Es war auch strittig, was mit denen geschehen sollte, die ihren Glauben verleugnet hatten, um zu überleben. Durften die zurück in den Schoß der Kirche? Immerhin schien das die Mehrzahl zu befürworten.
Im siebenten Buch gehen die Verfolgungen weiter und Paulus von Samosata wird an den Pranger gestellt. So hoch Origenes von Euseb gelobt wird, so tief wird Paulus verdammt. Er hatte eben die falschen Ansichten.
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Im sechsten war viel von Origenes die Rede und wenig verwunderlich gibt es von ihm nur Gutes zu berichten.
Obwohl das, wenn ich mich recht erinnere, zu Eusebius' Zeiten schon gefährlich sein konnte. Origines galt da schon nicht mehr als zu 100% orthodox.
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Ich bin durch.
Buch 8 und 9 enthalten vorwiegend Berichte über die aktuelle (aus Eusebs Sicht) Verfolgung unter Diokletian und Maximinus. Also wieder viele Einzelheiten über Foltermethoden und Todesarten.
Buch 10 ist dann nur noch eine Zusammenstellung diverser Kaiseredikte und beginnt mit einer elend langen Rede, die Eusebius zur Einweihung der neuen Kirche in Tyros hielt. Wenn das eine Vorschau auf seine Vita Konstantins ist, dann verstehe ich, dass Burckhardt schreibt:
"Constantins Andenken hat in der Geschichte das größte denkbare Unglück gehabt. [...] Allein er ist in die Hände des widerlichsten aller Lobredner gefallen, der sein Bild durch und durch verfälscht hat.[...]
Dazu kommt noch - des wahrhaft häßlichen Stiles zu geschweigen - eine mit Bewußtsein schielende Ausdrucksweise, so daß der Leser gerade an den wichtigsten Stellen auf Falltüren und Versenkungen tritt."
(Seite 216 f in Burckhardts "Die Zeit Constantins des Großen".
Insgesamt enttäuschend. Eusebs Leistung liegt in der Kompilierung und auch hier wäre eine klare Anordnung wünschenswerter gewesen. Zu sprunghaft in der Chronologie und zu breit angelegt in der Geographie.
Ich werde demnächst den Venerable Bede anschließen. Mal sehen, wie ein Vergleich ausfällt.
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Ich bin ja unterdessen auch fertig mit Eusebius. Fertig in jedem Sinne des Wortes. Irgendwie ... nun ja: Zu sehr Bibliotheks-Katalog. Bedas Kirchengeschichte ist da beeutend lebendiger geschrieben. Allerdings kann ich zur Ehrenrettung von Eusebius Folgendes sagen: Ich lese gerade parallel Alexander von Humboldts Geschichte der Entdeckung Südamerikas. Auch er eiert sprunghaft von Thema zu Thema, und vor und zurück. Zwischendurch plötzlich ein paar Seiten Etymologie des Namens "Amerigo". Vor- und nachher ein bisschen Kolumbus, ein bisschen Vespucci, ein bisschen Raleigh ... ::) Unsere Massstäbe sind wohl zu sehr 20. und 21. Jahrhundert ...