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Lektüren, Rezensionen => Gerade am Lesen ... => Topic started by: sandhofer on 11. Dezember 2011, 21.08 Uhr
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Hallo zusammen!
Ein ganz anderer Doderer. In "Die Merowinger" lässt er seiner satirischen Ader und einer Phantasie, die heute schon fast als Fantasy verkauft würde, freien Lauf. Childerich III., letzter Nachfahre der Merowinger, beschliesst, auf sich sämtliche Verwandtschaftsgrade zu vereinen, die möglich sind. Er will sein eigener Vater, Onkel, Sohn und Neffe werden. Und noch so ein paar Verwandtschaftsgrade nebenbei. Aber die Satire greift weit über die Familie der Merowinger hinaus und trifft auch - zum Beispiel - die Psychiatrie. Äusserst amüsant zu lesen.
Grüsse
sandhofer
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Hallo!
Wobei mich noch Wunder nähme, @orzifar:
Du hast mal geschrieben, dass Du "Die Merowinger" für sperriger hälst als "Die Strudelhofstiege". Sie sind anders, völlig anders, als was und wie Doderer sonst schreibt. Aber inwiefern sind sie Deiner Meinung nach sperrig? Ich hatte eher den Eindruck, hier amüsiert sich der Autor königlich.
Grüsse
sandhofer
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Der Autor amüsiert sich durchaus, ich (als Leser) mich ebenfalls - mir wurde nur von anderen mitgeteilt, dass sie den Stammbaum ein wenig verwirrend fänden und daher die ganze Lektüre mühselig.
Ich persönlich halte es für eines der besten Werke (ich glaube bei dem entsprechenden Beitrag auch angemerkt zu haben, dass ein routinierter Leser die "Merowinger" mit Sicherheit genießen würde).
lg
orzifar
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Ach ja - der Stammbaum. Nun, der ist ja auch mit Absicht verwirrend. Und persönlich bin ich ja der Meinung, dass, wenn ich solche Dinge nachzuvollziehen trachte, ich der Gimpel bin, der dem vogelstellenden Autor auf den Leim gegangen ist. Der (der Autor) sich im Jenseits dann auch noch prächtig amüsiert darob.
Ja, "Die Merowinger" sind gut, sehr gut. Wenn auch völlig anders als Doderer sonst ist.
Ich persönlich halte es für eines der besten Werke
Was - in Anbetracht von "Die Dämonen" und "Die erleuchteten Fenster" durchaus etwas heissen will. Ich könnte jetzt so aus dem Stand nur Thomas Mann nennen, der als Romancier ähnlich viel in ähnlich hoher Qualität zu liefern wusste. Sein Bruder Heinrich, den ich eigentlich noch fast besser finde, hat nicht so viel produziert. Und jenseits der Epik gibt's allenfalls noch den Dramatiker Shakespeare und die alten Griechen ...