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Lektüren, Rezensionen => Gerade am Lesen ... => Topic started by: sandhofer on 10. Dezember 2011, 19.39 Uhr
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Hallo zusammen!
Stilistisch perfekt, aber irgendwie komme ich nicht an den Roman heran. Was Doderer in den "Dämonen" perfekt gelingt - das Zusammenführen verschiedener Erzählstränge zu einem stringenten Ganzen - hier bleibt es desparat. Und ich bin doch schon auf S. 200 von rund 250 ...
Grüsse
sandhofer
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Du solltest dich doch irgendwann danach richten, welcher Roman wann entstanden und als Vorläufer/Nachfolger von welchem anderen zu betrachten ist (der Grenzwald ist Teil eines größeren Projektes).
Lies mal die Strudlhofstiege, sie ist Dreh- und Angelpunkt des ganzen Werkes.
lg
orzifar
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Die "Strudelhofstiege" kommt schon noch. Es ist mir schon klar, dass auch der "Grenzwald" in ihren Dunstkreis gehört. Und es ist mir klar, dass letzterer ein Fragment geblieben ist. Was Doderer noch geändert hätte, wie er ihn beendet hätte, können wir ja nur ahnen. Denn seine Tagebuchnotizen, die in meiner Ausgabe zum Schluss angefügt worden sind, geben zwar Hinweise - aber, ob er sich daran gehalten hätte?
Was mich am "Grenzwald" irritiert, ist, dass es Doderer nicht gelingt, die disparaten Teile "Wien" und "Sibirien" zusammenzuheften. In den "Dämonen" bildet Wien - quasi als stumme Hauptfigur - die Klammer der v.a. zu Beginn ja auch disparaten Handlungsteile, zusammen vielleicht noch mit dem anfänglich als Ich-Erzähler auftretenden Sektionsrat von Geyrenhoff. Im "Grenzwald" fehlt die geografische Klammer ebenso wie die eines Ich-Erzählers, das Zusammenführen der Handlungsstränge aber konnte Doderer nicht mehr ausführen. Mir persönlich will der "Grenzwald" viel fragmentarischer und unvollendeter vorkommen, als es die Herausgeber meiner Ausgabe wahrhaben möchten; das ist es wohl, was meine Irritation begründet. Ich habe eigentlich mehr, Vollendeteres erwartet, als ich dann vorgefunden habe.
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Ich muss offenbar meine Doderer-Bände ausgraben, aber: Der Grenzwald ist meines Wissens ein Fragment.
lg
orzifar
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Es ist ein Fragment ;). Das war mir zu Beginn meiner Lektüre nicht klar.