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Lektüren, Rezensionen => Gerade am Lesen ... => Topic started by: mombour on 18. September 2011, 11.04 Uhr
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Hallo,
Ich habe "Rot und Schwarz" fast bis zur Hälfte durchgelesen und bin maßlos enttäuscht. Offensichtlich stehe ich kurz vor dem Buchabbruch. Ich weiß nicht, wie lange ich noch durchhalte. Ein mit Eitelkeit besetzter Geist vom Lande, ein Bauernsohn, will Karriere machen und probiert auch aus, eine höher gestellte Frau zu verführen, die Frau eines Bürgermeisters, nur darum, um seine Eitelkeit zu befriedigen. Auf dem Weg ins keusche Priesterseminar flirtet er noch schnell mit einer Bardame, bevor er in die Klostermauern abtaucht. Im Grunde genommen ist es Julien Sorel egal, ob er Soldat oder Eunnuch...nein Priester werden soll. Ihm ist es nur wichtig, was zur Zeit Mode ist. In welcher Sparte er Erfolg und Ansehen bekommt, ist ihm egal. Hautsache er hat Erfolg. Er will so erfolgreich sein wie Napoleon, dessen Ära er offensichtlich nachtrauert, verwickelt sich aber nur in stumpfer Eitelkeit. Ein psychologisch Geschulter ist Stendhal nicht. Sorels Charakter bleibt unglaubwürdig, sogar trivial. Von einer Charakterbildung kannt nicht die Rede sein. Die Figur Sorel wird einfach in den Roman hineingesetzt. Es ist kein Entwicklungsroman. Überhaupt nicht spannend, nur langweilig. Bisher habe ich den Eindruck, dieser Roman hält nicht einmal gegenüber der Karthause stand.
Liebe Grüße
mombour