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Lektüren, Rezensionen => Gerade am Lesen ... => Topic started by: mombour on 19. April 2010, 14.53 Uhr
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Hallo,
ein Blick auf Darwin :opa: - ich bin sehr gespannt!!
Richard Dawkins: Der blinde Uhrmacher - Ein neues Pladoyer für den Darwinismus
(1986)
Dawkins schreibt im Vorwort
Es sieht fast so aus, als wäre das menschliche Gehirn spezifisch dafür eingerichtet, den Darwinismus mißzuverstehen und schwer verständlich zu finden.
Meine Motivation, dieses Buch zu lesen, besteht erstens aus reiner kindlicher Neugier, mehr über uns Menschen wissen zu wollen, und zweitens darin, in Darwins Evolutionstheorie eingeführt zu werden, die ja schon damals z.Zt. Darwins sensationell gewesen war (und heute vielleicht immer noch?), weil sie der Schöpfungstheorie der Bibel wiedersprach, auch einen Gott als Schöpfer verneinte. So etwas höre ich als Laie. Und nun will ich es genau wissen.
Das Buch heißt „Der blinde Uhrmacher“ und das hat einen Sinn. Dawkins erzählt von dem Theologen William Paley, der in seinem 1802 veröffentlichtem Werk „Natural Theology, or Evidences of the Existence and Attributes of the Deity, Collected From the Appearances of Nature“ die bekannteste Darstellung eines teleologischen Gottesbeweises vorführte.
Paley erläutert in seinem Buch mit welcher Präzision eine Uhr zusammengebaut worden ist und erzählt von der Komplexitität dieses Gegenstandes und schlussfolgert daraus, dieser Gegenstand muss einen Schöpfer gehabt haben, nämlich den Uhrmacher. Paley schlussfolgert daraus, die Natur habe ebenso einen Schöpfer.
Ein anderes Beispiel des Theologen William Paley: Er vergleicht das Auge mit dem Teleskop, daß „es genau den gleichen Beweis dafür gibt, daß das Auge zum Sehen gemacht wurde, wie dafür, daß das Teleskop dafür gemacht wurde, das Auge zu unterstützen“(Paley) und schließt daraus, das Teleskop habe, genauso wie das Auge, einen Konstrukteur, einen Schöpfer gehabt.
Dawkins entgegnet und sagt, die Analogien zwischen Auge und Teleskop, zwischen Uhr und Lebewesen seinen falsch und führt als Grund die Evolutionstheorie von Darwin an. Ich will an dieser Stelle die Argumentation von Dawkins vollständig zitieren, weil diese Auseinandersetzung des Gottesbeweises William Paleys und der Evolutionstheorie Charles Darwins uns das ganze Buch verfolgen wird. Dawkins fasst so zusammen:
Der einzige Uhrmacher in der Natur sind die blinden Kräfte der Physik, wenn sie sich auch auf ihre besondere Weise entfalten. Ein echter Uhrmacher plant: Er entwirft seine Rädchen und Federn, ebenso ihren Zusammenhang, und zielt dabei auf einen künftigen Zweck. Die natürliche Zuchtwahl, der blinde, unbewußte, automatische Vorgang, den Darwin entdeckte und von dem wir heute wissen, daß er die Erklärung für die Existenz und scheinbar zweckmäßige Gestalt alles Lebens ist, zielt auf keinen Zweck. Sie hat keine Augen und blickt nicht in die Zukunft. Sie plant nicht voraus. Sie hat kein Voerstellungsvermögen, keine Vorraussicht, sieht überhaupt nicht. Wenn man behauptet, daß sie die Rolle des Uhrmachers in der Natur spielt, dann die eines blinden Uhrmachers.
Jetzt habe ich beide Thesen gegenübergestellt, wir wissen jetzt worum es geht und warum unser Buch „Der blinde Uhrmacher“ heißt.
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Trotzdem, zufrieden bin ich noch nicht. Warum ist die natürliche Auslese wie ein blinder Uhrmacher? Wie funktioniert die Evolution denn wirklich? Ich hoffe, Dawkins wird das noch erläutern. Die Resultate sind erstaunlich und es bleibt weiterhin für mich sehr rätselhaft, wie so komplexe Organe wie das Auge oder das raffinierte Sonarsystem bei Fledermäusen sich entwickeln konnte. Es ist doch gar nicht so verwunderlich zu denken, hier habe ein Baumeister gebaut. Soll die Evolution vor abertausenden von Jahren schon das Sonarsystem bei Fledermäus enentwickeln haben, die Menschen das Radarsytem erst im zwanzigsten Jahrhundert? Dann muss der Mensch nur ein kleiner Uhrmacher sein, die Evolution ein sehr, sehr großer (und dann noch blinder) Uhrmacher. Es ist herrlich, wie Dawkins in das Sonarsystem (Echoortung) der Fledermäuse eintaucht, erklärt wie das funktioniert. Da müsse jeder Ingenieur erblassen.
Sehr aufschlussreich finde ich Dawkins Vergleich des Sonarsystems mit unserer Wahrnehmung. Was die Fledermaus mit Echoortung erreicht, erleben wir mit dem Licht. Unser Auge nimmt Quasi das Echo von Lichtstrahlen auf, welches von Gegenständen reflektiert wird. Auf der Retina entsteht ein Bild, welches über einen Nerv in unser Gehirn geleitet wird. Für mich entscheidend hier, dass die Prinzipien der Wahrnehmung bei Tieren ähnlich verlaufen wie beim Menschen. Doch wie lange hat es denn gedauert, bis sich das menschliche Auge entwickelt hat. War es beim Neandertaler genauso wie beim Mensch heute? „Von Augen gibt es keine Fossilien“, sagt Dawkins, darum wir nicht wissen, wie lange die Evolution des Auges gedauert hat. Wir wissen die Dauer aber durch genetische Auslese bei Hunden und auch wie lange es gedauert hat, bis sich bei manchen Nachtfaltern eine Dunkelfärbung entwickelt hat. Das Auge ist wesentlich komplizierter, deswegen die Evolution viel mehr Zeit gebraucht hat.
Liebe Grüße
mombour
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Gehen wir weiter in der Frage, wie denn alles entstanden sei. Dawkins greift auf Darwin zurück, der gesagt haben soll
durch schrittweise, stückweise Veränderungen aus einfachen Anfängen, aus Urgebilden, die einfach genug waren, um durch Zufall entsehen können. Jede der aufeinanderfolgenden Veränderungen in dem schrittweisen Evolutionsprozeß war gegenüber ihrem Vorgänger so einfach, daß er zufällig erfolgen konnte.
Also, Darwin soll noch von einem Zufall gesprochen haben. In dieser Sache hätte ich mir ein Zitat von Charles Darwin gewünscht, um mir der Sache sicher zu sein, ob die Sache mit dem Zufall von Darwin selber kommt. Denn die heutige Evolutionsbiologie, oder ist es nur Dawkins (??), was ich weniger vermute, meint, es ist kein Zufall, sondern, so Dawkins:
so ist die gesamte Folge kumulativer Schritte jedoch alles andere als zufällig.
Dieses Bedarf einer Erläuterung und Dawkins entwickelt , um Schritte der Evolution zu simulieren, ein Computerprogramm. Ich fasse kurz zusammen, dabei die Begriffe „Ein-Schritt-Auslese“, „kumulative Selektion“ geklärt werden sollen.
a) „Ein Schritt-Auslese“:
In dem Beispiel mit dem Affen, der auf einer Schreibmaschine tippt, und man vergeblich wartet, bis er mal zufällig einen Satz von Shakespeare getippt hat ist ein schönes Beispiel für die Ein Schritt-Auslese“. Bei jedem neuen Versuch muss der Affe von null noch mal anfangen, d.h. Der Affe lernt nichts aus seinen vorhergehenden Versuchen. Die Ein-Schritt-Auslese ist eine „Zufallsvariation“ sagt Dawkins, und kommt zu dem Resultat, die Evolution wäre auf diese Weise „niemals irgendwo hingelangt.“
b) „kumulative Selektion“
Die kumulative Selektion ist viel effektiver. Jeder Evolutionsfortschritt, je klein auch ein Schritt sein mag, wird registriert und zum weiteren Ausbau mit einbezogen. Das ist natürlich recht simpel ausgedrückt, aber daraus geschlossen werden kann, dass dieser Weg viel effektiver ist, als die o.g. Zufallsvariation. Dass die Ein-Schritt-Auslese“ nichts bringt, hat Dawkins genau ausgerechnet und kommt zu dem Schluss:
„Der Zufall ist eine unwichtige Zutat im Darwinschen Rezept, die wichtigste Zutat ist die kumulative Auslese, die in ihrer Quintessenz nicht zufällig ist.“
Wenn Dawkins also mit Hilfe seines Computerprogramms durch Simulation kumulativer Selektion einen Satz Shakespeares geschöpft hat, ist damit die Evolution nur teilweise erklärt, denn es ist doch gesagt worden, die Evolution habe kein Langzeitziel, es gehe nicht darum, dass die Evolution etwas bestimmtes erschaffen will. Darum fehlt hier noch was. Es muss ein neues Computerprogramm her, dass nicht zielgerichtet auf ein bestimmtes Ziel programiert ist. Der Computer soll Bilder malen. Das Ergebnis soll nur infolge kumulativer Auslese zufälliger Mutationen entstehen.Mutation ist das zufällige Element in der Evolution, die kumulative Selektion aber nicht auf Zufall beruht. Für das Computerprogramm wird eine einfache Instruktion gebraucht, die unter Einfluss von >>Genen<< veränderlich wird. Wir sehen schon, es wird immer komplizierter im Detail.
Die Versuche die Dawkins in seinem Buch herrlich darlegt, führen uns Schritt für Schritt in das Geheimnis der Evolution. Die Versuchsbeschreibungen werden immmer detaillierter, aber hier mag man sich nicht verwirren lassen. Ich denke, es braucht wirklich Zeit und viel Beschäftigung mit der Evolutionstheorie und Lektüre mehrerer Fachliteratur, um diese grandiose Theorie wirklich verinnerlicht zu haben. Ich denke, wenn ich an dieser Stelle verstanden habe, das eine Ein-Weg-Auslese ein Ding der Unmöglichkeit ist, die Evolution in kumulativer Selektion ohne Ziel verläuft, dabei die Mutation das zufällige Element in der Evolution ist, dann ahbe ich doch schon einiges gelernt. Dieses Wissen muss noch, um es wirklich verinnerlichen zu können, vertieft werden. Das ist klar.
Liebe Grüße
mombour
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Es gibt offenbar einen Zweig in der Biologie, die den Darwinismus anzweifeln, einer von ihnen ist Francis Hitchens. 1982 erschien „The Neck of the Giraffe or Where Darwin went wrong“. Darin es heißt:
Nun ist es recht offensichtlich, daß, wenn auch nur das Geringste unterwegs falsch läuft – wenn die Hornhaut trübe ist oder sich die Pupille nicht richtig öffnet, oder die Linse undurchsichtig wird, oder falsch fokussiert wird -, kein erkennbares Bild entsteht. Das Auge funktioniert entweder als Ganzes oder überhaupt nicht. “Wie geschah es denn dann, daß es sich durch langsame stetige, unendlich kleine Darwinische Verbesserung entwickelte.
Kritik deren sich Evolutionstheoretiker oft ausgesetzt sind; man merkt, wie gerne Dawkins solche Behauptungen wiederlegt. Wenn man durch eine trübe Brille schaut, sieht man doch auch noch irgendetwas. Dass Linse und Retina nicht unabhängig von einander arbeiten können, widerlegt Dawkins sehr anschaulich, man hoffe doch, die Aussagen dieser Frau stimmen, die eine Kataraktoperation hinter sich hatte, und von sich sagte, mit dem Auge ohne Linse fahre „bei weitem besser“ als ohne ein Auge. So muss es auch dem Nautilus gehen, ein dem Tintenfisch ähnliches Geschöpf , die Augen Löcher ohne Linse. In diesem Fall ist es wohl so, dass die Evolution den Sprung (noch) nicht geschafft hat, dem Tier eine Linse in die Augen zu fügen. Wie die Augen in Millionen von Jahren aussehen werden, wissen wir nicht.
Dawkins stellt sich mehrere Fragen, darunter die Frage, „ob es möglich sei, daß das menschliche Auge unmittelbar aus etwas entstanden ist, das geringfügig verschieden von ihm selbst war und das wir X nennen können.“ und es wird u.a. darüber theoretisiert, ob wir, wenn wir die Evolution im Rückwärtsgang durchgehen, immer wieder auf Vorläufern (verschiedene Xe: X', X'', X''' usw.) vom Auge begegnen können. Also, so recht beweisen kann das Dawkins nicht, theoretische Überlegungen, ja, gut.
Einige Passagen von Dawkins' Buch überlese ich gerne. Da ist besonders das Kapitel über DNS/RNS aus der Sicht der Evolution. Das ist für Einsteiger einfach zu schwierig verfasst, darum verworren. So erginge es mir bei einer Kantlektüre. Natürlich ist es klar, dass man über diese Thematik einige Bücher lesen muss, bis man irgendeines entdeckt, welches solche Sachverhalte verständlich darlegt.
Bei der natürlichen Auslese geht es um nichts anderes als um den unterschiedlichen Erfolg rivalisierender DNS bei der vertikalen Transmission in den Archiven der Art.
Alles klar? Gut. Es geht dann noch um Replikation von DNS. Kopien können Fehler haben usw.(da habe ich wohl in der Schule nicht aufgepasst oder vergessen).
Gelegentlich entsteht, aus zufälligen Kopierfehlern, spontan ein geringfügig anderes RNS-Molekül.
Schön.
Das nächste Kapitel heißt hoffnungsvoll „Ursprünge und Wunder“
Liebe Grüße
mombour
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ich zitiere mich selber:
Es gibt offenbar einen Zweig in der Biologie, die den Darwinismus anzweifeln, einer von ihnen ist Francis Hitchens. 1982 erschien „The Neck of the Giraffe or Where Darwin went wrong“.
Francis Hitchens, der Name ist im Buch falsch geschrieben, er heißt J. Francis Hitching (http://en.wikipedia.org/wiki/J._Francis_Hitching), ein Autor, der über paranormale Phänomene schreibt und der Szene der Kreationisten zuzuordnen ist, also Sprecher einer religiösen Auffassung und kein Biologe. Dieser Herr taucht auf einer Website eines türkischen Kreationisten auf, der aus Hitchens Antidarwinbuch zitiert. Diese Website werde ich nicht verlinken, weil der Seiteninhaber laut wikipedia ein ehemaliger Holocaustleugner und Knastbruder (wurde zu drei Jahren verurteilt)ist. Die Website dieses türkischen Kreationisten ist eine Verunglimpfung und Verzerrung des Darwinismus. Ich schreibe das nur,weil man wirklich aufpassen muss, mit welchen Leuten man zu tun hat. Habt bitte Verständnis, wenn ich so eine Seite aus dem Internet nicht verlinke. Das nur zur Information.
Liebe Grüße
mombour
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Kumulative Selektion ist der Schlüssel, aber sie mußte erst einmal einsetzen, und wir kommen nicht um die Notwendigkeit herum, ein Ein-Schritt-Zufalls-Ereignis bei der Entstehung der kumulativen Selektion selbst vorauszusetzen.
Darum geht es jetzt. Bloß ist dieser Ein-Schritt- Zufall nicht das größte in der Welt, ohne diesen Zufall die Evolution niemals in Gang gekommen wäre. Was für ein Zufall. Und schon kommt ein Einwand von Evolutionsgegner, na, ja, hinter dem allen muss doch ein Gott sitzen. Auf den ersten Blick mag man sich vielleicht damit zufrieden geben. Dawkins allerdings sagt, Aussagen wie „Gott war immer da“ sei nur ein fauler Ausweg, „dann könnten wir genausogut sagen: >>DNS war immer da<< oder Leben war immer da<<...“, das allerdings wäre auch ein fauler Kompromiss.
Nun gibt es Chemiker, die verschiedene Theorien zur Entstehung des Lebens entwickelt haben, die sog. Theorie einer Ursuppe (http://de.wikipedia.org/wiki/Chemische_Evolution), oder die Theorie des Chemikers Alexander Graham Cairns-Smith, der sagt, „dass lösliche Tonminerale der Schritt zwischen toter Materie und Lebewesen seien“(Quelle: hier (http://de.wikipedia.org/wiki/Graham_Cairns-Smith)). Dawkins, obwohl er weiß, dass diese Theorie „weniger beliebt“ ist, versucht auf mehreren Seiten diese Theorie dem Leser näherzubringen, was natürlich so ziemlich unmöglich , wenn der Leser kaum chemische Vorkenntnisse mitbringt, auch die Erläuterung auf Wikipedia, die übersichtlicher vorgetragen wird, erscheint mit fantastisch, auch wenn ich sie nicht verstehe. Wir können getrost die ganze Chemie ruhig mal vergessen, und beschäftigen uns kurz mit der Frage, warum es denn noch nie einem Chemiker gelungen sei, in einem chemischen Labor leben herzustellen (also, wir sind ja in einem Literaturforum und denken selbstverständlich Frankenstein's Monster..... ;D), aber schauen wir uns Dawkins' verblüffend einfache Antwort an:
....Wenn sich die spontane Entstehung von Leben als ein so ausreichend warscheinliches Vorkommnis erwiese, daß es während der wenigen Menschenjahrzehnte entstünde, in denen sich Chemiker damit befaßt haben, dann hätte das Leben viele Male auf der Erde und viele Male auf Planeten im Funkbereich der Erde entstehen müssen.
Was ist ein Wunder?
Ein Wunder ist, wenn eine Marienstatue aus Mamor uns mit einer Hand zuwinkt. Es ist ein Wunder, weil wir das niemals erwarten würden. Und doch, wenn es geschehen würde, könnte man dieses Wunder wissenschaftlich erklären. Die Hand einer Marienstatue bewegt sich, wenn sich
durch pure Koinzidenz alle Moleküle zufällig im selben Moment in dieselbe Richtung bewegten..Die Chancen gegen einen solche Koinzidenz sind unvorstellbar, aber nicht unberechenbar groß.
Das hat mir gefallen. Alles ist möglich, alle Wunder können wissenschaftlich erklärt werden, demnach muss die Entstehung des Lebens ein Wunder sein, dass auch wissenschaftlich erklärt werden könnte?
Meine Konsequenz daraus: Der „Ein- Schritt - Zufall“ hat sich, obwohl äußerst unwarscheinlich, sich einfach trotzdem ereignet (ein warum gibt es nicht-Zufall) und dann setzte die kumulative Selektion ein. Der nächste höchst unwahrscheinliche Zufall war, vielleicht aus zufälliger Mutation oder sonst was, das aus Materie Leben (Bewusstsein) entstand.
Liebe Grüße
mombour
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Hallo liebe Leser,
auf geht's ins Finale ;D
Sexuelle Selektion
Charles Darwins Schwerpunkt: Überleben und der Kampf ums Dasein dient zum Zweck der Fortpflanzung. Durch Auslese werden Qualitäten gefördert, die einem Tier bei der Fortpflanzung zum Erfolg führen können. Um die schwierigen Überlegungen zur sexuellen Auslese zu erläutern, wählt Dawkins als anschauliches Beispiel den Schwanz des afrikanischen Hahnenschweif-Widah, ein Vogel, der über Grasebenen Afrikas spektakuläre Schaupflüge demonstrieren kann, Dawkins die Evolution des langen Schwanzes interessiert, der warscheinlich als Folge eines explosiven Vorgangs so geworden ist wie er ist.
Die Weibchen treffen die Wahl des Partners. Die weibliche Präferenz wird genauso wie die Schwanzlänge von Polygenen beeinflusst. Der Biologe Ronald Aylmer Fisher (http://de.wikipedia.org/wiki/Ronald_Aylmer_Fisher) war der erste, der von Präferenz sprach, Darwin sprach noch von weiblichen Launen und wurde deshalb von einigen Kritikern angefochten. R.A. Fisher rückte Darwins Theorie wieder ins rechte Licht. In den Polygenen liegt also die Antwort. Sie sind dafür verantwortlich, wie ein Weibchen auf das Männchen reagiert, auf Farbe, bzw. wie in unserem Beispiel die Schwanzlänge. Wir erfahren, R.A. Fisher und R. Lande davon ausgegangen sind, dass
gleichermaßen Gene für weibliche Präferenz in den Körpern der Männchen getragen werden, auch wenn sie nur in weiblichen Körpern zum Ausdruck kommen. Und Gene für männliche Schwänze werden in weiblichen Körpern getrafen, auch wenn sie bei den Weibchen nicht zum Ausdruck kommen.
Das scheint verwirrend, ist es aber nicht, denn Dawkins weiß es zu erklären, warum es sich so verhält. Die Präferenzen, die nicht zum Ausdruck kommen, können für spätere Generationen (z.B. Enkelgeneration), d. h. ein Weibchen, dass Präferenzen für einen langen Schwanz in sich trägt, veerbt bei einem männlichen Nachkommen den langen Schwanz. (So einfach ist das).
Da Dawkins' Ausführungen seitenlang weitergehen, kann ich davon nur einen Bruchteil auf diese Weise weitergeben. Schön zu erkennen, auch hier liegt ein kleines/großes Wunder der Natur vor, denn sie reagiert äußerst praktisch, wenn wir bedenken, „daß der Geschmack des Weibchens nicht die einzige Art von Selektion ist, die für die männliche Schwanzlänge bestimmend ist“, denn, wenn ein Schwanz zu lang ist, kann die Flugfähigkeit erschwert werden, außerdem der Vogel mehr Energie verbrauchen muss. Die Natur „berücksichtigt“ alles.
Im letzten Kapitel „Rivalen ohne Zukunft“ behandelt Dawkins u.a. den Lamarckismus und geht noch mal kurz auf den Kreationismus ein, mit dem sich Biologen heutzutage auch beschäftigen müssen, weil sie damit konfrontiert werden. Für Dawkins, und ich gehe davon aus, von der Evolutionsbiologie aus gesehen, haben rivalisierende Theorien keine Chance. So sagt Dawkins
Kein seriöser Biologe bezweifelt die Evolution, ebensowenig bezweifelt er, daß alle Lebewesen miteinander verwandt sind.
Lamarckismus
Jean Baptiste de Lamarck (http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Baptiste_de_Lamarck) (1744-1829) lehrte die Theorie des Mechanismus der Evolution. In der Erläuterung dieser Theorie lässt Dawkins mythische Elemente weg, so der Franzose geglaubt habe, es gäbe so eine Art Stufenleiter des Lebens, und von Tieren, die bewusst etwas anstreben, als ob sie sich bewusst weiterentwickeln wollten. So etwas schwammiges lässt er also weg. Mit zwei Dingen, die auch der Neolamarckismus übernommen hat, wird Aufmerksamkeit geschenkt:
A) Die Vererbung erworbener Eigenschaften
B) Das Prinzip des Benutzens und Nichtbenutzens
Zu A) Erworbene Eigenschaften sind nicht vererbbar. „Alle Beweise deuten darauf hin...“
Zu B) demnach benutzte Körperteile größer werden, nichtbenutzte aber kleiner.
Anschauliches Beispiel: Benutzte Muskeln, die trainiert werden, werden größer, wenigbenutzte kleiner (schlaffer), nichtbenutzte schrumpfen. Wenn man dauernd Barfuß geht, wird die Haut an der Sohle härter (Hornhaut). Von Generation zu Generation bekommen die Nachfahren immer härtere Füße.
A) und B) gemixt ergibt die Lamarcksche Evolutionstheorie (ich weiß allerdings nicht, ob Dawkins hier nicht doch vereinfacht, aber offenbar sind A) und B) entscheidene Pfeifer dieser Theorie.).
Also, immer härtere Fußsohlen?
Anhand der Embryologie nimmt Dawkins den Lamarckismus unter die Lupe:
1)Präformismus (http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4formationslehre) (Blaupausentheorie)
2) Epigenese (http://de.wikipedia.org/wiki/Epigenese) (Rezepttheorie)
zu1)
Es ist wirklich wahnsinnig. Es gabvor langer Zeit Präformisten, die geglaubt haben, der komplette Erwachsenenkörper sei schon in den Spermien präformiert. Man stelle sich vor: Einen Miniaturmenschen unter dem Mikroskop in einer befruchteten Zelle zu sehen. Dazu fällt mir ein, dieses wiederspräche schon der Evolutionstheorie, weil komplexes Leben nicht auf einmal plötzlich da war, sondern sich sehr langsam entwickelt hat. Der moderne Präformismus stellte die These auf, die DNS entspreche einer Blaupause des Erwachsenenkörpers, der dreidimensionale Körper als eindimensionaler Code. Das ist rein theoretisch schon möglich. EinArchitekt zeichnet dreidimensionale Häuser zweidimensional auf. Eindimensional wird es, wenn man Blaupausen als Impuscode in einem Computer speichert. Die DNS ist auch eindimensional.
Zu 2)
Ein Rezept
„ist ein Satz von Instruktionen, die in der richtigen Reihenfolge ausgeführt, einen Kuchen hervorbringen werden“
Eine verständliche Analogie zur Epigenese, denn genauso läuft es in den Genen ab. Die embryonalentwicklung ist ein Vorgang von Millionen von Einzelschritten.
Das Verhalten einer speziellen Zelle hängt nicht von den Genen ab, die sie enthält „- denn alle Zellen in einem Körper enthalten denselben Satz von Genen - , sondern davon, welche Untergruppe der Gene in jeder Zelle „aktiviert“ wird.“ Daraus ergibt sich folgendes: Man kein keine spezielle Gene auf ein spezielles Körperteil beziehen. Die Entwicklung der Zellen in Kombination, welche Untergruppen der Gene nun aktiv sind usw..., und das dann schließlich ein Mensch daraus wird (klingt banal, ich weiß) ist so dermaßen gewaltig komplex, wie die Evolution eben ist, sodass die sog. Blaupausentheorie erblassen muss, schließlich können wir auch nie sagen, welcher Kuchenkrümel für welches Wort in dem Rezept steht. Das Backmaterial zu einem Kuchenrezept führt in einer rechten Mischung und Behandlung zu einem Kuchen. Auf ähnliche Weise geht es in den Genen/Zellen zu, damit sich ein Embryo entfalten kann.
Schlussfolgerung – Lamarckismus Ja oder Nein
Lamarckisten benutzen gerne das Beispiel mit der Hornhaut. Ein Bankangestellter hat weiche gepflegte Hände, nur sein Mittelfinger hat eine Hornhaut am rechten Mittelfinger. Lamarckisten glauben, dass die Genen der Nachfahren in ihrer Entwicklung sich so verändern, dass Nachkommen die Hornhaut des rechten Mittelfingers aufweisen. Wie wir oben gesehen haben, geht das aber nicht, weil Gene keine Blaupausen sind, es nicht einzelne Gene für bestimmte Körperteile gibt. An dieser Stelle möchte ich noch ergänzen, wenn Babies auf die Welt kommen, sind die Fontanellen (http://www.rund-ums-baby.de/fontanellen.htm), Öffnungen am Schädelknochen noch geöffnet, sie schließen sich erst während der ersten beiden Lebensmonate. Das ist auch ein Hinweis, dass keine Miniversion eines kompletten Erwachsenenköpers in einer Zelle vorhanden ist, kein Homukulus, auch nicht als eindiomensionale DNS.
Kreatinonismus
Bevor Gedanken von Dawkins einfließen, erst meine: Wenn also die Blaupausentheorie Unfug ist, betrachten wir nochmal gedanklich die komplexe Entwicklung eine Embryos, muss ich logischerweise davon ausgehen, dass da kein Gott mit Blaupausentechnologie am Werke war. Wäre ein Gott da, der alles im Sinne von Präformismus geschaffen hat, würde sich ein Embryo auch auf diese Weise entwickeln. Das stimmt aber nicht. Die Epigenese (Rezepttheorie) hat sich als wahr erwiesen.
Dawkins weiß natürlich, es gibt Theologen, die die Evolutionstheorie hinehmen, weil die Beweise erdrückend sind. Es gibt aber auch andere Theologen, die sagen, Gott lenke die Evolution. Die Evolutionslehre kann nicht das Gegenteil beweisen, kann nur erklären, wie komplexes Leben ensteht. Ein Kirchenmann oder Kreationist postuliert einfach so, es gebe einen Gott, so Dawkins und folgert, die Biologen könnten auch einfach so organisierte Komplexität postulieren, und sich keine Mühe mehr geben, um dieses Postulat zu beweisen. Die Evolutionsbiologie hat die besseren Karten, weil sie ihre Theorie beweisen kann.
Wer sich für die Auseinandersetzung zwischen Kreationisten und Evolutionstheoretikern ein Bild machen möchte, dem sei dies empfohlen:
Ulrich Kutschera: Tatsache Evolution: Was Darwin nicht wissen konnte
Ulrich Kutschera: Streitpunkt Evolution: Darwinismus und Intelligentes Desgin
Epilog
Wenn man sich mit Evolutionsbiologie auseinandersetzten möchte, wird man mehrere Bücher lesen wollen. Eines genügt sicherlich nicht, denn es ist fraglich, ob Richard Dawkins' Buch wirklich etwas für den Einsteiger ist. Es hat ca. drei Kapitel gegeben, die ziemlich schwierig sind, soviel im Detail, das schon fast verwirrend. Trotzdem, dieser Uhrmacher hat sich voll gelohnt, besonders die Sache mit dem Auge, mit den Fledermäusen, das Kapitel „Ursprünge und Wunder“, die Auseinandersetzung mit dem Lamarckismus haben mir außerordentlich gefallen, in diesen Buchteilen mir auch besonders die Grundlagen der Evolutionstheorie dargebracht wurden, und wenn in diesem Sinne, in meinen Beiträgen etwas davon hängengeblieben sein sollte, dann bin ich sehr froh und glücklich. Ich bin froh und glücklich, dass das Thema Evolution einen starken Eindruck auf mich hinterlassen hat, dass ich anders nachdenken kann über das Leben.
Die Beschäftigung mit der Evolution muss irgendwann zur Philosophie führen. Im Vorwort zu „Eros, Kosmos Logos“ zitiert Ken Wilber Schelling:
Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?
Wilber stellt sich gegen die sog. „Hoppla“- Anwort, es geschehe einfach so zufällig, beliebig, ohne Grund. So eine Reaktion, so Wilber,
stellt so ungefähr das Infaltilste an Reaktion dar, was überhaupt menschenmöglich ist.
Die andere Anwort, also nicht „Hoppla“, vermutet hinter dem „Zufallsdrama“, bzw. dem „Ein.Schritt-Zufall“ der Evolutionstheorie „eine tiefere oder höhere oder weitere Struktur oder Ordnung oder Intelligenz.“ (Wilber).
Ken Wilber sagt, es gehe etwas anderes da noch vor , „etwas ganz anderes als >>Hoppla!<<.“
Demnach Ken Wilber in „Eros, Kosmos, Logos“ diese Gegensätze aufheben will.
FINE
und liebe Grüße
mombour
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Danke für Deine ausführlichen Reflexionen.
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Bitte, gerne geschehen. Hat mir Freude bereitet. :)
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Hallo mombour,
Auch von mir danke für deine interessante Beiträge. Ich werde sie wieder lesen, weil ich mich für meinem Studium mit philosophische und theologische Frage über Darwinismus beschäftigen werde.
Liebe Grüße
wanderer
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... weil ich mich für meinem Studium mit philosophische und theologische Frage über Darwinismus beschäftigen werde.
Oh, vielleicht hören wir mal davon. :) Interessiert mich, besonders was Philosophen in dieser Sache meinen.
Sei gegrüßt
mombour
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... weil ich mich für meinem Studium mit philosophische und theologische Frage über Darwinismus beschäftigen werde.
Oh, vielleicht hören wir mal davon. :) Interessiert mich, besonders was Philosophen in dieser Sache meinen.
Hallo mombour,
Sehr gern werde ich etwas schreiben, über wie Philosophie und Theologie sich mit Darwinismus manchmal auseinandersetzt haben. Ich brauche aber noch Zeit :-[. Und ich werde vielleicht auch Fragen stellen: Ein Austausch wäre für mich wertvoll. :)
Viele Grüße
wanderer
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Sehr gern werde ich etwas schreiben, über wie Philosophie und Theologie sich mit Darwinismus manchmal auseinandersetzt haben.
Oh ja prima, das interessiert mich auch :)
LG
Anita
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Hallo!
Ich habe deine Ausführungen ebenfalls mit Interesse gelesen. Persönlich habe ich mit Dawkins ein Problem: Er hat in Gott (bzw. den Gottesgläubigen) seinen Widerpart entdeckt und bezieht sich in fast allen seinen Arbeiten auf Mythologien unterschiedlichster Provenienz. Durch diese ständige Bezugnahme erweist er aber diesen Mythologien zu viel der Ehre. Und in mancher Hinsicht übernimmt er dann schließlich Grundpositionen (etwa im "Gotteswahn"), wo er anhand von Wahrscheinlichkeiten die Nichtexistenz von Gott zu beweisen sucht. Das aber bedeutet nichts anderes als (lt. Popper - allerings in anderem Zusammenhang) mit gezücktem Schwert in den Sumpf zu springen und dort zu versinken.
Bei diesem Buch scheint das Ganze auch nach bewährtem Muster abzulaufen: Darwinismus und Gottesglaube werden gegenübergestellt und implizit wird dabei so getan, als ob der Darwinismus, wenn er sich denn in Teilen (oder auch insgesamt) als falsch herausstellen würde, dadurch die Gottesthese stützen könnte. Was natürlich vollkommener Unsinn ist, da die mögliche Falschheit des Darwinismus bloß ein Fingerzeig dafür wäre, dass nach anderen, besseren Theorien gesucht werden muss. Für irgendwelche Mythologien beweist das gar nichts, diese sind als ad-hoc-Theorien vollkommen beliebig und entziehen sich jeglicher Beweisbarkeit, Falsifizierbarkeit. Alle jüdischen, christlichen, islamischen, buddhistischen, hinduistischen - was auch immer - Weltentstehungstheorien bleiben bezüglich ihrer "Gültigkeit" davon vollkommen unberührt, ich kann ein rosarotes Karnickel als Schöpfer postulieren, ein ins Kraut geschossenes, besoffenes Wasserstoffatom, eine größenwahnsinnige Banane oder das Spaghettimonster: All dies hat nicht mehr oder weniger Berechtigung als die graue Wolke über dem Sinai als Demiurg unserer Welt.
Bei Dawkins will es oft so scheinen, als ob Gott und Wissenschaft einander gegenüberstehen, sogar einander bedingen. Tatsächlich aber haben sie nichts miteinander zu tun, sie koexistieren in vollkommen unabhängigen Räumen, so wie Einhörner, fliegende Drachen und Orks in der Biologie keine Rolle spielen. Niemand würde irgendwelche biologische Erkenntnisse als Beweis für oder gegen Fabelwesen betrachten. Hier gibt es schlicht keinen Zusammenhang.
lg
orzifar
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Hallo orzifar,
die Gegenüberstellung, bzw. der Bezug zwischen Evolutionstheorie und Gottesschöpfungsglaube wird gemacht, seitdem es die Evolutionstheorie gibt, weil durch diese Theorie die "Wort für Wort"-Gläubigkeit zum ersten mal angekratzt wurde. Gottes Schöpfung ist also nicht 6000 alt sondern sehr viel älter. Das also das Gottesproblem in Evolutionsbüchern angesprochen wird, hat historische Gründe. Das hat nichts mit Dawkins zutun. In dem Buch von Marc W. Kirschner, John C. Gerhart ("Die Lösung von Darwins Dilemma") wird der teleologische Gottesbeweis von William Paley auch besprochen, offenbar ein beliebtes Beispiel von Evolutionsbiologen.
Dazu muss auch gesagt werden, das Gottesthema in Dawkins' Buch, sollte man nicht überbewerten, dieses Thema wird einige Male angesprochen, es geht aber primär immer um die Evolutionstheorie.
ich kann ein rosarotes Karnickel als Schöpfer postulieren, ein ins Kraut geschossenes, besoffenes Wasserstoffatom, eine größenwahnsinnige Banane oder das Spaghettimonster:
Es geht hier doch nicht um lokale Kleingottgläuberei, sondern darum, ob es eine höhere Instanz gibt, die alles erschaffen hat.
Das sich heutige Evolutionsbiologen wie z.B. Ulrich Kutschera mit dem Kreationismus beschäftigen müssen, hat zeithistorische Gründe. Kreationisten in den USA haben sehr zugelegt (in Deutschland auch) und versuchen mit allen Mitteln die Evolutionstheorie zu verunglimmpfen, auch mit unlegalen Mitteln (man lese hierzu bitte die amazon- Rezension von Thomas Junker zu Ulrich Kutschera: "Tatsache Evolution"). Wenn Biologen heute sich mit dem Kreationismus beschäftigen, dann geht es um Aufklärung. Das finde ich in Ordnung.
Dawkins' Buch "Der Gotteswahn" habe ich noch nicht gelesen, aber inzwischen mag es ungefähr ein Dutzend contras zu dem Buch geben, weil es die Gegenfraktion aufgewühlt hat. Natürlich wird es nie einen Antigottesbeweis oder Gottesbeweis geben. In "Der blinde Uhrmacher" drückt sich Dawkins noch recht gewählt aus und hält die Existenz Gottes für recht unwascheinlich. Ich verstehe nicht, was daran problematisch sein soll?
Man könnte Dawkins höchstens den Vorwurf machen, er predige dauernd den Atheismus wie ein Gläubiger. Der Atheismus ist seine Religion. ;D
Bei Dawkins will es oft so scheinen, als ob Gott und Wissenschaft einander gegenüberstehen, sogar einander bedingen. Tatsächlich aber haben sie nichts miteinander zu tun, sie koexistieren in vollkommen unabhängigen Räumen, so wie Einhörner, fliegende Drachen und Orks in der Biologie keine Rolle spielen. Niemand würde irgendwelche biologische Erkenntnisse als Beweis für oder gegen Fabelwesen betrachten. Hier gibt es schlicht keinen Zusammenhang.
Als großer Sympathisant des Philosophen Ken Wilber sage ich, es hängt alles zusammen. Integrale Theorie, das hat Zukunft.
Liebe Grüße
mombour
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Hallo mombour,
Das also das Gottesproblem in Evolutionsbüchern angesprochen wird, hat historische Gründe. Das hat nichts mit Dawkins zutun.
Das stimmt so nicht ganz. Natürlich war die Evolutionstheorie eine der ersten, die auf wissenschaftlich fundierte Weise den überkommenen Schöpferdarstellungen und Mythen widersprochen hat. Und dass der Glaube an allen möglichen Humbug immer noch in den Köpfen der Menschen steckt ist auch unzweifelhaft. Allerdings ist die Penetranz, mit der Dawkins agiert, durchaus nicht üblich, sondern (vielleicht mit einem Blick Richtung Verkaufserfolg) schon außergewöhnlich. Ich kenne durchaus Bücher über Evolutionsbiologie, die so gut wie jeden "Schöpfergedanken" außen vor lassen und sich mit den uns zur Verfügung stehenden Fakten begnügen. Das ist dann halt weniger erfolgreich bezüglich Verkaufen, eher ein Lesebuch für Studenten. Wie gesagt - mich nervt diese Penetranz und - manchmal - auch die Unsinnigkeit (wie im "Gotteswahn"), mit der Dawkins auf diesem Thema rumreitet (und so nebenher irgendwelchen Gottesgläubigen auch noch Argumente - ungewollt - zuspielt).
Zum anderen geht es natürlich - auch - um Aufklärung. Aber ich nehme eben für mich in Anspruch, dass ich einer solchen - was den Schöpfungsglauben (in all seinen Varianten) anlangt - nicht mehr bedarf. Diskussionen mit religiösen Menschen ermüden mich, ich vermeide derlei, weil ich einerseits niemanden beleidigen will (da gibt's ja liebe und nette Naivlinge darunter), andererseits aber auch keine Lust habe, mich auf Grundlage religiösen Gedankenguts auf Diskussionen einzulassen.
Wenn es schon um Aufklärung geht, sollte man aber bestimmte Diskussionsmuster vermeiden. So wie Dawkins mutatis mutandis das völlig unsinnige "Wettargument" Pascals wieder aufnimmt. (Im übrigen eine der häufigsten Varianten unsinnigen Argumentierens: Zwei Alternativen anzubieten und so zu tun, als ob damit der Bereich an Möglichkeiten erschöpft wäre. Wobei eine der Alternativen mit offenkundig angenehmeren Konsequenzen verbunden ist) Er begibt sich damit auf eine unredliche Argumentationsschiene - und das ist dann bezüglich "Aufklärung" kontraproduktiv. Dawkins hat in England eine Art Werbekampagne gestartet, indem man Texte des Inhalts "There is probably no god" geschaltet hat. Abgesehen davon, dass ich mich am "probably" stoße, halte ich derlei im Sinne einer "Aufklärung" für wenig zielführend. Möglicherweise ist sogar das Gegenteil der Fall. Bezüglich der Kampagne haben sich nicht von ungefähr die Kirchen positiv geäußert: Man spreche endlich wieder über Gott. (Im Grunde mache ich grad den gleichen Fehler: Ich poste schon wieder ;)).
Dawkins halte ich für medien- bzw. öffentlichkeitsgeil. Vor gar nicht allzu langer Zeit hat er sich nicht entblödet, sich mit Th. Gottschalk in einer Kerner(? - kann auch ein anderer dieser Futzis gewesen sein, ich kann sie nicht unterscheiden)-Talkshow auseinanderzusetzen. Gottschalk als Verteidiger eines obskuren Gottesglaubens, Dawkins als sein Widerpart. Das hat nun gar nichts mehr mit Aufklärung zu tun, sondern mit Wichtigmacherei (und/oder PR-Arbeit).
Es geht hier doch nicht um lokale Kleingottgläuberei, sondern darum, ob es eine höhere Instanz gibt, die alles erschaffen hat.
Klein- und Großgötter? ;) Mit Verlaub, das ist alles dasselbe. Die Götter werden nur ungreifbarer, nebulöser im Laufe der Geschichte, weil sich deren reale Ausstattung selbst für Gläubige als mit der Zeit unglaubhaft erwiesen haben.
Das sich heutige Evolutionsbiologen wie z.B. Ulrich Kutschera mit dem Kreationismus beschäftigen müssen, hat zeithistorische Gründe. Kreationisten in den USA haben sehr zugelegt (in Deutschland auch) und versuchen mit allen Mitteln die Evolutionstheorie zu verunglimmpfen, auch mit unlegalen Mitteln (man lese hierzu bitte die amazon- Rezension von Thomas Junker zu Ulrich Kutschera: "Tatsache Evolution"). Wenn Biologen heute sich mit dem Kreationismus beschäftigen, dann geht es um Aufklärung. Das finde ich in Ordnung.
Prinzipiell ja. Aber man sollte auch nicht jedem Unsinn nachgehen. Wer jeden religiös motivierten Schwachsinn zu widerlegen sich anschickt, tut irgendwann nichts mehr anderes.
Dawkins' Buch "Der Gotteswahn" habe ich noch nicht gelesen, aber inzwischen mag es ungefähr ein Dutzend contras zu dem Buch geben, weil es die Gegenfraktion aufgewühlt hat. Natürlich wird es nie einen Antigottesbeweis oder Gottesbeweis geben. In "Der blinde Uhrmacher" drückt sich Dawkins noch recht gewählt aus und hält die Existenz Gottes für recht unwascheinlich. Ich verstehe nicht, was daran problematisch sein soll?
Es gibt keine Wahrscheinlichkeit für oder gegen Gott. p = 1/6 für einen Wurf mit ungezinkten Würfeln (dass eine 6 gewürfelt wird). Die Wahrscheinlichkeit für Gott ist weder 1/2 noch liegt sie sonst irgendwo im Bereich zwischen 0 und 1, sondern es gibt diese Wahrscheinlichkeit einfach nicht. Hier wird der math. Begriff der Wahrscheinlichkeit mit dem Alltagssprachgebrauch unzulässig vermischt (wahrscheinlich regnet es morgen, wahrscheinlich werde ich in den nächsten Wochen einige Bücher auf der UB entlehnen - und wahrscheinlich bekommt ein Mann über 60 bei vorwiegend sitzender Tätigkeit veritable Hämorrhoiden. Letzteres wäre aber zumindest einer statistischen Erhebung zugänglich, obschon in diesem Zusammenhang "veritabel" noch zu definieren wäre). Das ist genau diese oben bezüglich der Pascalschen Wette beschriebene Unsinnigkeit. Wie es auch keine Wahrscheinlichkeit bezüglich der Existenz des Osterhasen gibt. Es gibt bestimmte Fakten, die für oder gegen eine Theorie sprechen, Fakten auf empirischer Grundlage, die eine Theorie plausibler als die andere erscheinen lassen. Wobei: Gottesvorstellungen entstanden ursprünglich sicher (u. a.) als Erklärungsmodelle für vorläufig unbegreifliche Phänomene (Blitz und Donner waren nicht umsonst in vielen Kulturen Attribute Gottes). Und im Grunde tut die Theologie auf ihrem Rückzug heute noch nichts anderes: Sie setzt ihre Wesenheit dort ein, wo man nichts Genaues weiß (oder wissen kann). Ein öst. Kardinal war über die Urknalltheorie saufroh: _Vor_ die Singularität hat er seinen Gott platziert.
Bei Dawkins will es oft so scheinen, als ob Gott und Wissenschaft einander gegenüberstehen, sogar einander bedingen. Tatsächlich aber haben sie nichts miteinander zu tun, sie koexistieren in vollkommen unabhängigen Räumen, so wie Einhörner, fliegende Drachen und Orks in der Biologie keine Rolle spielen. Niemand würde irgendwelche biologische Erkenntnisse als Beweis für oder gegen Fabelwesen betrachten. Hier gibt es schlicht keinen Zusammenhang.
Als großer Sympathisant des Philosophen Ken Wilber sage ich, es hängt alles zusammen. Integrale Theorie, das hat Zukunft.
Nein. Theologie hat in einer wissenschaftstheoretischen Diskussion bestenfalls als abschreckendes Beispiel etwas verloren ;).
lg
orzifar
Nachsatz: Ich habe mehrfach ein Posten in diesem Thread verworfen, weil ich fürchtete, in unfruchtbare "Gottesdiskussionen" verwickelt zu werden. Ich hoffe nun nicht in dem von mir erwähnten Sumpf zu versinken ;) - mit oder ohne Schwert.
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Hallo orzifar,
mir ist völlig klar, dass Diskussionen um Religion in Foren ein Elend ist. Ich habe da auch meine negativen Erfahrungen gemacht, und mir würde es nie im Traume einfallen, in einem Forum Dawkins' "Gotteswahn" als Diskussion vorzuschlagen. So etwas mache ich lieber innerhalb meiner eigenen vier Wände oder in einem intimeren Kreis. Obwohl ich mich z.Zt. mit dem Buddhismus beschäftige, werde ich auch darüber keine Diskussionen beginnen. Ich bin doch froh, dass "Der blinde Uhrmacher" schwerpunktmäßig die Evolution behandelt hat und das Gottesproblem ziemlich sekundär. Ich merke z.Zt. sowieso, dass mir Philosophie mehr bringt als theologische Themen.
Nun, lassen wir diesen Gott ruhen in pace ;D, nicht wahr?
Liebe Grüße
mombour
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Nun, lassen wir diesen Gott ruhen in pace ;D, nicht wahr?
Unbestätigten Gerüchten zufolge hat Gott auf den vorzeitigen Ruhestand bei vollen Bezügen verzichtet und ist eine (un-)heilige Allianz mit einem ungenannt bleiben wollenden, ehemaligen Erzengel eingegangen. Beide wurde bei der Instandsetzung großer Grillroste beobachtet, vorne prangt angeblich ein Schild "for archbishops only". Viel schweißtreibende Arbeit ...
lg
orzifar