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Lektüren, Rezensionen => Gerade am Lesen ... => Topic started by: sandhofer on 17. September 2018, 18.47 Uhr
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Hallo zusammen!
Im Moment lesen alle (so will es mir scheinen) im Internet "Falsche Propheten" von Leo Löwenthal. Kennt das jemand? Lohnt es sich wirklich derart, wie es angepriesen wird?
Grüsse
sandhofer
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Wenn du Lust auf neomarxistische Gesellschaftskritik hast in Verbindung mit Technikfeindlichkeit - dann lies es. Die "Dialektik der Aufklärung" ist ja auch wieder en vogue ...
lg
orzifar
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So was in der Richtung hatte ich befürchtet. Er wird aber im Moment "gehypt" für seine Analyse der Vorgehensweise "falscher Propheten", sprich der populistisch-rechtsextremen Vorgehensweise von Leuten wie Trump, Orban, AfD, FPÖ...
Je nun, ich hab' mir den Text mal bestellt.
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Ich hab das hier stehen - wie einiges andere von Löwenthal (die alten stw-Ausgaben, wahrscheinlich wird es mittlerweile neue geben). Liest du das wirklich - dann guck ich vielleicht auch wieder mal rein (mal sehen, was mein Erinnerungsvermögen dazu sagt, es war halt Faschismuskritik, aber nichts besonders Tiefsinniges - sagt mir mein Gedächtnis, ähnlich wie ich auch Arendts Studien zum Totalitarismus für nichts Großartiges halte). Und die Arendt wird ja auch über den grünen Klee gelobt.
lg
orzifar
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die alten stw-Ausgaben, wahrscheinlich wird es mittlerweile neue geben
Es sind - jedenfalls, was ich bestellt habe - immer noch stw (903). Ich habe immer einen Bogen um die Frankfurter Schule gemacht. Horkheimer / Adorno natürlich als Student gelesen. Aber nicht so recht gewusst, was ich damit soll.
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Hallo!
Dann ist es noch die gleiche Ausgabe. - Ich mochte die Frankfurter Schule auch nie, viele meiner Freunde, Bekannten waren von Adorno, Marcuse, Horkheimer und Habermas äußerst angetan, wohl auch aus politischen Gründen. Und wenn ich auch nie explizit links war (weil ich Marx für Unsinn halte), so sind mir die Linken in ihrer Grundhaltung doch sehr viel näher. Aber ich musste in philosophischer Hinsicht erkennen, dass praktisch alle Vertreter der Frankfurter Schule zum einen einen fürchterlichen Stil ihr eigen nannten und dass sie - noch viel mehr - kaum gute Argumente vorbringen konnten: Weder in epistemologischer noch in soziologisch-politischer Hinsicht. Offenkundig wurde das beim Positivismusstreit, die Positionen der Frankfurter waren einfach nur lächerlich. Dazu kam noch der dogmatische Marxismus, wenn in Diskussionen darauf abgezielt wurde, dass man einfach nicht den "richtigen" Hintergrund hätte: Wobei unter "richtig" schlicht das verstanden wurde, was von ihnen vertreten wurde. Dieses aufgeregt Klassenkämpferische kam mir vor wie eine pubertäre Attitüde (was sie wohl auch war). Und es hatte auch etwas intellektuell Niveauloses.
lg
orzifar
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Hallo!
Dann ist es noch die gleiche Ausgabe.
Denke schon. Da drin steht: "1. Auflage 1990 // 2. Auflage 2017". Da muss jemand bei Suhrkamp ein gutes Marketing-Näschen gehabt haben...
Grüsse
sandhofer
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Bin noch nicht sehr weit. Die ersten paar Seiten sind passabel. Mal schauen, Lesezeit ist im Moment eher rar.
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Betreffs Lesezeit geht es mir leider ganz ähnlich: Dabei waren September und Oktober eigentlich als leseintensive Monate vorgesehen. >:(
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Bin jetzt mal ein bisschen zum Lesen von Löwenthal gekommen. "Falsche Propheten" ist besser als befürchtet, scheint mir aber in seinen Kernaussagen einigermassen banal zu sein.
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Vor allem scheint mir eine 1:1-Übertragung der Löwenthal'schen Aussagen auf heutige Verhältnisse (Trump, Erdogan, Orban...) problematisch. Die Agitatoren, die Löwenthal bespricht, waren antisemitische Kleinbürger mit entsprechend wenig Anhang. Trump ist zwar in gewissen Dingen ähnlich, aber dennoch...
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Ich sehe das ganz ähnlich wie du: Es gibt Parallelen (die sich aufdrängen und fast selbstverständlich sind), Unterschiede (der Antitsemitismus von heute kann sich nicht mehr gegen jüdische Bürger richten, weil es die fast nicht mehr gibt, dafür gibt es eine Art Rothschild-Syndrom, das heute durch Soros personifiziert wird (etwa in Ungarn, Österreich und auch den USA)) und bestimmte autoritäre Strukturen, die damals wie heute als eine "antipolitische" (Antiestableshment - was immer das ist) Lösung aller Probleme gesehen wird. Wobei heute vieles künstlich wirkt: Denn kaum jemand leidet wirklich Not, sodass viel mehr mit dem Neid-Effekt gearbeitet werden muss. Die Schwierigkeit bei solchen Büchern (damals wie heute, ich lese gerade "Mauern die neue Abschottung und der Niedergang der Souveränität" von Wendy Brown) besteht darin, dass die Dummheit der Menschen so evident ist, trotzdem offenbar nicht geändert werden kann und dieser verkürzte Unsinn mehrheitsfähig ist. Und es offenbar auch keine Lösungsmöglichkeit für dieses Dilemma gibt, die Appelle an die Vernunft (aber was sonst) klingen lächerlich hilflos.
lg
orzifar
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Die andern Beiträge scheinen mir weniger interessant. Vielleicht noch der über die KZ-Erfahrungen.
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Ich habe nun das Buch im Blog vorgestellt (https://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=9814). Als Denkanregung vielleicht ganz interessant, aber es bringt einen leider auch nicht weiter. Rhetorische Strukturen analysiert zu haben, heisst noch nicht, wie unwirksam gemacht zu haben; und ein Rezept dafür kann auch Löwenthal nicht bieten.
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Hallo orzifar!
Betreffs Lesezeit geht es mir leider ganz ähnlich: Dabei waren September und Oktober eigentlich als leseintensive Monate vorgesehen. >:(
Wie sieht's denn mit dem November aus?
Grüsse
sandhofer
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Ach herrje,
ganz schlechtes Lesekarma. Aber wie. Irgendwie klappt derzeit gar nix (etwa eine defekte Zentralheizung, die mir eine ganze Woche Telefoniererei und Installateursarbeiten eingebracht hat), dann wieder ein zerschossener GRUB2 (und ich konnte mich nicht mehr erinnern, wie man das wieder hinbringt - leicht, wenn man's weiß, so nebenbei habe ich meinen Reisepass verloren (den ich dringend gebraucht hätte) und erneute Rennerei steht ins Haus). So geht es ständig dahin - ich bin nur noch geschlaucht. Und Arzttermine ... und und und ... aaa
Ich muss mal einen Kotzsmiley uploaden.
lg
orzifar
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Dann wünsche ich Dir, dass das bald wieder ändert.