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Lektüren, Rezensionen => Gerade am Lesen ... => Topic started by: sandhofer on 11. August 2016, 19.26 Uhr
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Hallo!
Nachdem ich bei der erneuten Lektüre von Mendelssohns ästhetischen Schriften in Auswahl festgestellt habe, dass es sich lohnen könnte, mehr von ihm zu lesen, habe ich mir die zweibändige Werkauswahl der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft gegönnt.
Bin jetzt in seinen frühen Schriften, wo er z.B. versucht, Spinoza als einen Vorläufer von Leibniz' prästabilierter Harmonie darzustellen. Das klingt jetzt ziemlich dumm, ist aber recht klug gemacht. Und: Mendelssohn wird in jeder Schrift besser.
Grüsse
sandhofer
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Hallo!
Von Mendelsohn weiß ich im Grunde zu wenig um beurteilen zu können, ob sich die Lektüre seiner Schriften lohnt. Allerdings gibt es in der Philosophiegeschichte sicher skurrilere, dubiosere Ideenrekonstruktionen (allein die Tatsache, dass sich Fichte als Kant-Nachfolger versteht) als einen Zusammenhang zwischen Spinoza und Leibniz darzustellen. Ich warte gespannt auf deine Darstellung, vielleicht kannst du mein Interesse für Mendelsohn wecken (es müssen ja nicht die ästhetischen Schriften sein ;) - für derlei habe ich nur geringe Neigung).
lg
orzifar
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So weit ich bis jetzt sehen kann, ist die Ästhetik vor allem ein Steckenpferd des frühen Mendelssohn. (Wobei Ästhetik damals natürlich noch stark mit der Erkenntnistheorie verwandt war.)
Und auf Spinoza verzichtet Mendelssohn offenbar ebenfalls sehr früh. Er verteidigt aber Leibniz und Wolff weiterhin gegen die Berliner Akademie, die nur in den Franzosen 'echte' Philosophen ausmachen wollten.
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Mendelssohn ist ein bisschen weniger platt als der Popularphilosoph Moritz. Was wohl daran liegt, dass er mehr in die Tiefe, aber weniger in die Breite geht.
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Interessant wäre eventuell - auch aus heutiger Sicht - Mendelssohns Buch "Jerusalem" (1783), eine Antwort auf Ch. W. Dohms Schrift über die bürgerliche Verbesserung der Juden, weil in ihm ein zentrales Problem der Neuzeit angesprochen wird: die Trennung von Staat und Kirche, von Religion und Bildungswesen.
Mendelssohn konnte als "Außenseiter" unbefangener als so mancher protestantischer Theologe seiner Zeit über dieses Thema schreiben, seine Gedanken weisen in die Zukunft.
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Jerusalem ist in Band 2 enthalten: Schriften zur Aufklärung und zum Judentum. :hi:
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Hallo!
Ich werde mich vielleicht den Sammelband "Schriften über Religion und Aufklärung" zulegen, dort ist "Jerusalem" auch enthalten. Liegt zwar weit ab von meiner derzeitigen Lektüre - aber warum nicht.
lg
orzifar
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Band I der Studienausgabe ist nun im Blog (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=7642) vorgestellt.
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Mendelssohn, der seine Religion als (einzige) Vernunftsreligion begreift - sich selber aber davon distanziert, Deist genannt zu werden. Seine Auseinandersetzung mit Lavater, der ihn ungebeten und öffentlich aufforderte, eine Schrift, die die Wahrheit des Christentums beweise, entweder zu widerlegen (was Lavater für unmöglich hielt) oder seine Niederlage zuzugeben und selber Christ zu werden. In der Widerlegung eines ziemlich bizarren Beweises war Mendelssohn allerdings besser, als wenn es darum ging, den ontologischen Gottesbeweis zum x-ten Male (und Kant zum Trotz) aufzuwärmen ... Eine merkwürdige Mischung, dieser Mendelssohn ...
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Jerusalem ist in Band 2 enthalten: Schriften zur Aufklärung und zum Judentum. :hi:
"Jerusalem" lohnt sich ganz sicher wegen des Einblicks in die Situation der Juden im "aufgeklärten" Preussen. Mendelssohns Schriften im Streit mit Lavater fand ich allerdings noch besser.
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Ich habe meinen durchzogenen Eindruck von Mendelssohn nun im Blog abgelegt (http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=7679). :yodel:
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Hallo,
das Buch ist angekommen - nebst Sekundärliteratur. Es passt nur noch nicht wirklich zur derzeit gelesenen Lektüre. Aber es hat sich schon einiges zur Aufklärung angesammelt.
lg
orzifar