Autor Thema: Kennst Du die Verfilmung?  (Gelesen 3543 mal)

Offline sandhofer

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Kennst Du die Verfilmung?
« am: 23. September 2011, 16.55 Uhr »
Hallo zusammen!

Vielleicht bin ich im Moment auch nur empfindlich(er), aber mir scheint, dass in letzter Zeit immer mehr, wenn ich schriftlich oder mündlich einen Roman erwähne, die Frage kommt: "Kennst Du den Film?" Was meistens dann dazu führt, dass die weiblichen Gesprächsteilnehmer (oder sagt man jetzt doch: "Teilnehmerinnen"?) von einem der männlichen Hauptdarsteller zu schwärmen beginnen ...  >:(

Nein, ich kenne den Film ziemlich sicher nicht, weil ich mir Verfilmungen selten antue. (Im Moment liegen bei mir zu Hause allerdings als DVD die beiden Staffeln der BBC-Serie zu Wodehouse' "Jeeves & Wooster"-Stories. Aber das ist eine Ausnahme.) Und eigentlich wollte ich übers Buch und nicht übers Sixpack von Joe Dolce diskutieren ...  :(

Grüsse

sandhofer
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Offline mombour

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Re: Kennst Du die Verfilmung?
« Antwort #1 am: 23. September 2011, 18.29 Uhr »
Hallo,

als ob der Film wichtiger ist, als das Buch. ;D  Von solchen Filmanfragen bleibe ich bisher verschont.  Schwärmen? Das sind dann wohl die jüngeren Damen, Teilnehmerinnen, die dann Schwärmen (oder auch ältere?). Ich würde sagen sagen, typische Frauengespräche , die normalerweise nur unter Frauen stattfinden, die dann Schwärmen für irgend so einen Schauspieler. Warscheinlich Jane-Austen-Filme oder Vampire...

Liebe Grüße
mombour
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Offline orzifar

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Re: Kennst Du die Verfilmung?
« Antwort #2 am: 23. September 2011, 19.10 Uhr »
Hallo!

Ich sehe kaum Filme, insofern geht die Frage bei mir ins Leere. Prinzipiell aber scheint es schwierig, gute Literaturverfilmungen zu schaffen, weil es sich eben um ein gänzlich anderes Medium handelt. Meist werden solche Verfilmungen (wenn sie denn gelingen) eigenständige Kunstwerke, die mit dem zugrunde liegenden Buch nur den Titel gemein haben.

In Parenthese: Bücher, die sich zur Verfilmung eignen (Hemingway), langweilen mich zumeist als Bücher.

Ob das Sprechen über das Sixpack eines bestimmten Schauspielers (diesfalls mir gänzlich unbekannt) spezifisch weiblich ist, mag bezweifelt werden: Analog dazu unterhalten sich Männer über andere Körperteile weiblicher Schauspieler (so etwas meine ich jedenfalls schon einmal gehört zu haben).

lg

orzifar
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Offline sandhofer

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Re: Kennst Du die Verfilmung?
« Antwort #3 am: 24. September 2011, 13.06 Uhr »
Hallo!

Von solchen Filmanfragen bleibe ich bisher verschont. [...] Warscheinlich Jane-Austen-Filme oder Vampire...

Du Glücklicher ... Aber Jane Austen ist ein typisches Beispiel. Die BBC hat sich (leider oder verdankenswerterweise?) einer ganzen Reihe von englischen Klassikern des 19. Jahrhunderts angenommen. Und diese Filme sind unterdessen auch auf dem Kontinent bekannt. Aber immer noch besser, als das, was Hollywood üblicherweise aus den Romanen macht ...

Ich sehe kaum Filme, insofern geht die Frage bei mir ins Leere.

Das ist es ja, was mir auf die Nerven geht. Ich rede vom Buch, will vom Buch reden und dann wird auf den Film geschwenkt. OK - bei Stammtischgesprächen u.ä. kann und will ich keine Konsequenz erwarten, aber auch ansonsten - bis hin zu Literaturforen - hat diese Unsitte eingerissen, will mir scheinen.

Prinzipiell aber scheint es schwierig, gute Literaturverfilmungen zu schaffen, weil es sich eben um ein gänzlich anderes Medium handelt. Meist werden solche Verfilmungen (wenn sie denn gelingen) eigenständige Kunstwerke, die mit dem zugrunde liegenden Buch nur den Titel gemein haben.

Yep.

Ob das Sprechen über das Sixpack eines bestimmten Schauspielers (diesfalls mir gänzlich unbekannt) spezifisch weiblich ist, mag bezweifelt werden: Analog dazu unterhalten sich Männer über andere Körperteile weiblicher Schauspieler (so etwas meine ich jedenfalls schon einmal gehört zu haben).

Das ist wohl so. Macht die Sache aber natürlich nicht besser.

Grüsse

sandhofer
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Offline Camenzind

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Re: Kennst Du die Verfilmung?
« Antwort #4 am: 19. Januar 2015, 14.44 Uhr »
Hätte Franz Werfel so geschrieben, wie es im Film "Der veruntreute Himmel" herüberkömmt, es wäre sehr fatal ...

Daß ich alleine vor dem Fernseher am Ende Buh rufe, ist relativ selten ... heut' hast du's erlebt ...

 :)

Offline sandhofer

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Re: Kennst Du die Verfilmung?
« Antwort #5 am: 19. Januar 2015, 20.17 Uhr »
Ja, das ist dann noch das andere: Dass es selten gute Verfilmungen guter Literatur gibt. Im Moment kommt nur nur gerade Clockwork Orange in den Sinn, wo die Verfilmung nicht nur sehr werkgetreu ist, sondern auch noch ein guter Film.

Aber generell ärgert es mich immer wieder, wenn man von einem Buch sprechen will, und das Gegenüber vom Film zu reden beginnt. Ich muss aber zugeben, dass ich seit den 3 Jahren, wo ich den Thread hier gestartet habe, dem Phänomen kaum mehr begegnet bin. Wahrscheinlich aber auch, weil ich immer weniger solche Diskussionen ausserhalb dieses Forums hier anzettele...  >:D
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Offline Karamzin

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Re: Kennst Du die Verfilmung?
« Antwort #6 am: 17. April 2015, 09.05 Uhr »
Da kommt drei Monate nach dem letzten Beitrag von Dir noch ein Beitrag zum Thema daher. Und er ist mit einem Jubiläum verbunden: Vor 40 Jahren, 1975 kam die Verfilmung der "Lotte in Weimar" in die Kinos.
Den fand ich damals mit meiner Familie hinreißend, mit Martin Hellberg als Goethe und Lilli Palmer als Lotte, Rolf Ludwig (1925-1999) mit seinem wunderbar zu "Macher" passenden sächsischen Idiom. http://de.wikipedia.org/wiki/Rolf_Ludwig
Da wurden natürlich Anspielungen auf die DDR-Wirklichkeit versteckt, das Publikum im Kino lachte schallend. Ein sanfter, nicht verletzender Humor wallte.
Der Film erzeugte eine Atmosphäre, die über die Jahrzehnte in Erinnerung geblieben ist. Die inneren Bilder, die sich der Leser bei der Lektüre Thomas Manns schuf, wurden nun konfrontiert mit den Filmbildern. Weimar kannte ich genau, weil ich ja dort in der Nähe aufgewachsen bin. Aber die Felder und Wiesen um Wetzlar - ich hätte damals als Jugendlicher nicht gedacht, dass ich sie noch einmal im Leben sehen würde. Nach der Herstellung der Einheit konnte ich dann zwei Jahrzehnte später das Goethe-Haus in Wetzlar sehen, mit den Bildern des Films im Kopf, und das Thomas-Mann-Haus in Lübeck.

Mehr noch als die Liebesszenen und die knisternden Begegnungen des Trios Goethe/Werther, Charlotte Buff und "Albert"/Kästner beeindruckte mich das abschließende Gespräch der Versöhnung zwischen Goethe und Charlotte in der Kutsche. Der Erzähler Thomas Mann setzt die Worte, dem Leser und Filmzuschauer bleibt überlassen, sich auszumalen, ob dieses Gespräch wirklich stattgefunden hat oder nur im Traum, in der Vorstellung ...

Die gesamte Zeit über blieb ein Wort im Familienjargon: "Ja wo kommst du denn her?" Gemeint war ein Feldspat-Zwillings-Kristall, über den der Geheimrat Goethe höchst erfreut war und dessen Bedeutung in der Tafelrunde nur der Bergsachverständige Abraham Gottlob Werner verstehen konnte. Bei uns bedeutet das, wenn jemand diesen Satz aus Roman und Film zitiert: jemand nervt in einer bunten Diskussionsrunde, in der er dominierend auftritt, mit irgendwelchen Steckenpferden und Details, die außer ihn kein Borstentier interessieren.

Jahrzehnte vergingen. Ich ging nicht mehr ins Kino, wo einst das Publikum in dem vollbesetzten Saal "mitging". Nach der Wende hatten wir in der Familie keine Lust auf die nun einziehende neue Kultur des kommerzialisierten Kinos, das eher für Jugendliche mit oder ohne Popcorn gedacht war (vielleicht ziemlich selten, diese fast vollständige Kino-Abstinenz) -

bis ich im August 2014 zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder mit 11 Rentnern in einem Kino erschien und "Die geliebten Schwestern" von Dominik Graf sah. Das ist zwar keine Literaturverfilmung. Doch nahten wieder die schwankenden Gestalten der Jugendzeit vor der vertrauten Kulisse meiner Heimat, Weimar, Rudolstadt, Großkochberg, und ich erinnerte mich versöhnt wieder an die Verfilmung der "Lotte in Weimar".
« Letzte Änderung: 17. April 2015, 09.23 Uhr von Karamzin »

Offline desassegado77

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Re: Kennst Du die Verfilmung?
« Antwort #7 am: 27. Januar 2016, 09.33 Uhr »
Gute Literaturverfilmungen gibt es. Aber die Diskussion franst an beiden Enden aus. Ob zum Beispiel Cormac McCarthy Echte Literatur oder reine Unterhaltung ist. Für mich ist es Literatur, diese Paarung von wuchtiger Sprachgewalt und Klarheit, die gibt es im Deutschen kaum. Und in zwei Filmen wurde diese in Bildgewalt umgesetzt, in "The Road" und "No Country for Old Men"...

Offline sandhofer

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Re: Kennst Du die Verfilmung?
« Antwort #8 am: 15. Mai 2017, 19.00 Uhr »
Oder auch: ... die TV-Verserialisierung? Ich lese gerade Neil Gaimans "American Gods"; überlege, ob ich hier Kunst oder hochgradig perfektioniertes Kunsthandwerk vor mir habe - und merke dann, dass das Buch gerade Ver-TV-Serialisiert wird...
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Offline sandhofer

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Re: Kennst Du die Verfilmung?
« Antwort #9 am: 19. Mai 2017, 19.54 Uhr »
Ich sehe kaum fern, habe also keine Ahnung, wie gut die TV-Serie wirklich ist.
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Offline orzifar

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Re: Kennst Du die Verfilmung?
« Antwort #10 am: 20. Mai 2017, 05.55 Uhr »
Tja, mit Serien- und/oder Filmkenntnissen kann ich leider nicht dienen. Vielleicht Dostoevskij?

lg

orzifar
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