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Autor Thema: Lespläne orzifar  (Gelesen 2178 mal)
mombour
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« Antworten #90 am: 23. Juli 2010, 17.10 Uhr »

Eine Lektüre von Russells Philosophiegeschichte würde aber m.M.n. bedingen, dass man die besprochenen Primärtexte zumindest auszugsweise ebenfalls liest. Das könnte zu einem längern Projekt auswachsen ...

Tja, längeres Projekt, hm. Du hast natürlich recht: Wenn man in die Philosophie richtig einsteigen will, muss man die Primärtexte kennen. Nun ist es aber so, die Herren Philosophen, jedenfalls viele von ihnen, z.B. Kant, Hegel, Heidegger, scheinen nicht fürs Volk zu schreiben, jedenfalls nicht für mein Lesehirn, dass ich diese Texte verstandesgemäß verdauen könnte, darum ich doch lieber in schöngeistiger Belletristik flaniere. Alles kann ich nicht lesen, muss ich auch nicht. Bei manchen Philosophen, auch wenn Schelling interessant ist, würde ich lesetechnisch voll gegen die Wand laufen. Denn Russel aber gerne - und dann mal sehen...

Liebe Grüße
mombour
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orzifar
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« Antworten #91 am: 23. Juli 2010, 18.25 Uhr »

Man wird von Fall zu Fall entscheiden müssen. Russel geht es in diesem Werk um die Philosophie als Resultat politischer, sozialer, historischer Umstände und deren Einfluss. Es ist keine Philosophiegeschichte in der Form, dass er die einzelnen Philosophen vorstellen würde, ihre Ideen etc., sondern letztere im sozialen Kontext zu interpretieren versucht. Insofern bedarf es einer gewissen (wenn auch kleinen) Grundkenntnis des Werkes mancher Philosophen.

Am Ausdruck "richtig einsteigen" stoße ich mich Wink. Jeder Einstieg ist richtig, aber keinesfalls ist ein solcher ausschließlich über die Lektüre der Originalwerke möglich (und es gibt Philosophen, die auch ohne Schelling - bei Russel zweimal - oder Schleiermacher - bei Russel keinmal erwähnt - Großes geleistet haben). Bei dir klingt das "richtig" nach einem verzweifelt sich mit dem Gesamtwerk Kants oder Hegels Mühenden, der Wochen und Monate über schwer verständlichen Ausdrücken brütet. Manches wird man im Original lesen, manches in einer Zusammenfassung und Gesamtschau - und sukzessive erhält man ein sich da und dort zusammenfügendes Bild. Das ist in der Geschichte ähnlich, auch in der Literatur: Nach einiger Zeit der Beschäftigung tun sich überraschende Zusammenhänge auf, manche zuvor weiße Flecken auf der Landkarte verschwinden, zeigen ein - oft noch unklares - Bild, manches aber bleibt für immer unerforscht. Und das Wissen um die zahlreichen unerforschten Gegenden sollte dann Bescheidenheit lehren.

Für mich hat dieses "richtig einsteigen" den Geruch des Quälens mit weitgehend unverständlichen Texten, mit ebenso abgehobener akademischer Sekundärliteratur (von Akademikern für Akademiker), die oft gar nichts zu sagen hat, dies aber umso beredter tut. Auf welche Weise man sich philosophischen Ideen nähert, ist nirgendwo vorgeschrieben. Allerdings bedeutet dies nicht, dass man alles und jedes auf seine Weise interpretieren kann, dann wird man doch die Originale heranziehen und diese seine Interpretation belegen müssen.

Wir können uns ja mal Vorwort, Einführung und Vorsokratiker zur Brust nehmen.

lg

orzifar
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sandhofer
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« Antworten #92 am: 23. Juli 2010, 20.44 Uhr »

Vorsokratiker

Dabei fällt mir jenes andere Lästermaul der Philosophiegeschichte1) ein: Diogenes Laertios. Wie wär's mit dem?

1) Na ja -eigentlich repräsentiert er unter den Philosophiehistorikern eher die Neue Bunte Quick-Illustrierte. Oder die Kronenzeitung ...  Grin
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orzifar
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« Antworten #93 am: 24. Juli 2010, 00.09 Uhr »

Dabei fällt mir jenes andere Lästermaul der Philosophiegeschichte1) ein: Diogenes Laertios. Wie wär's mit dem?

1) Na ja -eigentlich repräsentiert er unter den Philosophiehistorikern eher die Neue Bunte Quick-Illustrierte. Oder die Kronenzeitung ...  Grin

Der liegt bei mir ständig griffbereit. Doxographischer Tratsch vom Feinsten. Mag ich Wink. Meinetwegen gerne. Ob er sich allerdings für eine Leserunde eignet?

lg

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mombour
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« Antworten #94 am: 29. Juli 2010, 15.17 Uhr »

Bei dir klingt das "richtig" nach einem verzweifelt sich mit dem Gesamtwerk Kants oder Hegels Mühenden, der Wochen und Monate über schwer verständlichen Ausdrücken brütet.

Für mich hat dieses "richtig einsteigen" den Geruch des Quälens mit weitgehend unverständlichen Texten, mit ebenso abgehobener akademischer Sekundärliteratur (von Akademikern für Akademiker), die oft gar nichts zu sagen hat, dies aber umso beredter tut. Auf welche Weise man sich philosophischen Ideen nähert, ist nirgendwo vorgeschrieben. Allerdings bedeutet dies nicht, dass man alles und jedes auf seine Weise interpretieren kann, dann wird man doch die Originale heranziehen und diese seine Interpretation belegen müssen.

Platon habe ich gelesen, etwas auch auf altgriechisch. Aber Kant lesen, die Kritiken, oder Hegel ....nein Danke, da biegt sich mein Hirn. Eine Qual. So ist das nun mal.
Niemand wird mir erzählen können, dass dieses leichte Schmöker sind (war jetzt nur Spaß Grin ) Philosophie ist nicht einfach.

Liebe Grüße
mombour
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« Antworten #95 am: Gestern um 00:41 »

Nach dem vorläufigen Beiseitelegen der Philosophie des Zufalls bleiben:

David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand (sehr gerne)
John Brockman: Die dritte Kultur (unsicher)

dazu:

Hans Erich Nossack: Der Fall d'Arthez
Edgar Hilsenrath: Der Nazi & der Friseur, Jossel Wassermanns Heimkehr

Dann werd ich mich doch mal an einen Dawkins machen: Das egoistische Gen oder Der blinde Uhrmacher

Noch am Lesen beim Gigerenzer (Das Einmaleins der Skepsis) und Taschner (Das Unendliche), außerdem "Das Ziegenproblem" (Gero von Randow) angefangen (aber ich fürchte, dass mit diesen Mathe-Büchern - im weitesten Sinn - ohnehin allein bleib).

Russel und Camus bleiben weiterhin Optionen.

lg

orzifar

@sandhofer: Hast du "Die unsichtbare Loge" grade eben begonnen?
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sandhofer
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« Antworten #96 am: Gestern um 07:26 »

@sandhofer: Hast du "Die unsichtbare Loge" grade eben begonnen?

Ja. Ich bin irgendwo im 6. Kapitel. (Das allerdings bei Jean Paul natürlich ganz anders heisst.) Gemäss Jean Paul ist nun sein prospektiver Held gerade zur Welt gekommen und hat mal - ein herrenhuterisch-pädagogisches Experiment - 8 Jahre in einer unterirdischen Höhle nur mit einem (namenlosen) Erzieher zusammen verbracht.

Hume, Russell, Camus - warum nicht? Von Humes Text habe ich hier ein älteres kleines Reclam-Heftchen.
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mombour
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« Antworten #97 am: Heute um 00:12 »


Dann werd ich mich doch mal an einen Dawkins machen: Das egoistische Gen oder Der blinde Uhrmacher


Deine Meinung zum blinden Uhrmacher interessiert mich natürlich sehr, weil ich das Buch auch gelesen habe. Ich habe irgendwo gelesen, dass die Theorie des egoistischen Gens nicht mehr up to date ist, sonst hätte ich das Buch gelesen.  Mir schwebt dagegen vor, einen Verfechter von Darwin zu lesen (Ulrich Kutschera: "Tatsache Evolution") und ein Buch über Epigenetik (Peter Spork: "Der zweite Code: Epigenetik - oder Wie wir unser Erbgut steuern können"

Liebe Grüße
mombour
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