Autor Thema: Pankaj Mishra: Das Zeitalter des Zorns  (Gelesen 70 mal)

Offline orzifar

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Pankaj Mishra: Das Zeitalter des Zorns
« am: 20. November 2017, 04.20 Uhr »

Hallo!

Ich bin noch am Anfang dieses Buches, aber ich zweifle stark, ob ich dieses Machwerk (und als solches stellt es sich dar) fertig lesen werde. Mishra scheint ein äußerst gut gemästetes Phrasenschwein verschluckt zu haben - und schafft es auf zwei Seiten, etwa 30 Schriftsteller, Philosophen etc. zu erwähnen, ohne dass irgendein Zusammenhang mit seinem Thema, einer Idee, einem Argument ersichtlich würde. Man liest - und hat rein gar nichts Substantielles gelesen: In dieser exzessiven Form ist mir das schon lange nicht mehr passiert. Dagegen ist eine Pressekonferenz Angela Merkels ein wahres Feuerwerk an konkreten Aussagen. Dabei von der Presse hochgelobt: Aber weshalb????

lg

orzifar
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Thomas Junker: Die Evolution der Phantasie. Wie der Mensch zum Künstler wurde
Ganten, Spahl, Deichmann: Die Steinzeit steckt uns in den Knochen

Offline orzifar

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Re: Pankaj Mishra: Das Zeitalter des Zorns
« Antwort #1 am: 24. November 2017, 08.15 Uhr »
Hallo,

mein Gefühl hat mich nicht getäuscht: Ich habe quergelesen und das ganze Buch hat sich als ein grauenhaftes Machwerk herausgestellt, das in Rousseau den Diagnostiker unserer Gesellschaft zu erkennen vorgibt. "Er spürte als einer der Ersten, dass eine Macht, der es an theologischer Gründung oder transzendenter Autorität fehlte und die als Macht über konkurrierende Individuen verstanden wurde, von Haus aus instabil war." Transzendenz und Theologie als Rettung der Welt, zurück zur Natur (derlei impliziert immer, dass 90 % der Menschheit ratzfatz verhungert: Ich frage mich bei solchen Ideen immer, ob der Autor in Kauf nimmt, dass er bzw. seine Familie unter diesen 90 % sind), das sind die Maßnahmen, die ihm vorschweben (schon ein amüsanter Ansatz, gegen den Fundamentalismus mit Theologie und transzendenter Autorität vorgehen zu wollen; unfreiwillige Komik gepaart mit äußerst bescheidenen intellektuellen Fähigkeiten: Man empfiehlt der Feuerwehr bei ihren Einsätzen Brandbeschleuniger einzusetzen).

Dazu passt, dass er den einzigen wirklich überzeugenden Intellektuellen (!) in Papst Franziskus sieht, der "kein Verfechter der Vernunft und des Fortschritts" sei. Nein, wahrlich nicht, die zahlreichen, seit seinem Amtsantritt durchgeführten Exorzismusseminare zeugen nicht wirklich von Aufgeschlossenheit. Das aber ficht Mishra nicht an - im Gegenteil: Darin sieht er das Heil für die Menschheit, für die von ihm kritisierten rechtspopulistischen und frauenfeinlichen Bewegungen. Im Ernst.

Ein Buch, das bestenfalls nach seinem Brennwert beurteilt werden sollte.

lg

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