Autor Thema: Neukantianismus / Phänomenologie  (Gelesen 742 mal)

Offline sandhofer

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Re: Neukantianismus / Phänomenologie
« Antwort #15 am: 06. November 2017, 19.29 Uhr »
Na ja. Es ist bei Windelband auch Meckern auf hohem Niveau. Aber ich mag es nicht, wenn anhand von vermeintlichen oder tatsächlichen Charakterzügen der Philosophen ihre Philosophie exemplifiziert wird. Wenn Windelband dann einmal darüber weg ist, gibt es eigentlich wenig auszusetzen

Umso mehr auszusetzen habe ich an Cohens "Logik der Erkentniss". Ich habe am Wochenende kurz hineingeschaut: Ich kann das nicht in einer Leserunde lesen. Wo Cohen in die Geschichte der Philosophie abtaucht (und das tut er oft), gibt er apodiktische Urteile über die Philosophen und ihre Begrifflichkeiten ab, ohne sie mit Belegen zu stützen. Er hypstasiert philosophische Begriffe wie Substanz oder Kategorie, und lässt die aus eigenem Willen Dinge tun oder lassen. Das hat mich schon bei Dilthey geärgert. Es klingt dann zwar so schön wie eine Beschreibung natürlichen Verhaltens (und damit schon fast naturwissenschaftlich), ist aber nur Sprachgeklingel. Und wenn das Denken eines Philosophen nicht dem seinen entspricht, pinkelt er ihm rotzfrech ans Bein - so, wenn er Hume philophisches Unverständnis vorwirft, wenn dieser die Regeln des logischen Schliessens auf Gewohnheit zurückführt, statt wie die alten Griechen und Kant (und also auch Cohen selber) auf Kategorien und Substanzen. Dass Hume hier vor allem seinem gesunden anti-metaphysischen Reflex folgt, kommt dem Erz-Metaphysiker Cohen natürlich nicht einmal in den Sinn...
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Offline sandhofer

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Re: Neukantianismus / Phänomenologie
« Antwort #16 am: 07. November 2017, 21.33 Uhr »
Andererseits ist es faszinierend, Cohen dabei zuzuschauen, wie er versucht, Darwins Evolutionstheorie mit Kant'scher Begrifflichkeit zu fassen. Darwins Species als Kant'sche Idee.
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Offline sandhofer

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Re: Neukantianismus / Phänomenologie
« Antwort #17 am: 14. November 2017, 17.40 Uhr »
Ich bin nicht sicher, ob bei Cohen ein Teil 2 kommt oder nicht ...  lvw
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Offline sandhofer

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Re: Neukantianismus / Phänomenologie
« Antwort #18 am: 19. November 2017, 06.38 Uhr »
Ich bin nicht sicher, ob bei Cohen ein Teil 2 kommt oder nicht ...

Aber das ist mir im Moment auch egal. Ich werde Cohen aktuell nicht weiterverfolgen. Seine Logik der reinen Erkenntniss habe ich aber im Blog vorgestellt.
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Offline sandhofer

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Re: Neukantianismus / Phänomenologie
« Antwort #19 am: 21. November 2017, 19.00 Uhr »
Windelbands Lehrbuch der Geschichte der Philosophie lässt sich gleich zu Beginn schon mal sehr interessant an.
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Offline sandhofer

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Re: Neukantianismus / Phänomenologie
« Antwort #20 am: 22. November 2017, 19.22 Uhr »
Windelbands Buch ist als Einführung für Studenten gedacht. Kennys Text auch. Aber welch ein Unterschied in der Art und Weise, wie an die jungen Leute herangegangen wird! Windelband verlangt von ihnen Dinge, mit denen heute Doktoranden überfordert wären, besonders in Bezug auf Rezeption von Sekundärliteratur... Kenny wäre zu Windelbands Zeiten Popularphilosophie gewesen...
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Offline orzifar

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Re: Neukantianismus / Phänomenologie
« Antwort #21 am: 23. November 2017, 03.08 Uhr »
Da kann ich dir nur vollauf zustimmen: Ähnlich verhält es sich auch mit den diversen "Einleitungen in die Philosophie" aus dieser Zeit (z. B. von Külpe oder Schwegler, Jerusalem). Das sind zumeist Bewertungen der einzelnen phil. Richtungen von einem ganz bestimmten Standpunkt aus, die aber nur dann nachzuvollziehen sind, wenn man schon ein Wissen dieser Richtungen mitbringt. Kein Vergleich mit den Einleitungen, die in unserer Zeit geschrieben werden (wertfrei festgestellt, das hat Vor- und Nachteil).

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Re: Neukantianismus / Phänomenologie
« Antwort #22 am: 27. November 2017, 20.20 Uhr »
Das sind zumeist Bewertungen der einzelnen phil. Richtungen von einem ganz bestimmten Standpunkt aus, die aber nur dann nachzuvollziehen sind, wenn man schon ein Wissen dieser Richtungen mitbringt.

Kaum schreibst Du das, stolpere ich auch bei Windelband darüber. Was er in seinem "Lehrbuch" zu Kant sagt, versteht nur, wer schon Kant verstanden hat...
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Offline orzifar

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Re: Neukantianismus / Phänomenologie
« Antwort #23 am: 28. November 2017, 05.43 Uhr »
Hallo!

Ich weiß ja nicht, was anno dazumal von Philosophiestudenten an Vorwissen verlangt wurde. Aber wenn du einem philosophischen Novizen heute den Windelband (oder einen der anderen erwähnten) in die Hand drückst, überforderst du ihn unter Garantie.

Ich lese allerdings gerade deshalb diese alten Wälzer sehr gerne; sie sind ein wunderbares Spiegelbild einzelner Richtungen und oft gerade durch ihre nicht unparteiische Schreibweise interessant.

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Re: Neukantianismus / Phänomenologie
« Antwort #24 am: 29. November 2017, 19.29 Uhr »
Aber wenn du einem philosophischen Novizen heute den Windelband (oder einen der anderen erwähnten) in die Hand drückst, überforderst du ihn unter Garantie.

Denke ich auch, ja.
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Offline sandhofer

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Re: Neukantianismus / Phänomenologie
« Antwort #25 am: 30. November 2017, 19.11 Uhr »
Der Schlussteil, vom mir vorher unbekannten Heinz Heimsoeth, fällt ab.
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Offline sandhofer

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Re: Neukantianismus / Phänomenologie
« Antwort #26 am: 02. Dezember 2017, 07.22 Uhr »
Alle 650 Seiten sind jetzt auch im Blog vorgestellt.
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Re: Neukantianismus / Phänomenologie
« Antwort #27 am: 02. Dezember 2017, 07.53 Uhr »
Ich ziehe den Hut: Wiewohl ich auch bereits mit der Lektüre begonnen habe, bin ich aufgrund vergangener Erfahrungen von einem Vorschlag zu einer Leserunde alsbald abgekommen. Ich werde wohl noch ein halbes Jahr daran lesen - oder länger.

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Re: Neukantianismus / Phänomenologie
« Antwort #28 am: 04. Dezember 2017, 20.09 Uhr »
Na ja. Dein Tempo bei der Kempwski-Lektüre ist ja auch nicht schlecht.

Grüsse

sandhofer
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Re: Neukantianismus / Phänomenologie
« Antwort #29 am: 05. Dezember 2017, 03.11 Uhr »
Na ja. Dein Tempo bei der Kempowski-Lektüre ist ja auch nicht schlecht.

*lach* - da ist was dran. Aber Romane lesen sich denn (für mich) gänzlich anders als phil. Bücher: Geschwindigkeitsunterschied zwischen 1:3 bis 1:10. Und der Kempowski liest sich sehr flüssig und angenehm - und ich bin auch froh darüber, dass ich das doch umfangreiche Projekt recht schnell lesen kann: Es gibt zahlreiche Anspielungen von einem Buch zum anderen - und so manches würde ansonsten in meinen ältlichen Gedächtnisfurchen ohne Wiederkehr verschwinden.

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