Autor Thema: Gottfried Wilhelm Leibniz  (Gelesen 2904 mal)

Offline sandhofer

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Gottfried Wilhelm Leibniz
« am: 21. Juli 2012, 07.34 Uhr »
Band 1 [Kleinere metaphyische Schriften] der siebenbändigen Auswahl-Ausgabe der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft. (Die mittlerweile leider auch schon wieder vergriffen ist. Die Logik von Port-Royal haben sie - was ja auch ok ist. Aber eine brauchbare Werkausgabe von Leibniz? Die lässt man ausgehen. Dabei führt die WBG mittlerweile eine elektronische Backlist, wo sie gewissen Titel als Book on Demand drucken können. Mein Aulus Gellius ist so eines.)

Der erste Text, in dem Leibniz seine prästabilierte Harmonie vorstellt, ist gleich in Band 1. Mir will scheinen, Leibniz hat mit seiner prästabilierten Harmonie gleich zwei Fliegen auf einen Schlag treffen wollen. Zum einen das Cartesische Problem der Interaktion zwischen Seele und Körper, die, wenn das zwei völlig verschiedene Entitäten sein sollen (dem würde Leibniz zustimmen), auf keine Weise bewiesen oder auch nur wahrscheinlich gemacht werden kann, und auf der andern Seite das der menschlichen Willensfreiheit vs. einer göttlichen Allmacht. Problem 1 wird gelöst, indem der liebe Gott die Welt so eingerichtet hat, dass Körper und Seele wundersam parallel funktionieren, ohne dass er einzugreifen brauchte (Leibniz braucht das Beispiel zweier perfekt synchronen Uhren). Problem 2 quasi durch ein Korollar, da der Mensch auf der Ebene der Seele völlig frei ist, auf der des Körpers aber dem sich physisch-mechanisch ausdrückenden göttlichen Willen unterworfen ist.
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Offline sandhofer

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Re: Gottfried Wilhelm Leibniz
« Antwort #1 am: 22. Juli 2012, 09.11 Uhr »
Leibniz' Ethik bleibt mir - zumindest nach Band 1 - noch etwas schleierhaft. Vielleicht, weil der hier abgedruckte Text von Leibniz - entegen seinen Gepflogenheiten - auf Deutsch verfasst worden ist? So viel scheint mir klar, dass Leibniz die Erkenntnis Gottes ins Zentrum rückt und die als "durch das natürliche Licht" erreichbar findet.
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Offline sandhofer

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Re: Gottfried Wilhelm Leibniz
« Antwort #2 am: 25. Juli 2012, 09.40 Uhr »
In seiner Theodizee haben wir dann wieder Leibniz als Metaphysiker, der sich nicht so ganz von den klassischen Gottesvorstellungn trennen kann. Spinoza war ja im Grunde genommen mit seinem materiell-immateriellen Gott, der alles umfasst, schon einen Schritt weiter gekommen. Und auch Descartes philosophische Neuerung, dass er das Ich ins Spiel bringt, geht bei Leibniz' Theodizee praktisch wieder verloren. Dafür wird jede Menge Theologen zitiert. (Gut - Leibniz unterscheidet schon klar und bewusst zwischen Theologen und Philosophen, das ist sicher mal ein Fortschritt ...)
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Offline sandhofer

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Re: Gottfried Wilhelm Leibniz
« Antwort #3 am: 24. August 2012, 07.39 Uhr »
Ich habe die Theodizee mittlerweile beendet; und sie lässt mich recht ratlos zurück. Wie orzifar schon andernsorts geschrieben hat: Da fängt Leibniz ganz harmlos und eigentlich schön den Regeln der Logik gemäss an - und plötzlich stehen wir mitten in einem metaphysisch-scholastischen Sumpf. Spitzfindigkeiten, Rechthaberei - pure Scholastik eben. Seine Monadologie kommt ohne das alles aus, ist auch recht kurz. Hier streitet sich Leibniz die längste Zeit mit Bayle herum. Hm ...
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Offline sandhofer

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Re: Gottfried Wilhelm Leibniz
« Antwort #4 am: 26. August 2012, 19.46 Uhr »
Scheibenkleister. Da will ich nichts ahnend friedlich in meiner Leibniz-Ausgabe weiterfahren - und was kommt als nächstes? Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand. Leibniz' Antwort auf Lockes An Essay Concering Human Understanding. Jetzt muss ich Locke doch nochmals lesen. Hat jemand Lust mitzutun? Und eventuell vorher noch etwas von Hobbes? Den Leviathan oder De Cive? Scheibenkleister ...
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Offline orzifar

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Re: Gottfried Wilhelm Leibniz
« Antwort #5 am: 27. August 2012, 02.36 Uhr »
Hallo,

die neuen Abhandlungen von Leibniz habe ich einer eleganten Schuberausgabe des Insel-Verlags (zweisprachig). Würde ich auch ev. mitlesen, wenn ich nicht befürchten müsste, dass mir der Meister der Monade auf ewig unverständlich bleibt ...

lg

orzifar
Derzeitige Lektüre:

Eve-Marie Engels: Erkenntnis als Anpassung?
Andreas Bartels: Grundprobleme der modernen Naturphilosophie
Thomas Junker: Die Evolution der Phantasie. Wie der Mensch zum Künstler wurde
Ganten, Spahl, Deichmann: Die Steinzeit steckt uns in den Knochen
Kazuo Ishiguro: Der Maler der fließenden Welt

Offline sandhofer

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Re: Gottfried Wilhelm Leibniz
« Antwort #6 am: 27. August 2012, 07.06 Uhr »
Hallo!

Die Ausgabe wäre, wenn ich das richtig sehe, wohl dieselbe wie meine. Ich habe nach dem Vorwort und den ersten 3 oder 4 Seiten abgebrochen, nachdem mir anhand des referierten Inhaltsverzeichnisses klar wurde, dass "jener berühmte Engländer" (anders nennt ihn Leibniz nicht) wirklich Locke ist ...

Die ersten paar Seiten waren ja noch nicht schlimm; mag sein das kommt noch, wenn Leibniz den Engländer via seine Monaden und das prästabilierte Harmoniebedürfnis verbessern will.

Grüsse

sandhofer
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Offline sandhofer

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Re: Gottfried Wilhelm Leibniz
« Antwort #7 am: 13. Oktober 2012, 16.49 Uhr »
Ich bin nun bei Leibniz' Auseinandersetzung mit Lockes "Essay Concerning Human Understandig". In Dialogform. Hm ... Dialog kann Leibniz nicht ...
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Offline sandhofer

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Re: Gottfried Wilhelm Leibniz
« Antwort #8 am: 13. Oktober 2012, 20.18 Uhr »
Was ich meine: Der eine Dialogpartner referiert jeweils ganz kurz die Position Lockes, die andere antwortet in grosser Länge aus der Position Leibniz'. Nun ist die Position Lockes oft eher die eines Locke-wie-ihn-Leibniz-Versteht, was das Ganze mühsam macht. Man müsste Punkt für Punkt, Argument für Argument vergleichend lesen. Das wäre Stoff für eine Doktor-Arbeit; aber ich bin sicher, die existiert schon ...
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Offline sandhofer

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Re: Gottfried Wilhelm Leibniz
« Antwort #9 am: 18. Oktober 2012, 15.05 Uhr »
Leibniz ist eine irritierende Figur. Er ist wohl der bessere Naturwissenschafter und der bessere Logiker als Locke. Gleichzeitig aber viel stärker in der Metaphysik und im scholastischen Denken verwurzelt als der Brite. (Obwohl auch Locke, wenn ich mich recht erinnere, eine scholastische Grundausbildung erhielt.)
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Offline sandhofer

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Re: Gottfried Wilhelm Leibniz
« Antwort #10 am: 23. November 2012, 07.30 Uhr »
So, nun ist Leibniz wieder an der Reihe: Band IV der von der WBG seinerzeit herausgegebenen Werkausgabe, die offenbar aber leider unvollendet geblieben ist. Band IV jedenfalls beschäftigt sich nun mit dem Logiker Leibniz. Den ersten Text, einen von Leibniz deutsch geschriebenen Brief, habe ich angefangen, aber dann für den Moment weggelegt. Leibniz' Französisch ist schön und elegant; sein Deutsch fürchterlich ...  >:D
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Offline sandhofer

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Re: Gottfried Wilhelm Leibniz
« Antwort #11 am: 24. November 2012, 16.14 Uhr »
Leibniz zur Logik wird tatsächlich interessant. Er versucht gerade, die symbolische Logik zu begründen.  :D
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BigBen

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Re: Gottfried Wilhelm Leibniz
« Antwort #12 am: 08. August 2013, 09.05 Uhr »
... der siebenbändigen Auswahl-Ausgabe der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft. (Die mittlerweile leider auch schon wieder vergriffen ist.

Ist für den September wieder angekündigt.  :)

Offline sandhofer

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Re: Gottfried Wilhelm Leibniz
« Antwort #13 am: 08. August 2013, 12.24 Uhr »
... der siebenbändigen Auswahl-Ausgabe der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft. (Die mittlerweile leider auch schon wieder vergriffen ist.

Ist für den September wieder angekündigt.  :)

Ja, jetzt is' zu spät...  ;D
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BigBen

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Re: Gottfried Wilhelm Leibniz
« Antwort #14 am: 08. August 2013, 14.00 Uhr »
... der siebenbändigen Auswahl-Ausgabe der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft. (Die mittlerweile leider auch schon wieder vergriffen ist.

Ist für den September wieder angekündigt.  :)

Ja, jetzt is' zu spät...  ;D

Nicht für mich.  :angel: